Eindeutige Signale erforderlich

Abschluss des INOLA-Projekts: Bei der Energiewende hapert es vielerorts

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Mahnen die Politik, bei der Energiewende das Tempo erheblich zu erhöhen: Elisabeth Freundl (links) von der EWO und Anne von Streit von der LMU.

Benediktbeuern – „Es gibt noch einige dicke Bretter zu bohren“, resümierte Anne von Streit. Die Projektleiterin von der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU) gibt sich verhalten optimistisch, was die Ergebnisse aus fünf Jahren Forschungsarbeit angeht.

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt INOLA (Innovationen für ein nachhaltiges Land- und Energiemanagement auf regionaler Ebene) begleitete die drei Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau fünf Jahre lang auf dem Weg, die Region bis zum Jahr 2035 vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen. 2014 gestartet, zogen die Macher des Projekts im Kloster Benediktbeuern nun Bilanz. Anschließend übergaben sie einen Entwurf des Konzepts zur „Gestaltung der regionalen Energiewende im Oberland“ symbolisch den drei Landräten. 

Bereits beim Grußwort waren sich die Landräte Andrea Jochner-Weiß (Weilheim-Schongau), Wolfgang Rzehak (Miesbach) und Klaus Koch (Bad Tölz-Wolfratshausen) einig, dass die qualitativ hochwertige Datengrundlage durch INOLA sehr wertvoll für die Arbeit in der Region sei, nun aber dringend die Zeit der verstärkten Umsetzung beginnen müsse. Genau an dem Punkt hapert es jedoch vielerorts. Anne von Streit machte deutlich, dass das Ziel der Energiewende bis 2035 noch sehr weit entfernt sei. Um es doch noch zu erreichen, müsse das Tempo merklich erhöht werden. „Machen wir uns dabei aber nichts vor: Die regionale Umsetzung der Energiewende, insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien, verändert die Landschaft und benötigt Flächen“, rief sie aus. So seien etwa die beiden neuen Photovoltaik-Parks vor den Stadttoren Penzbergs nicht gerade die optisch ansprechendsten. „Es waren aber auch nicht die schönsten grünen Wiesen, auf denen sie errichtet wurden“, rückte Elisabeth Freundl die Maßnahme ins rechte Licht. Die Projektkoordinatorin bei der Energiewende Oberland (EWO) räumte zugleich ein, dass man die Bevölkerung, insbesondere den Naturschützer, eher in ein solches Projekt hätte einbinden müssen. „Ich verstehe die Leute, die nur wahrnehmen, dass die einst grünen Wiesen mit den nicht gerade ästhetischen Photovoltaikplatten zugestellt wurden“, bestätigte Anne von Streit. Da helfe es auch nichts, dass dazwischen nun Schafe weideten. Freundl gab jedoch zu bedenken, dass bei dieser vielleicht nicht so hübschen, jedoch sehr umweltfreundlichen Maßnahme keine Flächen versiegelt werden und die Platten auch irgendwann wieder abgebaut werden könnten, „ohne dass man hinterher noch irgendwas davon sieht“. 

Ungeachtet dessen sind die Menschen im Oberland den erneuerbaren Energien gegenüber aber sehr positiv eingestellt, wie Befragungen in den drei Landkreisen ergeben haben. Demnach sei mit rund 90 Prozent die Akzeptanz erneuerbarer Energien sehr hoch. Laut Anne von Streit sind aber viele der Befragten der Ansicht, dass bei der Umsetzung eher das Prinzip „Business as usual“ regiere. Sie erwartet deshalb von der Politik nun eindeutige Signale, „dass es nicht nur bei schönen Gesprächen bleibt“. 

Ähnliches war auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Titel „Wie geht es nun weiter mit der Energiewende im Oberland?“ zu vernehmen. Im Ergebnis waren sich die drei Landräte sowie Walter Huber von den Stadtwerken Bad Tölz, Harald Gmeiner von der Alpenregion Schliersee Tegernsee und EWO-Gründungsmitglied Martina Raschke einig, dass die fundierte Datengrundlage und die hochwertigen Forschungsergebnisse aus INOLA sehr wertvoll für die Region seien. Nun brauche es aber viel Mut und Energie, um sofort mit der Umsetzung zu beginnen. 

Zum Abschluss übergaben die Projektverantwortlichen das Konzept symbolisch den Landräten. Bei einem gemeinsamen Treffen der Fachbeiräte Energie und Klimaschutz der drei Landkreise im November sollen diese Empfehlungen gemeinsam überarbeitet, priorisiert und verabschiedet werden. Das abgestimmte Handlungskonzept soll dann Ende Dezember präsentiert werden. sg

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