Erde, wir brauchen Erde

Ausgangsbeschränkungen gelockert: Penzbergs Hagebaumarkt öffnet wieder und verkauft vor allem ein Produkt

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Bauzaun am Eingang: Wer in den Hagebaumarkt möchte, der muss nun als erstes durch die Gartenabteilung.

Penzberg – Ohne Einkaufswagen geht gar nichts. Das macht der Herr in Rot schon einmal klar, der am Eingang des Hagebaumarktes am Zibetholzweg steht. Wobei, Eingang ist eigentlich der falsche Begriff.

Mit der Wiedereröffnung des Baumarkts im Rahmen der Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen wurde der Eingang nämlich verlegt. Nach drinnen geht es jetzt nun über die Gartenabteilung. Taktisch eine kluge Idee. 

Wer Holzlatten, Schrauben, Glühbirnen oder Blumenerde kaufen möchte, der muss an den Geranien vorbei. An Tag eins des gelockerten Lockdowns weist ein junger Mann in Rot und mit Mundschutzmaske freundlich allen herbeiströmenden Kunden den ungewohnten Weg. Außerdem ungewohnt: In den Laden kommt nur, wer einen Einkaufswagen vor sich her schiebt. Wer noch keinen hat, dem rollt einer entgegen. „Ich hab ihn sauber gemacht“, ruft ein weiterer Mitarbeiter einer zögerlichen Kundin entgegen. Wer dagegen bereits einen Wagen fest im Griff hat, der wird von dem jungen Mann gestoppt. Ein paar Spritzer aus der Flasche mit dem Desinfektionsmittel, bis sich ein Nebel über den Wagen legt. Mit einem Tuch wischt der Mann über das Eisengestänge und den Griff. Jetzt kann es zum neuen Eingang gehen. Auch hier steht ein Mitarbeiter in Knallrot und mit Mundnasenschutz, er begrüßt die Kunden und verschenkt Blumenbomben, kleine Erdkugeln prall gefüllt mit Samen. 

Ein Geschenk, das passender nicht sein könnte. Denn wer den Baumarkt betritt, dem strömt der verführerische Duft der Pflanzenwelt entgegen, der auch durch die Maske vor dem Gesicht dringt. Vorbei an verwaisten Osterdekorationsartikeln ziehen die Einkaufswagen, um dann den ersten Stopp noch in der grünen Oase einzulegen. Bis auf wenige Ausnahmen wird kiloweise Blumenerde gestapelt, gelegentlich gesellen sich ein paar Pflänzchen dazu. Doch vor allem auf Erde scheinen es die Penzberger abgesehen zu haben. 

In die Quere kommen sie sich dennoch nicht, sobald die schweren Beutel gestapelt sind, sucht und findet ein jeder seinen Gang, sein Regal, sein nächstes Produkt, sodass sich der Mindestabstand leicht einhalten lässt. Erst an der Kasse bilden sich lange Reihen, Reihen, die hie und da einen Bogen formen müssen. Doch Abstand wird auch hier gehalten, wozu sicherlich die Einkaufswagen beitragen. Die Kunden rollen ihre Fuhre nach draußen, suchen ihren Wagen, Kofferraum auf, Erde rein und ab nach Hause. Wahrscheinlich aber nicht ins Haus, denn die Erde will schließlich Samen sehen, vielleicht auch in Form einer kleinen Bombe. ra

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