Vertonter Rechtsradikalismus

Ehemaliger Neonazi erzählt in Mittelschule aus seinem Leben

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Berichtete ungeschönt aus seiner Vergangenheit: Ex-Neonazi Felix Benneckenstein vor den Schülern und Lehrern.

Penzberg – Dunkler Kapuzenpullover, rote Hose und ein Lächeln. Als Felix Benneckenstein die Bürgermeister-Prandl-Mittelschule betritt, wirkt er wie ein völlig normaler junger Mann. Dann erzählt er aus seiner Vergangenheit, und das Bild ändert sich. Benneckenstein war ein Anhänger der Neonazi-Szene.

Eine präventive Maßnahme, die bei den Achtklässlern einen mächtigen Eindruck hinterlassen hat. Im Mehrzweckraum ist es zwei Schulstunden lang völlig still. Allein Benneckenstein hat das Wort – und über 60 Schüler und auch Lehrer lauschen ihm, dem Mann, der den Ausstieg geschafft hat, den Ausstieg aus der rechtsradikalen Szene. 

Als Jugendlicher sei er zunächst in der Schule abgerutscht, berichtet der Referent. Als er 15 Jahre alt ist, habe er begonnen, sich mit den Ideologien und Verschwörungstheorien der Nationalsozialisten zu beschäftigen. Sein Interesse wuchs, schon bald war er ein überzeugter Neonazi. Während andere Jugendliche seines Alters ihre musikalische Ader und Kreativität im Musikunterricht an der Schule auslebten oder einem entsprechenden Hobby nachgingen, verfasste und vertonte Benneckenstein rechtsradikale Lieder. Auch seine Ehefrau lernt der junge Mann in der rechtsradikalen Szene kennen, in der Szene, die vermeintliche gesellschaftliche Randgruppen ausschließt. Bis heute sei es für ihn, der mit einem Bruder mit Down-Syndrom aufwächst, unerklärlich, wie er sich den Neonazis anschließen konnte. 

So schnell der Einstieg, so langsam der Ausstieg: Benneckenstein berichtet den Schülern vom mühseligen und langwierigen Weg, aus der Szene herauszukommen. Es habe ganze drei Jahre gedauert, bis er mit seiner Frau und seinem Kind ein neues Leben beginnen konnte, erinnert sich der junge Mann. Er hat es geschafft, und möchte nun auch anderen helfen, eine Ausweg zu finden. Deshalb arbeitet Benneckenstein für die Aussteigerhilfe Bayern, eine Unterorganisation von EXIT Deutschland. Die Initiative unterstützt Menschen dabei, dem Rechtsextremismus abzuschwören. Auch präventiv ist die Initiative im Einsatz und organisiert Vorträge in Schulen und in der Öffentlichkeit. 

An die Penzberger Mittelschule kam Benneckenstein dank des Engagements von drei Studentinnen der Katholischen Stiftungshochschule Benediktbeuern: Im Rahmen einer Projektarbeit bereiteten Hanna Schelzke, Irena Reuters und Bernadette Rödl, alle drei studieren Soziale Arbeit, die Veranstaltung in den Klassen methodisch vor. Gefördert wurde der Vortrag dabei vom Bayerischen Jugendring (BJR) durch das Fachprogramm Schulbezogene Jugendarbeit. 

Heraus kam ein Vortrag, bei dem nach 90 Minuten Stille die Schüler das Wort und die Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen. Und viele packten diese Gelegenheit beim Schopf. Reger Zuspruch, der vermuten lässt, dass es künftig mehr von diesen ungewöhnlichen Vorträgen an der Bürgermeister-Prandl-Mittelschule geben wird. Vorträge, die fernab des strikten Lehrplans unmittelbar aus dem Leben erzählen. ra

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