Plötzlich waren sie weg

Stadt lässt vier Birken vor dem Metropol fällen: Naturschützer sind entsetzt

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Nur noch Stümpfe übrig: Das, was einmal die vier Birken waren, ist auf Anhänger und Ladefläche verstaut.

Penzberg – Gerade eben ragten die Bäume noch hoch in die Luft. Nun liegen die Stämme in transportable Zylinder zersägt auf Ladeflächen. Vier Birken am ehemaligen Metropol-Kino wurden am gestrigen Mittwoch gefällt. Ungeachtet dessen, das Penzbergs Naturschützer auf den Erhalt der Bäume plädierten.

Jetzt ging es schneller als gedacht: Noch bevor der Bund Naturschutz (BN) eine Antwort aus dem Rathaus auf seinen Protest gegen die vom Bauausschuss sanktionierte Fällung von vier Birken vor dem ehemaligen Metropol-Kino erhalten hat, waren die Laubbäume nur noch Stückgut. Am gestrigen Mittwochvormittag rückte das Fällkommando an und machte kurzen Prozess – zum Entsetzen der Naturschützer. 

Späne schwammen im Schwadergraben, während der Anhänger eines Traktors mit langen Teilen der Stämme bepackt war, türmten sich auf der Ladefläche kleinere, hastig abgesägte Teile. Der Schlund eines Häckslers erinnerte daran, dass hier vor kurzem die Äste und Zweige der Birken in ein Pulver aus Holz verwandelt worden waren. Dass die Bäume so schnell zu Brennholz gemacht werden würden, damit hatte zumindest bei der BN-Ortsgruppe keiner gerechnet. Hannelore Jaresch, deren Vorsitzende, erinnert sich noch an ein Gespräch, das sie Ende Juli mit Stadtbaumeister Justus Klement geführt hatte. „Er versicherte uns, dass die Bäume so lange wie möglich stehen bleiben sollten und die Fällperiode von Oktober bis Februar eingehalten würde, ja dass die Bäume wahrscheinlich erst im Februar 2020 gefällt werden würden“, sagt Jaresch. Und sie verweist auf das Bundesnaturschutzgesetz, demzufolge Bäume nur zwischen 30. September und 1. März gefällt werden dürfen. „Dass die Stadtspitze nun kurzentschlossen vollendete Tatsachen geschaffen und bei der Unteren Naturschutzbehörde mit einem Fällantrag eine Ausnahmegenehmigung vom gesetzlichen Schutzzeitraum erwirkt hat, ist für uns unverständlich“, schüttelt Jaresch den Kopf. 

Dabei hatte der BN noch Anfang September Bürgermeisterin Elke Zehetner, den Stadtrat und Stadtbaumeister Klement gebeten, die Notwendigkeit der Fällung aller Birken für die Einrichtung der Baustelle zum Umbau des einstigen Kinos in die neue Musikschule noch einmal eingehend zu prüfen. „Auf eine Antwort warteten wir vergeblich, aber dafür wäre ja auch noch Zeit gewesen. Der Umbau des Metropol zur Musikschule sollte ja erst im März 2020 beginnen“, so Jaresch, der es wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass der BN „in keinster Weise den Umbau des Metropol zur Musikschule verzögern wollte“. 

Für Bürgermeisterin Elke Zehetner hingegen ist der Sachverhalt klar: Da es keinen anderen geeigneten Platz für die Baustelleneinrichtung gebe, habe sich der Bauausschuss mit deutlicher Mehrheit für die Fällung entschieden. „Wir können die Musikschule wegen vier Bäumen nicht wieder verschieben“, sagt sie. Hannelore Jaresch sieht dies naturgemäß ganz anders: „Wir wundern uns, wie die Stadtspitze mit Anfragen von Bürgern und Vereinen umgeht. Anstatt das Gespräch zu suchen oder zumindest auf ein Schreiben zu antworten, will sie mit der Brechstange offenbar unbequeme Fragen loswerden. Mit einem solchen Politikstil brüskiert sie engagierte Bürger und erntet damit nur Kopfschütteln.“ la

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