Wie bei Langstrumpf

Einweihung des Naturerlebnisgartens auf dem Arche-Noah-Gelände

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Ein Paradies, das Astrid Lindgrens Romanfigur sicherlich taugen würde, wurde nun auf dem Areal des Familienzentrums geschaffen.

Penzberg – Die Arche Noah ist um ein Kleinod reicher. Auf dem Gelände des Familienzentrums entstand ein Naturerlebnisgarten. Finanziell unterstützt von der IKEA-Stiftung verwandelten Gartenfachleute, Schüler, Studierende und Eltern das Areal in ein naturbelassenes Spiel- und Erlebnisparadies. Gemeinsam mit Petra Zott-Endres vom Berufsorientierungsprojekt Passgenau wurde nun dessen Einweihung gefeiert. Und Zott-Endres verlagerte sogleich das erste Berufscafé nach den Corona-Beschränkungen ins Grüne. Dabei konnten Landschaftsarchitektin Alice Grubert sowie Garten- und Landschaftsbauer Martin Schröferl vor Ort Einblicke in ihren Berufsalltag geben.

Noch ist der Garten nicht ganz fertig, aber die wesentlichen Hingucker wie eine Schaukel mit naturbelassenen Stützen und vor allem ein Spielhaus mit Brücke und Seilen fallen sofort ins Auge. Niemanden würde es wundern, wenn im nächsten Moment Pippi Langstrumpf aus dem gewollt windschiefen Eingang herausschauen würde. „Das war genau das, was wir uns vorgestellt hatten“, erklärte Annelies Plep, Leiterin und Gründerin des Familienzentrums Arche ­Noah, die glücklich darüber ist, dass die IKEA-Stiftung für die Errichtung des Gartens einen Großteil der notwendigen finanziellen Mittel bereitstellte. Der Natur-Freiraum ist entsprechend dem Prinzip von Arche Noah gestaltet worden: „Der Garten sollte eben anders sein als andere“, sagt sie. Und so ist der Garten mehr ein Raum, der die Kreativität und die Phantasie der Kinder anregt. Die Geräte sollten bewusst offen und vielseitig gestaltet sein und es ermöglichen, sie „vielfach zu bespielen“, so Plep. 

Die Umsetzung scheint Alice Grubert und Martin Schröferl gelungen zu sein. Die Landschaftsarchitektin und der Landschafts- und Gartenbauer kamen auf Einladung von Petra Zott-Endres nicht nur zur Einweihung ihres Projekts, sondern auch, um den Jugendlichen und ihren Eltern ihre Arbeit vorzustellen. Am Naturerlebnisgarten konnten die Jugendlichen erfahren, was es heißt, als Landschaftsarchitekt oder Gartenbauer zu arbeiten. „Landschaftsarchitekten entwerfen Konzepte für nicht bebaute Flächen, wie zum Beispiel Parks und Gärten, Naturschutzgebiete oder auch Freiräume und Erholungsgebiete in Städten“, erklärte Grubert. Zu ihrem Beruf sei sie gekommen, weil ihr das Lernen in der Schule mehr gefallen habe als die Arbeit. Deshalb habe sie nach einer Lehre nochmal die Schulbank gedrückt, ihr Abitur nachgeholt und ein Studium aufgenommen. Besonders gefalle ihr an ihrer Tätigkeit, dass sie planerisch-konzeptionell und kreativ-künstlerisch angelegt ist. Auch sähe der Arbeitsalltag jeden Tag und von Auftrag zu Auftrag anders aus.

Für Martin Schröferl ist es schon immer der Wunsch gewesen, draußen zu arbeiten: „Auch wollte ich auf jeden Fall etwas mit meinen Händen machen“, sagte der Gärtner. Er habe sich auf Naturgärten spezialisiert, erklärte Schröferl den Jugendlichen und ihren Eltern die Möglichkeiten seines Berufes. Je nachdem, welche Richtung man einschlage, falle die Tätigkeit etwas anders aus: „Ein Friedhofsgärtner hat freilich andere Schwerpunkte als ich“, so der Gärtner, dessen Leidenschaft die möglichst naturnahe Gestaltung von Freiräumen sei. Deshalb habe ihm die Entwicklung und Errichtung des Gartens inmitten Penzbergs besonders gut gefallen: „Es war unsere Absicht, das Spielhäuschen ohne rechte Winkel zu bauen.“ Neben Gartenarbeiten gehören also auch Zimmererarbeiten dazu.

Davon ganz besonders angetan waren Schröferls Helfer, Tristian Lossmann aus der 9. Klasse der Penzberger Realschule sowie Lea Baumgärtner und Adelina Loos. Die Studentinnen an der Hochschule Benediktbeuern hatten bei Schröferl ein zweiwöchiges Praktikum absolviert. Für Lossmann war es eine Woche, die es in sich hatte: „Ich fand es voll geil“, war er kaum zu bremsen. Den Garten zu gestalten habe vor allem deshalb so viel Spaß gemacht, „weil wir wussten, was wir zu tun hatten und jeden Nachmittag sehen konnten, was wir geschafft haben“, berichtete der Neuntklässler. Auch den beiden Studentinnen haben die zwei Praktikumswochen sehr gut gefallen. Darüber hinaus hätten sie erfahren, „dass ein Achtstundentag ganz schön lang sein kann“, so Baumgärtner. „Sehr abenteuerlich“ seien für sie die beiden Wochen gewesen, ergänzte Loos. Beruflicher Alltag sei eben anders als Studentenleben, „weit außerhalb der Komfortzone.“ 

Noch gibt es „weiße“ Flächen im Garten. Vor allem über das offene Areal im Eingangsbereich sei man nicht sehr glücklich, entschuldigte Alice Grubert das „unfertige“ Gartenprojekt. Geklärt werden müsse noch, inwiefern die Freifläche als Feuerwehranfahrtszone freigehalten werden müsse, ergänzte Petra Zott-Endres. Klar ist auf jeden Fall, dass zum Frühjahr 2021 ein neues Weidenhäuschen in die Nähe des Zauns gesetzt werden soll. Die nicht gerade einfach zu planende Fläche sei schattig und teilweise wie ein Schlauch. Es sei eine Herausforderung gewesen, die Bereiche optimal zu nutzen, meinte Grubert. 

Ein hölzernes Pferd, gestiftet von einer Mutter, steht jetzt da, wo das Häuschen einmal hin soll. Im Frühjahr wird es zusammen mit einem Holzfohlen das Weidenversteck komplettieren. sg

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