Gefieder im Schotter

Dem Gemeinderat Habach beschäftigt eine Vielzahl an Projekten – und der Flussregenpfeifer

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Braucht mehr Strom, bekommt mehr Leistung: Das Eichbichl-Stüberl in Habach

Habach – Ein zitrusfruchtgelber Ring umrandet die Pupillen. Ein schwarzes Band umfasst den Hals. Braun-weiß ist der gefiederte Leib. Adrett zeigt sich der Flussregenpfeifer, und obgleich er keine 50 Gramm wiegt, so ist der kleine Vogel doch eine Last, zumindest für den Gemeinderat in Habach.

Der Flussregenpfeifer lässt ein Projekt pausieren, das dem Gemeinderat von Habach zufolge schon viel zu lang brach liegt und das in der jüngsten Sitzung abermals zum Thema gemacht wurde. Denn seit Jahren liegt er vor, der Bescheid, der eine Rekultivierung der Kiesgrube in Habach vorsieht. Doch: eine Wiederherstellung natürlicher Lebensräume ist bislang nicht in Sicht. Ein wenig Resignation machte sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats daher breit, als das Schottergelände zur Sprache kam. Denn die Firma Fiechtner treibe die Rekultivierung nicht voran, hieß es in dem Gremium. Bis Ende März hätte ein Sachstandsbericht über weitere Maßnahmen beim Weilheimer Landratsamt vorliegen sollen – was jedoch nicht der Fall war. Im Gespräch mit der zuständigen Firma habe man schließlich erfahren, dass ein Gutachten geplant sei. Und nun: „Der Fluss­regenpfeifer hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, klagt Bürgermeister Michael Strobl. Die gefährdete Brutvogelart, die sich nun dort ansiedelt, verhindert erst einmal jegliches Vorankommen in der Kiesgrube bis September. „Dann kommt der Winter und dann wieder der Fluss­regenpfeifer“, verlautete es aus den Reihen des Gremiums mit defätistischem Unterton, „oder die Gelbbauchunke“. 

Bis das Unterfangen in der Kiesgrube verwirklicht ist, muss vermutlich noch ein steiniger Weg beschritten werden. Schneller vorankommen dürften dagegen die übrigen Projekte, die Rathauschef Strobl in der Sitzung auf den Tisch legte. Da wäre das Eichbichl-Stüberl, dessen Umbau sich in den letzten Zügen befindet. Ein Umbau, der dank des Zusammenhalts in der Gemeinde und der Zusammenarbeit mit regionalen Handwerkern schnell vonstatten ging. „Da ham sich oa neighängt“, lobte Strobl. Rund 89.000 Euro haben die Renovierungsarbeiten bislang gekostet, nun soll noch ein Nischenregal mit Wandvertäfelung folgen. Einstimmig beschloss das Gremium dem Angebot der Schreinerei Hoyer den Zuschlag zu geben. Kostenpunkt: rund 2.700 Euro. Weitere 2.700 Euro sollen in die Leistungserhöhung von 30 Kilowatt auf 60 Kilowatt durch Bayernwerk Netz investiert werden. Mit dem neuen Pächter des Stü­berls, Sebastian Degenhardt, verändert sich nämlich der Strombedarf an der Höhlmühler Straße 14. „Der vorherige Pächter hat vor allem mit Gas gekocht“, erklärte Strobl den erhöhten Energiebedarf. 

Doch nicht nur in der Höhe, auch auf dem Boden Habachs sind Maßnahmen erforderlich: Im Rahmen des Umbaus und der Erweiterung des Schulgebäudes sollen Freiflächen neu angelegt werden, mit barrierefreiem Zugang. Von sieben Firmen habe man Angebote erbeten, jedoch lediglich eines erhalten, bedauerte der Rathauschef. Mit gut 38.000 Euro wird das Unterfangen „schon teurer als erwartet“, stellte Strobl dabei fest, er habe aber nicht das Gefühl, dass es sich um ein „überteuertes Angebot“ handelt. Auch könne man froh sein, dass die Gemeinde überhaupt ein Angebot erhalten habe, zumal es sich um Arbeiten handele, die während der Ferienzeit durchgeführt werden müssen. Einstimmig beschloss das Gremium schließlich, der Pollinger Firma Peter Seeling Garten- und Landschaftsbau den Auftrag zu erteilen. Doch nicht alleine im Außenbereich, auch innen soll die Schule auf Vordermann gebracht werden: mit einer Podesttreppe, die für rund 11.200 Euro von der Schreinerei Hoyer errichtet wird. 

Kein steiniger Weg, dafür aber ein Vorhaben, dass bei Weitem nicht so schnell fließt wie das Hochwasser, mit dem die Gemeinde schon oft zu kämpfen hatte, sind die Planungen für die Hochwasserableitung südöstlich von Habach. Bei einem Ortstermin des Bauausschusses vor gut zwei Wochen wurde deutlich, dass eine solche Ableitung, eine Kombination aus Verrohrung und offenem Graben nicht allzu leicht zu realisieren sein wird: Nicht nur die Bauplatzparzellen, die ein „Zickzack“ bilden, sondern auch die Grundstückseigentümer, erschwerten eine Verwirklichung, erklärte Strobl. Denn diese müssten einen „offenen Graben dulden“ und seien nicht ganz einverstanden, da sie die Grundstücke als Bauplatz betrachteten, erläuterte der Bürgermeister. Dem Vorschlag von Gemeinderat Klaus Mair, eine Senke in das Gelände zu setzen, denn dann „könnte man genauso bewirtschaften wie vorher“, war der Rathauschef zwar nicht abgeneigt, doch betonte er im selben Zuge, dass Entschädigungen so oder so zu zahlen wären. ra

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