Blüte im Speckgürtel

Chinesische Spitzenbeamte besuchen das Penzberger Rathaus

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Bürgermeisterin Elke Zehetner, ihr Stellvertreter Ludwig Schmuck und Wirtschaftsförderin Monique van Eijk (vorne ab 6. von links) sowie Kämmerer Johann Blank (hinten 4. von links) gewährten Gerhard Brunner (hinten 5. von links) und den Spitzenbeamten aus Shenzhen Einblicke in die kommunale Stadtverwaltung und Wirtschaft.

Penzberg – Wenn sich Besuch aus fernen Ländern ankündigt, dann muss man als Gastgeber schon in traditioneller Tracht Hände schütteln. Das dachten sich jedenfalls Bürgermeisterin Elke Zehetner und ihr Kollege Ludwig Schmuck, die nun in Dirndl und Lederhose eine Delegation aus Shenzhen begrüßten. 

Eigenlob stinkt, sagen die einen, sich selbst loben, wagen die anderen. Zu letzteren zählen in Penzberg allem Anschein nach einige Vertreter im Rathaus. Denn als Bürgermeisterin Elke Zehetner gemeinsam mit ihrem Vertreter Ludwig Schmuck, Kämmerer Johann Blank und Wirtschaftsförderin Monique van Eijk ihrem internationalen Besuch aus China im Rathaus die Stadt Penzberg vorstellten, sprechen sie mit Stolz geschwellter Brust über ihre Heimat. „Die Interna einer Stadt mit rund 17.00 Einwohnern“ werde der Besuch nun kennenlernen, freut sich Gerhard Brunner von der Bayerischen Verwaltungsschule in München, der die chinesische Delegation durch Deutschland, genauer gesagt Berlin und Bayern, begleitet. „Die höchsten Funktionäre“ von Shenzhen, so Brunner, sammeln sich nun im Großen Sitzungssaal des Rathauses und blicken nach vorne, dort wo die Bürgermeisterin jetzt das Wort ergreift. Die Stadt, die im Speckgürtel von München liege, sei, was die Finanzkraft anbelangt, „Wirtschaftsstandort Nummer eins im Landkreis“, strahlt die Rathauschefin. Die Stadt sei „eine ausgesprochen reiche Kommune“, die über viel Grundbesitz verfügt. Sogleich nennt Zehetner eine Zahl, rund 1.400 Betriebe seien in Penz­berg angesiedelt. „Vom Ein-Mann-Unternehmen bis zu 6.200 Mitarbeitern“, ergänzt Wirtschaftsförderin Monique van Eijk, die zu ihrer Rechten sitzt. 

Damit es sich so schön in Penzberg arbeiten lässt, sorge sich die Stadt mit einem finanziellen Aufwand von rund acht Millionen Euro im Jahr um eine bestmögliche Kinderbetreuung. Wie Zehetner abermals mit Zahlen belegt: „13 Einrichtungen und 1.300 Plätze“, die Mittagsbetreuung noch nicht mitgerechnet, lächelt sie. Immer wieder unterbricht die Bürgermeisterin nach drei, vier Sätzen ihren Vortrag und überlässt einer Übersetzerin das Wort. Ob nun auf Deutsch oder Chinesisch, der Besuch nimmt das Gesprochene ohne große Gefühlsregung auf. Manche machen sich Notizen, andere wischen über ihr Smartphonedisplay und wieder andere nippen an ihrer mitgebrachten Thermoskanne, während auf einem Tisch frisch aufgebrühter Kaffee darauf wartet, in Tassen gegossen zu werden. 

Auch die Finanzen der fremden Stadt Penzberg nimmt die Delegation mit minimaler Mienenregung wahr. Penzberg, das 16.586 Einwohner zähle, habe eine Steuerkraft von 2.400 Euro, erklärt Blank und ergänzt grinsend: „Der Stadt geht es relativ gut“. Hinter ihm wird eine Bild vom Rathaus an die Wand projiziert, begleitet von Zahlen und Fakten rund um den Haushalt. „Penzberg ist komplett ohne Schulden“, leuchtet unter anderem auf. „Nicht nur in China blühen die Städte, auch in Deutschland“, befindet da Brunner, ein Satz, den die Dolmetscherin sogleich ins Mikro übersetzt. 

Dasselbe macht sie auch mit den Sätzen, die nun van Eijk verlautbart. Die Wirtschaftsförderin zählt die Standortfaktoren der Stadt auf. Penzberg sei eine „attraktive Einkaufsstadt“, welche über alle Schulen und über eine Kinderbetreuung verfüge, denn so „ist es einfacher, an qualifiziertes Fachpersonal zu kommen, so van ­Eijk. Und damit ist die Wirtschaftsförderin noch nicht am Ende der Vorteilsliste: „Wir haben einen sehr hohen Erholungs- und Freizeitwert“. Dann zählt van Eijk die Gewerbegebiete der Stadt und beispielhafte Unternehmen auf. Informationen, welche die Spitzenbeamten aus Shenzhen abermals mit wenig Mimikspiel zur Kenntnis nehmen. Da hilft auch van Eijks Hinweis auf Karl Wald nichts, der den Elfmeter erfand und in Penzberg lebte. 

Interesse zeigt der Besuch jedoch an der Kommunalpolitik. Ein Beamter fragt sich da, ob im Stadtrat die Bürgermeisterin bei Beschlussfassungen das letzte Wort habe. Zehetner lacht, „die Mehrheit entscheidet“, erklärt sie. „In der Demokratie entscheidet immer die Mehrheit“, ergänzt Brunner, „egal, ob sie klüger ist oder nicht“. Groß behandeln möchte der Mann von der Bayerischen Verwaltungsschule das Thema aber nicht, schließlich werde er schon bald in einem Seminar die Kommunalwahl und das System dahinter ausführlich mit den Beamten behandeln. Für den Besuch aus China geht es stattdessen zum Abschluss noch in die Stadthalle, um eines der Gebäude zu begutachten, das der Stadtrat in seiner allmählich zu Ende gehenden sechsjährigen Periode umfassend saniert hat.ra

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