Ein kurzes, intensives Fest

Impuls der Avantgarde: Buchheim Museum präsentiert Paula Modersohn-Becker

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Farben und Formen konsequent zu Sinnbildern für Gedanken verdichtet: das „Stillleben mit Goldfischglas“.

Bernried – „Ich habe fertige Ausstellungen angeboten bekommen, aber ich wollte die ganze Paula machen“, sagt Daniel J. Schreiber, der Direktor des Buchheim Museums: Und er will mit Vorurteilen aufräumen.

Von 2002 bis 2006 hat Schreiber selbst in der Kunstsammlung Böttcherstraße in Bremen gearbeitet, welche unter anderem das Paula-Modersohn-Becker-Museum umfasst. Dort hat er sie wohl lieben gelernt, denn mit großer Leidenschaft stellt sich Schreiber allen Kritikern entgegen, welche Modersohn-Becker, wohl ihres Geschlechts wegen, in die zweite Reihe verbannen. „Ich habe immer das Gefühl, sie muss hinter den Brücke-Malern zurückstecken“, so Schreiber. Doch nicht nur deshalb hat er ihr nun im Buchheim Museum der Phantasie eine Bühne geschaffen, sondern auch, weil Buchheim selbst sie 1956 als bedeutendste Erscheinung des deutschen Expressionismus bezeichnete. 

An Aufmerksamkeit mangelt es ihr inzwischen nicht mehr: Nachdem 2016 der Film „Paula“ in die Kinos kam, wurde sie im Musée d‘Art Moderne de la Ville de Paris und im Bucerius Kunstforum in Hamburg als Pionierin der Moderne gefeiert. Schreiber will eine lachende Ausstellung, trotz der vielen traurigen Aspekte im Leben von Modersohn-Becker. Sichtlich berührt erzählt Schreiber von ihrem frühen Tod: „Es trifft mich nach wie vor, wenn man sich überlegt, wo sie noch hätte hinkommen können.“ Im Jahr 1899 kann sie erstmals einige eigene Studien in der Bremer Kunsthalle ausstellen, 1900 reist sie zum ersten Mal nach Paris und beginnt durch die Eindrücke dort und der folgenden Jahre ihre Kunstwerke zu schaffen – wo andere ein Leben lang malen und sich entwickeln, blieben ihr nur sieben Jahre. „Mein Leben wird ein kurzes, intensives Fest“, schrieb sie damals an ihren Mann Otto Modersohn. Wie recht sie doch behalten sollte, denn 18 Tage nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde stirbt Paula Modersohn-Becker mit 31 Jahren an einer Embolie. 

Sie war massiv der Diskriminierung der Frauen im 19. Jahrhundert ausgesetzt, hat aber durch ihre ganz eigene Art Mittel und Wege gefunden, sich durchzusetzen, sich auszudrücken. Fast ein Jahrzehnt bevor die Brücke-Künstler mit einem gemeinsamen Stil als Hauptvertreter des deutschen Expressionismus Anerkennung erfuhren, hatte Modersohn-Becker dessen Charakteristika malerisch und gedanklich vorweggenommen. „Sie brachte den Impuls internationaler Avantgarde von Paris nach Deutschland. Ihre Farben sind nicht so laut, die Übergänge weniger kontrastreich, aber niemand vor ihr befreite die Komposition derart deutlich von der Wirklichkeitstreue, verdichtete die Farben und Formen derart konsequent zu Sinnbildern für Gedanken, Gefühle und Lebenseinstellungen. 

In der Ausstellung soll sie nun durch eine vergleichende Betrachtung mit Werken der Brücke-Künstler in besonderer Weise erlebbar gemacht werden. Neben 33 Gemälden von Modersohn-Becker und 15 Arbeiten der Brücke-Künstler Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller und Emil Nolde finden sich dort auch Werke von Otto Modersohn, Max Liebermann, Camille Corot, Paul Cézanne, August Rodin, Vincent van Gogh, Edouard Vuillard und Maurice Denis. Schreiber lässt Modersohn-Beckers Gemälde in einen spannenden Dialog mit den anderen Künstlern treten, deren Nähe und Kontakt sie immer suchte. Zitate und Geschichten zieren die Wände, in der Audioguide-Führung und im Ausstellungskatalog finden sich zudem Interessantes und Wissenswertes über die Künstlerin und ihr Wirken. Zudem bietet das Buchheim Museum ein umfangreiches Begleitprogramm, darunter die Paula-Führung an jedem Sonntag um 14.30 Uhr, die tägliche Filmvorführung „4x Paris“, eine Expertenführung am 19. Januar um 14.30 Uhr oder das Labor der Phantasie. Die Ausstellung „Paula Modersohn-Becker: Aufbruch in die Moderne“ ist bis 8. März zu sehen. au

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