Ehrenamtliche Hilfe

Experte mit "Zauberhändchen" - das macht das Penzberger Reparaturcafé so besonders

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Penzberg - Seit einem Jahr gibt es das Reparaturcafé in Penzberg. Die Aktiven an der Christianstraße ziehen jetzt Bilanz. Fazit: Das Angebot wird gut angenommen.

Die Idee eines Reparaturcafés gibt es weltweit schon länger: Das erste Repaircafé gab es bereits 2009 in Amsterdam. Derzeit gibt es rund 840 Einrichtungen dieser Art in Deutschland, listet die Verbraucherzentrale auf. Bisher habe in Penzberg nur „die Plattform dafür gefehlt“, erklärt Initiator Herbert Preuß (70). Das Projekt kam Anfang 2019 auf und so tat sich die örtliche Volkshochschule (VHS) mit Preuß, der auch im Seniorenbeirat der Stadt sitzt, zusammen. Mit dem „Förderverein Werkraum“, der 2017 aus dem Unterstützerkreis Penzberg Asyl entstanden ist, fand sich schließlich ein passender Träger. Die Idee: „Hilfe zur Selbsthilfe, wenn Leute zusammen kommen, sich gegenseitig unterstützen und Geräte reparieren anstatt diese wegzuschmeißen,“ so Preuß. 

Spenden statt Lohn

Es gab gleich viel Resonanz und einen großen Bedarf. Preuß betont aber auch, dass es sich nicht um eine Profiwerkstatt handle. „Auch das Treffen an sich und die Kommunikation unter den Tüftlern“ sei ein wesentlicher Schwerpunkt. Die ehrenamtliche Arbeit wird mit Spenden belohnt. Wenn es ein Ersatzteil braucht, wird Besuchern geholfen und Rat gegeben. Die Kosten für die Ersatzteile müssen Reparaturcafé-Nutzer tragen, die Arbeit an sich ist kostenlos. Mit mittlerweile 13 ehrenamtlichen Aktiven, darunter Fachpersonal wie Elektroingenieure und Informatiker, ist das Team schon einmalig, erklärte Preuß. Mit Schneider Mohamad Hussein sitzt ein Mann für Stoff und Faden mit im Boot, der „ein Zauberhändchen“ für Nähmaschinen beweist, freut sich Preuß. Der Syrer Hussein reparierte, als im Corona-Lockdown der Bedarf an Mund-Nasen-Masken groß war, besonders viele Nähmaschinen. Kniffligere Reparaturen nehmen die Mitarbeiter oftmals mit nach Hause. Der 70-jährige Herbert Preuß werkelt als gelernter Chemietechniker an den Geräten mit. Wenn „ein altes Drum dann wieder funktioniert macht einen das froh und stolz“, sagt er über seine Arbeit.

Eher ältere Kunden

Im Schnitt bringen laut Statistik eher ältere Kunden – Durchschnittsalter 58,68 Jahre – Geräte an der Christianstraße vorbei. Offiziell gab es in den vergangenen zwölf Monaten 172 dokumentierte Annahmen. Einiges wurde jedoch nicht dokumentert, manche Besucher waren auch öfters da. 61 Prozent der Geräte funktionierten nach der Reparatur wieder. Von Küchenmaschinen, CD-Playern, Lampen und einer Baseball-Wurfmaschine war alles dabei. Die Wurfmaschine hätte übrigens sonst in die USA eingeschickt werden müssen. Reparateur Joachim Rau schaffte es, die Maschine auch ohne Schaltplan wieder zum Laufen zu bringen.

Die Öffnungszeiten

Die aktuellen Öffnungszeiten sind jeden dritten Freitag im Monat. Es gibt eine wichtige Änderung: Aufgrund der Corona-Situation können Gerätebesitzer bei der Reparatur im Reparaturcafé nicht mehr dabei sein, sondern müssen ihre defekten Besitztümer zwischen 13.30 bis 14.30 Uhr abgeben. Die Geräte können dann ab 17.30 Uhr wieder abgeholt werden. Ganz wichtig: Interessierte müssen sich vorher bei der Volkshochschule in Penzberg unter der Telefonnummer 08856/3615 oder per E-Mail an info@vhs-penzberg.de anmelden.

Viktoria Gray

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