Kinder sind stolz, Nachbar droht mit der Polizei

Ärger um ein Iglu

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Sind stolz auf ihr Iglu – und das zu Recht: Robin, Florian und Finn (von links).

Penzberg – Ein Neubau auf einer Wiese in Steigenberg, für den es keinen Bauplan gab. Und auch das Bauamt wusste nicht Bescheid. Und dennoch steht er nun da, direkt an der Eichenallee. Er passt nicht einmal zu den Häusern aus der Nachbarschaft: klein, kuppelförmig und ziemlich kalt.

Das sind schon einige Zentimeter, die da liegen. Ganz oben hat sich bereits eine dünne Eiskruste gebildet, wohl den frostkalten Temperaturen der Nacht oder dem kühlem Wind geschuldet. Jedenfalls ist dank der Flockenschicht von der Wiese nichts mehr zu sehen. So brach liegen lassen wollten ein paar Kinder in Steigenberg die weiße Pracht aber nicht. Mit Schneeschaufeln errichteten sie ohne Genehmigung vom Bauamt ein Iglu an der Steigenberger Eichenallee. Das gefällt nicht jedem. 

Statt vor dem Computer zu hocken und Spiele zu zocken lieber raus in die Flocken: In der digitalen Zeit, in der der Jugend nicht selten vorgehalten wird, sie hänge nur noch am Display und gehe kaum aus dem Haus, beweisen drei Penzberger Jungs das Gegenteil. Vor ein paar Tagen bauten sie auf einer Wiese an der Eichenallee ein großes Iglu. Als es fertiggestellt war, nahm der neunjährige Robin, noch „Verbesserungsarbeiten“ vor, wie seine Mutter Heidi Adlberger erzählt. Doch einem Anwohner missfiel der Bau, er drohte dem Jungen mit der Polizei, falls er das Iglu nicht umgehend vernichten würde. Die Begründung des Iglu-Nachbarn: Die Wiese stehe unter Naturschutz und sei für die Bienen da. Bienen im Winter auf der Wiese? Auf diesen Blödsinn muss man erstmal kommen. Robin rannte jedenfalls erstmal verschüchtert nach Hause, um die Erkenntnis reicher, dass Kinder in der Eichenallee nicht überall als zwischenmenschliche Bereicherung angesehen werden. 

Das Iglu, „es steht noch“, freut sich jedenfalls Heidi Adlberger, die nach wie vor von der Leistung der Kinder begeistert ist, immerhin könne sie mit ihren fast 1,70 Meter darin stehen. Über die Abbruchandrohung des Nachbarn kann sie jedenfalls nur den Kopf schütteln: „Für das Iglu wurde lediglich der auf der Wiese liegende Schnee in Schollen ausgestochen, die Wiese wurde nicht verletzt.“ Und abgesehen davon, könne man doch aus dem vielen Schnee auch mal „das Beste“ machen. Bei der Polizei ging übrigens kein Anruf ein, wie Christian Schweiger bestätigt. Den Bau eines Iglus auf einer Wiese, auf der viel Schnee liege, sieht er gelassen. Das Strafgesetzbuch hat diesen Tatbestand noch nicht erfasst. 

Man fasse also zusammen: Auf dem Grün ist ein Eskimohaus gebaut worden, zwischen Kuppel und Wiese liegen einige Zentimeter Schnee und für den Bau wurde kein Grashalm gekrümmt. Da dürften sich die Immen im Frühling über eine heile Wiese freuen können. Sollte sich eine Biene aber in die winterliche Landschaft wagen: Die eisige Kuppel könnte bestimmt auch als überdiemsionaler Bienenkorb durchgehen. ra/la

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