Das Gute so nah

Anreiz zum regionalen Einkauf: Eva-Maria Schröders „Kulinarischer Hofladenführer“

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Guide für Gemüse, Geflügelfleisch und gutes Gewissen: Ernährungswissenschaftlerin Eva-Maria Schröder bricht mit ihrem neuen Buch eine Lanze für regionale Lebensmittel.

Region – Wer das Buch rasch wie ein Daumenkino durchblättert, dem leuchten unzählige Bilder des Idylls entgegen. Wohlgenährte Hühner, Kühe und Schweine, bunte Blumenwiesen, Getreidefelder, Kürbishaufen und Kartoffelpyramiden. In Zeiten der Bienenrettung, in denen Landwirte um ihren guten Ruf kämpfen, ist Eva-Marias Schröders „Kulinarische Hofladenführer“ eine wahre Wohltat für geplagte Bauern.

Vielleicht hatte sie erst einmal genug von Schuppen, Kiemen und Flossen. Nachdem die Foodjournalistin und Ernährungswissenschaftlerin Eva-Maria Schröder in den vergangenen Jahren vorzugsweise Fischkochbücher verfasste, ist sie nun zu einem neuen Ufer aufgebrochen und an Land gegangen. Noch immer der Kulinarik verschrieben, hat sie nun einen kleinen Führer herausgebracht, der über 80 Hofläden, Hofcafés und Direktvermarkter zwischen der Landeshauptstadt und den Alpen auflistet. „Bei weitem nicht alle“, wie Schröder gleich im Vorwort ihres Buches klarstellt. Aber zumindest eine Menge. Doch die Tutzingerin listet nicht nur auf, sie wagt in dem knapp 100 Seiten starken Buch auch ein Plädoyer. Ein Plädoyer, den Einkaufskorb mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln, Obst, Gemüse, Kräuter, Eier und Fleisch, zu füllen. Kartoffeln vom Nachbarn statt Avocados aus Peru. Man solle Bemühungen der Landwirte unterstützen, „ein frisches, gesundes und saisonales Angebot für uns bereit zu halten“, appelliert die Foodjournalistin an ihre Leser 

„Viele wissen gar nicht, wie viele Hofläden es in ihrer Umgebung gibt“, sagt Eva-Maria Schröder. Sie jedoch schon. Jahrelang sammelte sie Material für das Buch. Noch bevor sie vergangenes Jahr in den Ruhestand ging, wollte sie das Buch fertigstellen, „das hatte ich noch auf dem Schirm“, lächelt die Ernährungswissenschaftlerin. Rund ein halbes Jahr lang saß sie schließlich an ihrem Führer. In dieser Zeit kontaktierte sie diverse Hofläden, Hofcafés und Direktvermarkter. Sie versendete selbst erstellte Fragebögen, in denen sie sich nach dem Angebot und den Produkten, den Öffnungszeiten oder auch den Veranstaltungen erkundigte. In einigen Hofläden schaute sie auch selbst vorbei, so wie sie es auch privat pflegt, denn sie macht mit ihrem Fahrrad vorzugsweise einen Bogen um Supermärkte und unterstützt Direkterzeuger in ihrer Region, am Starnberger See und in Andechs. „Die Leute sollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen“, findet die Autorin. Bestenfalls wohl vom Landwirt nebenan. 

Dass Nähe nicht nur umweltfreundlich und praktisch ist, sondern auch köstlich schmeckt, beweist Eva-Maria Schröder in ihrem Buch ebenfalls. Eigentlich lässt sie dies vielmehr beweisen, und zwar von den Lebensmittelerzeugern selbst. Kein ungewohntes Terrain für die Autorin, die bereits für die Rezepte in ihren Fischkochbüchern gerne Berufsfischer an den Herd treten ließ. Nun also war Schröder abermals in fremden Küchen zu Gast, schaute beim Schneiden, Kneten und Würzen zu, fotografierte, notierte Zutaten und Arbeitsschritte und kostete selbstverständlich auch. So stattete sie unter anderem dem KlosterGut in Schlehdorf einen Besuch ab. Dort bereiteten Britta Lanzenberger und Renée Schulz Flädel ein Haschee zu, mit Rindfleisch und Eiern aus eigener Produktion. Leinsamenbrot buk Schröder hingegen gemeinsam mit Veronika Sonner von der Off-Mühle in Sindelsdorf, mit Roggen-, Leinkuchen- und Dinkelmehl sowie Kartoffelflocken aus dem Mühlenladen. Herausgekommen sind nach all den Besuchen zwei Dutzend Rezepte, welche die letzten Seiten des kulinarischen Guides füllen. „Regional einzukaufen wird heute immer wichtiger“, findet die Ernährungsexpertin mit Blick auf die Fridays-for-future-Bewegung und das Bienen-Volksbegehren. Mit ihrem Führer wird dies auch ein wenig einfacher. ra 

Der „Kulinarische Hofladenführer“ kostet 14,90 Euro und ist in ausgewählten Hofläden, im Buchhandel und per E-Mail an hofladenkochbuch@aol.com erhältlich.

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