Zeit zum Luftholen

Musikschullehrerin Ellen Hennen lässt ihre Chöre während Corona nicht verstummen

+
Flotte Bienen auf Gut Hub: Ellen Hennen (3. von links) und ihrem Chor ist die Freude, endlich wieder in Gruppen proben zu dürfen, deutlich anzumerken.

Penzberg – Als sie nicht mehr vor die Kinder treten konnte, trat sie eben vor die Kamera. Ellen Hennen von der Musikschule wollte irgendwie Präsenz zeigen, für die Kinder da sein und so den Kontakt nicht gänzlich abbrechen lassen. Gesungen und geschwungen werden sollte weiterhin, Corona hin oder her. Und auch zu den Jugendlichen hielt sie die Verbindung aufrecht, erst am Bildschirm, dann vis à vis, als sie nach der Lockerung der Corona-Einschränkungen kurzerhand ein Tonstudio in den eigenen vier Wänden einrichtete.

Als Mitte März klar war, dass die Musikschule wegen der Pandemie vor­übergehend schließen muss, berieten sich die Lehrer, wie es nun weitergehen sollte. Schnell fand man eine Lösung im digitalen Raum, sodass fortan via WhatsApp, Zoom und Skype unterrichtet wurde. „Der Einzelunterricht hat gut funktioniert, der Gruppenunterricht war spannend“, lacht Ellen Hennen. Sie selbst versorgte ihren Kinderchor mit Videos, die sie unkompliziert drehen konnte, da ihr Sohn David ein versierter Mann an der Kamera ist. Statt einer Stunde im Proberaum saßen die Kinder zuhause vor dem Bildschirm und wurden in den Videos zum Mitmachen animiert. „Mit den Größeren habe ich geskypt“, sagt Hennen, die anfangs noch hoffte, das Musical „We are future“ im Sommer aufführen zu können. Konzepte waren bereits ausgearbeitet, und die Fünft- bis Achtklässler hatten die Texte auch schon geprobt. „Nachdem jedoch klar war, dass die Aufführungen im Juli nicht stattfinden können, musste ein neues Projekt her“, sagt die Musikschullehrerin und blickt dankbar auf Johannes Meyer. Denn der Leiter der Musikschule habe Woche für Woche beim Landratsamt und auch beim Verband der Musikschulen nachgefragt, was denn nun möglich ist und wann wieder in Gruppen geübt werden darf. 

Doch ein grünes Licht wollte Hennen partout nicht entgegenleuchten. Still sitzen und auf das Grün warten wollte und konnte die engagierte Lehrerin aber nicht. Deshalb holte sie ihre jugendlichen Sänger aus dem Chor 3 einfach zu sich nach Hause, einzeln. Dort richtete sie sich ein Tonstudio ein, um mit ihren „Choris“, wie sie ihre Schützlinge nennt, die Songs aus dem Musical aufzunehmen. Seit den Pfingstferien werden nun die Lieder eingespielt, von „Ich bin keine Maschine“ über „Ich wär‘ so gern ein Millionär“ bis „Money, Money, Money“. Die Lieder sind den meisten Ohren sicherlich nicht fremd, doch werden sie in dem Musical in einen neuen bedeutungsvollen Kontext gesetzt. An die 50 Mädchen und Jungen schneiten in den vergangenen Wochen bei Hennen herein und sangen die bekannten Songs ein, „weitere werden folgen, um das Ganze abzurunden“, lächelt sie. Aus den Aufnahmen soll am Ende ein „Kompaktpaket“ geschnürt werden, wie es Hennen nennt. Beim Schnüren bekommt sie nicht nur familiäre, sondern auch fachmännische Unterstützung, von ihrem Sohn David, Kameramann, und dessen Freundin Laura Picerno, Tonmeisterin. 

Neben den Akustikaufnahmen aus dem Tonstudio wurden in den vergangenen Wochen, als sich Gruppen unter Corona-Auflagen wieder treffen durften, auch noch 16 Musikvideos an verschiedenen Orten in und um Penzberg produziert. Da konnte es schon einmal vorkommen, dass ein Schwarm Sänger in Bienenkostümen für verwunderte Blicke bei Spaziergängern sorgte. Schließlich schwirrten die jungen Darsteller nach Iffeldorf an den Fohnsee, zur Heuwinklkapelle und auf den Sportplatz und nach Penzberg auf Gut Hub, den Pausenhof der Bürgermeister-Prandl-Grundschule und ins Modehaus Lampka aus. In wenigen Wochen sollen die aufgenommenen Stimmen und Bilder dann noch von instrumentalen Tönen begleitet werden, von vibrierenden E-Gitarrensaiten und bebenden Schlagzeugdrums. Im September soll die Produktion dann abgeschlossen und bereit für die Veröffentlichung sein, mit der Hennen Spenden für einen guten Zweck sammeln möchte. Wie genau, das steht noch nicht fest. Dass das Musical „We are future“ zwar aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist, steht für Ellen Hennen dagegen fest. Die Inszenierung soll im Juli 2021 auf die Bühne kommen. Bis dahin muss Hennen noch einige Songs austauschen und Texte umschreiben, denn die Besetzung wird sich durch Zu- und Abgänge noch verändern. 

Mittlerweile darf Hennen wieder mit ihren Chören proben. Ein Glück, denn länger hätte die Online-Probezeit wohl nicht dauern dürfen. „Am Anfang fanden die Kinder das spannend, aber das ließ im Laufe der Zeit nach“, bemerkte Hennen. Vielleicht auch, weil keine richtige Gruppendynamik aufkommt, wenn jeder für sich zuhause singt. Am Ende war jedenfalls die Luft irgendwie raus. Nun sollen die „Choris“ wieder zu Luft kommen, am besten an der Frischluft, wenn sie etwa auf dem Pausenhof der Bürgermeister-Prandl-Grundschule proben. Doch auch ein großer Werk­raum steht Hennen zum Üben zur Verfügung. Eigene Räumlichkeiten, so sagt sie, wären natürlich noch besser. Doch bis die neue Musikschule bezugsfertig ist, dauert es noch ein wenig. „Wir sind ja geduldige Menschen“, lächelt sie, die sich schließlich auch noch ein Jahr gedulden muss, bis sie das neue Musical endlich auf die Bühne bringen kann. ra

Auch interessant

Meistgelesen

Firma Anton Weißhaupt präsentiert die neuen Modelle
Firma Anton Weißhaupt präsentiert die neuen Modelle
Spenden, Schule, Sport: Wie das Jugendhaus Don Bosco den Corona-Lockdown meisterte
Spenden, Schule, Sport: Wie das Jugendhaus Don Bosco den Corona-Lockdown meisterte
Starkregen setzt am Kochelsee grüne Liegewiesen und hölzerne Ruheplätze unter Wasser
Starkregen setzt am Kochelsee grüne Liegewiesen und hölzerne Ruheplätze unter Wasser
Parken in der Gemeinde Kochel ist nun deutlich teurer geworden
Parken in der Gemeinde Kochel ist nun deutlich teurer geworden

Kommentare