Kunst und Historie

Mit einer Doppelausstellung erinnert das Museum Penzberg an das Jahr 1919

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In München tobte die Revolution, die Penzberger ließen es am Stachus hingegen etwas gemütlicher angehen.

Penzberg – Eine Woche nach dem großen Fest anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Penzbergs Stadterhebung widmet sich nun das Museum Penzberg mit einer Doppelausstellung jenen bewegten Tagen im Herbst 1918 und Frühjahr 1919.

Während im Neubau die Arbeiten von Heinrich Campendonk gezeigt werden, wird im Altbau die Bayerische Revolution mitsamt ihrer Folgen auch für Penzberg thematisiert. Als in München die Revolution ausbrach und der König vom Thron gestoßen und die Räterepublik ausgerufen wurde, lebte Campendonk in Seeshaupt. Er verfolgte das Geschehen äußerst aufmerksam, erkannte er doch, wie viele seiner Kollegen, im Verschwinden der alten Ordnung eine große Chance auch für seine Arbeit. Die Ausstellung „Campendonk und die Revolution“ rückt nun erstmals sein Engagement für die Neuausrichtung der Kunst und der Gesellschaft in den Fokus. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Werke von Otto Mueller, Max Pechstein oder Karl Schmidt-Rottluf sowie der in München auch politisch Aktiven Conrad Felixmüller, Georg Schrimpf. Albert Bloch und Fritz Schaefler. Campendonks Grafiken und Malereien sowie Plakate, Postkarten und Dokumente dieser bewegten Zeit sind chronologisch und thematisch angeordnet, so es ein Rundgang ermöglicht, die vielfältigen, in einer kurzen Schaffensphase entstandenen Arbeiten vor dem geschichtlichen Hintergrund zu bewerten. Unter dem Titel „Stadt statt Stillstand“ stehen im Altbau die Revolution und die Stadterhebung Penzbergs im Mittelpunkt. Zwar war in jenen Herbsttagen 1918 in Penz­berg vom revolutionären Geist nicht allzu viel zu spüren, doch hat man sich ganz offenbar solidarisch mit den Umstürzlern gezeigt. Eine Film­aufnahme lässt jedenfalls deutlich erkennen, dass Bergknappen aus Penzberg an der Beisetzung des wenige Tage zuvor ermordeten baye­rischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner teilgenommen haben. Auch wird die aktive Rolle der Frauen (die als Folge der Revolution überhaupt erst das Wahlrecht erhielten) für die gesellschaftliche Entwicklung in den Blick genommen. Zum Auftakt der Doppelausstellung feiert das Museum am heutigen Samstag von 15 bis 22 Uhr ein großes Sommerfest, wobei gleich zu Beginn eine Kinderführung angeboten wird. Danach folgen eine Lesung mit Leonore Pflanzer zu Texten der Revolution (17 Uhr), eine Führung der beiden Kuratorinnen Diana Oesterle und Katrin Fügener (18 Uhr) sowie Jazz mit Johannes Ochsenbauer und Philipp Stauber (ab 19 Uhr). Und am Mittwoch, 24. Juli, beschäftigt sich Bernhard Grau, der Direktor des Bayerischen Haupstaatsarchives, um 18 Uhr in einem Vortrag mit dem Thema „Die Revolution von 1918/19 und ihre Folgen“ (Eintritt: 7 Euro).la

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