Freiheit statt Faust

Blog der Stadtbücherei: Jugendliche rezensieren Komödien, Comics & Co.

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Literarisch adrett: Elena Dobrzanski, Lara-Leán Schröfl und Helena Schantz (von links) sind drei der Bücher-Blogger.

Penzberg – Es keine Faustregel, vielmehr eine Faust-Regel: Im Team des Bücherblogs der Stadtbücherei ist jeder Leser frei in der Wahl des Mediums, das er schmökert und im Anschluss rezensiert. Pflichtlektüre, wie in der Schule Goethes Faust, gibt es nicht, denn Freude am Lesen hat oberste Priorität.

Lesen und Schreiben sind zwei paar Schuhe. Wer die einen Treter oft anzieht, kann nicht automatisch in dem anderen Paar gut laufen. Bei den Bloggern der Stadtbücherei ist das jedoch der Fall: Die jungen Leser widmen sich mit Leidenschaft Büchern und rezensieren diese im Anschluss, online, versteht sich, schließlich wollen die Jugendlichen ihre Altersgenossen erreichen. Um Teil des literarischen Sextetts zu werden, ist eine Leseleidenschaft zwar von Vorteil, jedoch keineswegs Bedingung. 

Bislang sind es etwa ein Dutzend Bücher, die auf den gerade online gegangenen Blog der Stadtbücherei einer Kritik unterzogen wurden. Neben allgemeinen Angaben wie Titel, Autor und Altersfreigabe beleuchten die Rezensenten den Inhalt in groben Zügen und geben dann unter einem Pseudonym ihre Meinung zu dem Werk ab. Das Besondere: Die Kritiker sind allesamt Jugendliche. Das Team um die Mädchen Tabea Ostler, Mathilda Pottiez, Elena Dobrzanski, Lara-Leán Schröfl und Helena Schantz wird dabei seit Kurzem von Jan Heinemeyer verstärkt. Der Auszubildende der Stadtbücherei hat sich seit Monaten um die Realisierung des Blogs gekümmert und „das ganze Technische gemacht“, meint der 21-Jährige. Nun schreibt er aber auch selbst Rezensionen. Dass er bislang der einzige Mann im Team ist, überrascht ihn wenig, im Teenageralter „brechen die Jungs weg“, meint Heinemeyer, denn Lesen sei dann „uncool“. 

Ganz und gar nicht uncool findet Lara-Leán das Schmökern. Bis zu drei Bücher liest sie im Monat, meist einen Fantasyroman, eine Liebesgeschichte und ein Sachbuch. Das Schreiben falle ihr mal leicht, mal schwer, „es kommt auf die Geschichte an“, sagt die 17-Jährige. Bescheidenheit, in den Augen von Blog-Leiterin Sandy Schantz, denn Lara-Leáns Texte „kann man nehmen wie gedruckt“, lächelt die Büchereimitarbeiterin. Sie war es, die im vergangenen Sommer den Blog auf den Weg brachte, „weil ich ein Forum für all jene Kinder gesucht habe, die aus der Urmeljury rauswachsen“. Doch nicht nur die, sondern alle Jugendlichen können zu Bloggern werden. Wünschenswert wäre natürlich eine „Begeisterung fürs Lesen und Schreiben“, aber auch Gelegenheitsleser sind willkommen - Helena Schantz ist eine von ihnen. „Helena macht gute Fotos“, sagt ihre Mutter. Und diese sind schließlich auch gefragt, die Rezensionen werden nämlich begleitet von Bildern, in welchen das jeweilige Buch aussagekräftig in Szene gesetzt wird.

Zwar suchen die Leser ihre Bücher selbst aus, doch das bedeutet nicht, dass die Rezensionen stets positiv ausfallen. „Wenn mir ein Buch nicht gefällt, rege ich mich darüber auf“, meint die 13-jährige Elena. Die erforderliche Sachlichkeit bei der Rezension, aber auch die richtigen Sätze, den passenden Schreibstil und das Verpacken der Meinung lernen die Jugendlichen bei gemeinsamen Treffen in der Stadtbücherei, bei denen die Kritiken gemeinsam besprochen werden, ehe Schantz diese online einpflegt. 

Die Leiterin ist mit dem Start des Bücher-Blogs, der sich auf der Homepage der Stadtbücherei befindet, recht zufrieden. Allerdings müsse das Layout noch ein wenig „aufgehübscht“ werden, außerdem „wäre es schön, wenn wir noch Verstärkung von ein paar Jungs bekämen“. Die müssen gar keine großen Leser sein, denn auch Comics, Filme und Hörspiele sollen rezensiert werden. Schantz will den Jugendlichen keine Medien aufzwingen, sie möchte sie vielmehr „da abholen, wo sie sind“. Ein Blog, der auf Freiheit statt auf Faust setzt.

Interessierte Jugendliche, die das Bloggerteam mit Beiträgen verstärken wollen, können sich an Sandra Schantz oder Jan Heinemeyer in der Stadtbücherei wenden. ra

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