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„Es ist eine Spirale“: Penzberger Bürgermeister Korpan im Jahresinterview zu Corona, Baustellen und Visionen.

Bürgermeister Stefan Korpan (links) sitzt mit Redaktionsleiter Andreas Baar (rechts) bei Jahresinterview am Besprechungstisch in seinem Rathausbüro.
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Bürgermeister Stefan Korpan (links) steht Redaktionsleiter Andreas Baar Rede und Antwort.

Penzberg - Stefan Korpan (36) war im März 2020 für die CSU zum neuen Penzberger Bürgermeister gewählt worden. Im Jahresinterview mit Rundschau-Redaktionsleiter Andreas Baar zieht er eine erste Bilanz seiner Arbeit. Eine Zeit, geprägt von Corona, Baustellen und Zukunftsvisionen.

Nach sechs Monaten als Bürgermeister in Penzberg: Bereuen Sie es schon, auf dem Chefsessel zu sitzen?
Nein.
Warum nicht?
Es ist eine spannende und auch faszinierende Aufgabe. Es war immer mein Wunsch, etwas für Penzberg zu machen. Es ist schön, sich für die eigene Heimatstadt einbringen zu können.
Können Sie das Amt in Corona-Zeiten überhaupt genießen?
Genießen ist das falsche Wort. Das Amt ist fordernd und zugleich immer wieder neu, gerade auch in Corona-Zeiten. Die Pandemie ist ja unabhängig vom Amt etwas, was allgemein die Menschen sehr einschränkt. Es ist einfach eine schwierige Zeit.
Ganz ehrlich, wie überraschend war der Wahlsieg für Sie gewesen?
Man tritt an, weil man sich schon Erfolgschancen ausrechnet. Weil man Ideen hat. Schon überraschend war für mich das deutliche Ergebnis in der Stichwahl gegen die Amtsinhaberin. Ich glaube, so etwas ist eher untypisch.
Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit kam der Ärger mit dem Familienbad und dem Baustopp. Was haben Sie da gedacht?
(überlegt lange) Gedacht habe ich, das fängt ja gut an. In dem Moment hoffst Du, dass die Baustelle schnellstmöglich weiterlaufen kann. Aber so etwas kann einfach passieren bei so einem großen und vielschichtigen Projekt.
Mit den Großbaustellen hat die Stadt einfach kein Glück. Nach dem Bad-Debakel noch die Probleme bei der Turnhalle, zuletzt der Pfusch beim Metropol-Umbau. Wie kann man so etwas in Zukunft verhindern?
Nochmal, Probleme können bei Bauprojekten immer wieder auftreten; bei der öffentlichen Hand genauso wie bei privaten Bauvorhaben. Bislang war es so, dass das Bauamt personell unterbesetzt war. Jetzt haben wir die seit einiger Zeit ausgeschriebene Architektenstelle endlich besetzen können. Zusätzlich kommt im Bereich Hochbau noch eine Teilzeitstelle. So schaffen wir die organisatorische Basis, dass solche Projekte aufmerksam begleitet werden. Wir können so noch besser dahinter sein.
Die großen Projekte, die jetzt angegangen wurden, haben Sie quasi von Ihrer Vorgängerin geerbt. Was wollen Sie in nächster Zeit selber auf den Weg bringen?
Wir müssen in den Bereichen Wohnungsbau und Infrastruktur weiter vorankommen. Das Edeka-Areal war hier ein sehr wichtiger Schritt. Ein weiterer bedeutender Punkt ist das Arbeitsplatzangebot. Man muss neuen Firmen, die sich ansiedeln wollen, dazu die Möglichkeit geben. Und bei Penzberger Firmen, die sich erweitern wollen, sind wir dran.
Dafür braucht die Stadt aber eigene Flächen, die Mangelware sind.
Natürlich ist es wichtig, dass wir Flächen zur Verfügung stellen können. Dazu kommt aber auch die Infrastruktur, von Straßen über Kindergärten bis zu den Schulen. Es ist eine Spirale. Du kannst das eine nicht ohne das andere machen. Ein Thema ist dabei natürlich der Flächennutzungsplan. Den müssen wir auch auf einen neuen Stand bringen.
Zurück ins Rathaus. Der Umbau der Verwaltung geht einher mit einer massiven Aufstockung der Mitarbeiter. Wie erklären Sie dem Bürger, das seine Stadt in der wegen Corona angespannten Haushaltslage mehr Geld für Personal ausgibt?
Es sind letztlich 2,5 Stellen mehr. Der Klimaschutzmanager, der Ehrenamts- und Vereinsförderer und die halbe Architektenstelle. Für mich ist das keine massive Aufstockung.
Im Stadtrat hat man, zumindest im öffentlichen Teil, den Eindruck, dass es ab und zu aus dem Ruder läuft. Wie wollen Sie in Zukunft mehr Stringenz in die Sitzungen bringen?
Diesen Eindruck habe ich nicht. Es sind lebhafte Diskussionen und die gehören zum demokratischen Prozess dazu. Auch gibt es viele neue Stadträte, die sich erst in die Themen einarbeiten müssen.
Sind Sie in der Sitzungsleitung zu weich?
Nein.
Sollte man die Tagesordnungen nicht besser kürzer halten?
Es gibt Projekte, die kann man nicht schieben. Penzberg ist eine Stadt mit einer sehr dynamischen Entwicklung. Dies spiegelt sich auch in der Arbeit des Stadtrates wider. Aber es wird bestimmt die Zeit kommen, in der die Tagesordnung nicht mehr so umfangreich ist und dadurch auch Sitzungen wieder kürzer werden.
Sind fünfstündige öffentliche Sitzungen dem Bürger noch zuzumuten?
Es steht jedem frei, ob und wie lange er bleiben möchte. Demokratische Prozesse sind nun eben manchmal langwierig und manche wichtige Themen müssen auch im Gremium ausdiskutiert werden. Es gibt aber Überlegungen, im Januar, Februar und März zusätzliche Sitzungen einzubauen, um das Ganze zu entzerren. Auch wegen der Corona-Situation.
Aus den Debatten im Stadtrat und in den Ausschüssen ist die Schärfe vergangener Jahre heraus. Liegt das an der Person des Bürgermeisters?
Das müssen andere beurteilen. Ich habe einen anderen Stil. Ob das besser oder schlechter ist, möchte ich nicht beurteilen. Manchmal gehört Schärfe dazu. Und, wie gesagt, es sind lebhafte Diskussionen.
Hand aufs Herz: Was war bislang Ihr größter Fehler als Bürgermeister?
(lacht) Dass ich nicht immer auf mein Vorzimmer höre.
Was hat besonders gut funktioniert?
Die Zusammenarbeit mit dem Team im Rathaus und in den Außenstellen. Es läuft wirklich sehr gut. Auch mit dem Zweiten und Dritten Bürgermeister (Anmerkung der Redaktion: Markus Bocksberger und Hardi Lenk), den Vereinen und der Bürgerschaft, soweit das Corona-bedingt möglich ist.
Wie sehen Sie die Zukunft Penzbergs?
Es stehen große Aufgaben an, die aber auch viele Chancen für unsere Stadt bieten. Ich sehe Penzberg als ein starkes Mittelzentrum – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Oberland. Gerade auch im Bereich der Forschung.
Also eine klare Aussage pro Marvel Fusion und deren Ansiedlung im Nonnenwald?
Ich sage ja. CO2-freie Energieproduktion ist eine große Chance für Penzberg und für die ganze Welt.
Wenn Sie aus Ihrem Rathausbüro auf den Stadtplatz blicken, was empfinden Sie?
Ich finde es schade, dass „Hannis Eismärchen“ nicht stattfinden kann, dass kein Christkindlmarkt war. Man sieht nur den leeren Platz. Ich hoffe, dass im nächsten Jahr wieder gesellschaftliches Leben auf dem Stadtplatz möglich ist, wir auch wieder gemeinsam feiern können.

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