Berghalde in Penzberg

Eine Herzenssache - darum schrieb Stephan Jocher ein Buch über die Barbarakapelle

Autor Stephan Jocher zeigt sein Buch über die Barbarakapelle in Penzberg
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Stephan Jocher hat ein Buch über die Barbarakapelle geschrieben.

Penzberg - Für Stephan Jocher ist die Barbarakapelle in Penzberg eine Herzenssache. Der Architekt hat sie damals entworfen - und schrieb jetzt ein Buch über das Kircherl.

17 Jahre ist der Bau der Barbarakapelle auf der Penzberger Berghalde her. Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte der „Jungritter“. Architekt Stephan Jocher gestaltete damals die Kapelle. Ein zeitloses Bauwerk, dass als Erinnerung und Wahrzeichen der Bergleute dient. Zu Ehren dieser Kapelle bringt Jocher, pünktlich zum Barbaratag an diesem Freitag, 4. Dezember, ein limitiertes Buch heraus. „Wenn ich gewusst hätte, was ich da anfange, hätte ich es lieber nicht gemacht“, lacht Jocher, Stadtplaner und Architekt. Auslöser für den lange gehegten Wunsch, über die Barbarakapelle ein Druckwerk zu verfassen, war letztendlich ein Anruf aus Köln. Das dortige Erzbistum bat den Architekten, die gleiche Kapelle erneut zu bauen. In einer Gemeinde bei Köln, in Weilerswist. „Ich habe auch keine Ahnung wie die darauf gekommen sind“, erzählt Jocher. „Aber anscheinend wurde die Kapelle dort in Fachzeitschriften publiziert und als herausragende Architektur bezeichnet.“

2003 entworfen

Der heute 60-Jährige entwarf die Penzberger Barbarakapelle im Jahr 2003 zum 50. Gründungsjubiläum für den Gesellschaftsverein der „Jungritter“. Mit Spenden aus der Bevölkerung wurden die Baumaterialien finanziert. „Da gab es einen Steinplan und alles war detailgenau durchgeplant.“ Der Bau wurde damals durch handwerkliche Eigenleistung der Vereinsmitglieder verwirklicht. Die Baukosten betrugen circa 75.000 Euro. „Pro Euro wurde ein Zentimeter Stein gespendet.“ Eins ist klar, „ohne die Jungritter gäbe es die Barbarakapelle heute nicht“, erinnert sich Jocher. „Für mich und mein Team war das eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe“, sagt er. „Mein Herz hängt sehr an der Kapelle und ich würde sie heute wieder genauso entwerfen“.

Beteiligte verewigt

Ein rein architektonisches Buch wollte er aber nicht anfertigen. „Das Hauptaugenmerk liegt darauf, wie die Kapelle damals entstanden ist“. Mit im Boot bei der Anfertigung des Buches saßen viele Beteiligte. Ob Bildbearbeitung, Fotografie, Konzept oder Gestaltung: „Ohne die hätte ich das nicht so gut und so schnell umsetzen können“, betont der Autor. „Die haben hervorragende Arbeit geleistet.“ Maßgeblich beteiligt waren der Fotograf Karl Allgäuer sowie die Grafikdesignerin Natalie Gebhardt. Auch der damalige Bürgermeister Hans Mummert machte mit. Das Vorwort stammt von ihm. „Der war sehr angetan von dem Projekt“, freut sich der Autor.

Verkauf ab Barbaratag

Im August begannen dann die Arbeiten und Recherchen. Bis zur endgültigen Fertigstellung benötigte das Team circa vier Monate. Pünktlich zum jetzigen Barbaratag am 4. Dezember – der Tag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute – wird das Buch druckfrisch in Penzberg zu kaufen sein. Jocher: „Wir brauchten diesen Druck auch, sonst wird man nie fertig.“

Standort hat eigenen Charakter

Allein der Standort auf der Berghalde „die Penzberger Dolomiten“, wie Jocher sie bezeichnete, hat einen ganz eigenen Charakter. „Das ist schon ein außergewöhnlicher Platz und das findet man eher selten in Bayern.“ Überhaupt sei die Kapelle nicht typisch für den Freistaat. Wichtig war dem Architekten, dass Bauwerk zeitlos zu gestalten. Es soll vielen Generationen zur Verfügung stehen. Jochers Vater war auch Architekt. Dieser setzte sich 1967 dafür ein, dass die Herz-Jesu-Kapelle, die in Benediktbeuern stand, nicht abgerissen wird. Vergeblich. Aus dieser Kapelle stammen die zwei Hinterglasbilder, die heute in der Barbarakapelle zu finden sind. „Das wissen viele gar nicht“, meint der Buchautor. „Es war äußerst aufwendig die Hinterglasbilder zu restaurieren und einzubauen.“

Stollenbau nachempfunden

Die Barbarakapelle ist dem klassischen Stollenbau nachempfunden. Ausgerichtet ist das kleine Gotteshaus nach Süden. So wie das üblich ist. „Die Lage ist ruhig und man fühlt sich in der Kapelle geborgen.“ Der Glockenturm neben der Kapelle ist einem Förderturm aus dem Gemälde „Die Barbarazeche“ des Blaue-Reiter-Malers Heinrich Campendonk nachempfunden. Die Giebelwände wurden in Anlehnung an das Nebengestein des Kohleabbaus aus Tuffstein erbaut. Und die Dachkonstruktion aus heimischen Lärchenschindeln symbolisiert den Grubenausbau. „Diese Kapelle soll auch altern“, sagt Jocher. „Wie bei unserer Haut, da sieht man ja auch das Alter“. Der Architekt hielt neben der Gestaltung auch die Ausstattung minimalistisch. „Es gibt kein Wasser und kein Strom, nur Kerzenlicht.“ Auf 90 Seiten kann in dem Buch alles ganz genau nachgelesen werden. Mit der limitierten Auflage von 1000 Stück ist das Werk etwas Besonderes. Jedoch bleibt es „mein erstes und mein letztes Projekt“, wie Autor Jocher schmunzelt.

Hier gibt es das Buch

Ab diesem Freitag, 4. Dezember, wird das Buch vorerst in der Buchhandlung Rolles in Penzberg erhältlich sein. Für 22,40 Euro kann das Schriftstück erworben werden.

Viktoria Gray

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