Beleuchtete Risse

Uniper investiert sieben Millionen Euro in die Modernisierung des Walchenseekraftwerks

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Im Walchenseekraftwerk kehrte trotz Corona keine Ruhe ein, im Gegenteil, es wurde ordentlich modernisiert, unter anderem die Schaltanlagen für den Anschluss der Bahnfreileitung.

Kochel – Seit fast 100 Jahren, seit 1924, ist das Walchenseekraftwerk nun schon in Betrieb. Dass deshalb gelegentlich etwas aufgefrischt werden muss, mag da kaum verwundern. Und so wurden in den vergangenen Monaten die Schaltanlage zur Ableitung des Bahnstroms, die Leittechnik und der elektrische Schutz der vier Einphasenmaschinen und der vier Drehstrommaschinen sowie die Steuerung der Standseilbahn erneuert. Insgesamt hat Uniper in die Modernisierungsmaßnahmen fast sieben Millionen Euro investiert, viel Geld, um eine langfristige Effizienz der Anlagen zu sichern.

Sie zählt zu den wichtigsten Kunden und Partnern des Walchenseekraftwerks, dessen Generatoren im Jahr rund 100 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft erzeugen: die Deutsche Bahn. Das war aber schon immer so, denn als das Kraftwerk 1924 fertiggestellt wurde, fanden sich neben vier Maschinensätzen für den Haushaltsstrom auch vier Maschinensätze zur Erzeugung von Bahnstrom. 

Das erklärt, wie wichtig die Einsatzfähigkeit der Schaltanlage für das Kraftwerk ist. Über diese wird der mit Wasserkraft in den Einphasenmaschinen erzeugte Bahnstrom nämlich in das Transportnetz der Deutschen Bahn eingespeist. Damit das auch in Zukunft möglich ist, wurde vor über einem Jahr damit begonnen, die 110-Kilovolt-Schalt­anlage zu erneuern. „Die Komponenten hatten ihre technische Lebensdauer erreicht“, berichtet Uniper-Sprecher Theodoros Reumschüssel. Nun beinhaltet die Anlage elf Hybrid-Module, in denen bisher getrennte elek­trische Hauptkomponenten in einem Gehäuse zusammengefasst werden. Mit dem Umbau der Schaltanlage ist die Verbindung zwischen Kraftwerk und Transportnetz der Bahn für die nächsten Jahrzehnte sicher hergestellt. Auch die vier Bahnstrommaschinen sind in einem seit Mitte vergangenen Jahres laufenden Projekt mittlerweile mit einer neuen Leittechnik und einem neuen elektrischen Schutz versehen worden. Die vier Drehstrommaschinen für den Haushaltsstrom sollen in den kommenden Monaten ebenfalls mit einer neuen Leittechnik ausgestattet werden, „was den automatischen Betrieb der Maschinen verbessert“, sagt Reumschüssel. Kostenpunkt: rund 2,5 Millionen Euro.

Und dann sind noch die sieben Bahnstrommaschinen, die untersucht werden müssen. Erst eine Maschine wurde bislang geprüft, und zwar auf Risse. Denn „schnelle und hochflexible Anlagen wie das Walchenseekraftwerk werden zum Ausgleich der immer größer werdenden Einspeisung von schwankenden Strommengen aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen eingesetzt“, weiß Reumschüssel. Die Bahnstrommaschinen werden demnach immer wieder eingesetzt, je nach Bedarf an grüner Antriebsenergie. Und der schient recht wechselhaft zu sein. Diese Wechselhaftigkeit führt jedenfalls zu einer steigenden Anzahl von Starts und Stopps. Jedes Mal wirken dabei große wechselnde Fliehkräfte auf die drehenden Komponenten und belasten die Maschinen, erklärt der Uniper-Sprecher. Umso wichtiger ist es, die Maschinen auf Beschädigungen an den neuralgischen Stellen zu prüfen. „Dazu wird der ausgebaute Pol mit einem Magnetpulververfahren untersucht, bei dem sich selbst mikroskopisch kleinste Risse im UV-Licht abzeichnen“, sagt Reumschüssel. Die erste Bahnstrommaschine wurde nun auf Risse untersucht, in den nächsten Jahren sollen die übrigen Maschinen folgen. Die Reparaturen noch gar nicht eingerechnet, kosten die Prüfungen 1,5 Millionen Euro. 

Angesichts der Corona-Pandemie hat Uniper bereits Anfang März umfangreiche Präventionsmaßnahmen in der Wasserkraft eingeleitet, um das Personal zu schützen und um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. In der Praxis bedeutet das: Schichtpläne wurden verändert, Personal getrennt sowie Ausweichmöglichkeiten und Home­office-Arbeitsplätze eingerichtet. Außerdem wurden Arbeitsplätze verstärkt desinfiziert. Und Besucher gab es in den vergangenen Wochen auch keine mehr, sodass die Mitarbeiter ihre Arbeit verrichten und die Anlagensicherheit ebenso gewährleisten können wie die ununterbrochene Stromerzeugung und ein stabiles Netz. ra

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