Die Kohle soll es richten

Beim Starkbieranstich wird klar, dass Penzbergs Zukunft in der Vergangenheit liegt

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Kräftig ausgeteilt und hingelangt: Rainer Hofmann (links) erhielt bei seiner Fastenpredigt Unterstützung aus Geretsried.

Penzberg – Mit Penzberg geht es bald bergab, glaubt man dem Singspiel beim diesjährigen Starkbieranstich. Denn darin erklangen heitere Tönen, die vom Wiederaufleben der Kohle-Kultur in der Stadt sprachen. In der Fastenpredigt ging es dagegen nicht nach unten: hier wurden die Politiker hochgenommen.

Nix g‘sagt, is‘ g‘lobt g‘nua. Diese Binsenweisheit, auf die diesjährige Fastenpredigt beim Starkbieranstich angewandt, heißt aber auch: Für Bürgermeisterin Elke Zehetner ging es ordentlich zur Sache. Denn über die Rathauschefin gab es jede Menge zu sagen, Zehetner jedenfalls stand im Zentrum des Spottes von Bruder Servatius & Co. Das Singspiel legte da ordentlich nach und präsentierte am Ende die Lösung für Penz­bergs Zukunft: zurück zum Kohleabbau. Der Gastauftritt des Fastenpredigers Bruder Barnabas aus Elke Zehetners Heimatstadt Geretsried erwies sich dazu als gelungene Choreographie des Oberlandler Volkstheaters. 

Aus Geretsried und Penzberg wird Geretsberg-Penzried

Bruder Barnabas (Ludwig Schmidt) erkundigte sich nach seinem „zarten Geretsrieder Asylpflänzchen“ und fragte, ob sie die Penzber­ger auch gut pflegten. Was nicht so einfach sei bei solch einer „Frau mit ihren vielen verschiedenen Persönlichkeiten“. Bar­nabas hörte sich die Sorgen seines Ordensbruders Servatius (Rainer Hofmann) gut an und hatte glatt eine Idee: So könnten sich Penz­berg und Geretsried als jeweils größte Kreisumlagenzahler eigentlich längst zusammentun, um eine Gebietsreform einzuleiten „und alle anderen ringsherum zu kaufen“. So gebe es hier den „Grexit“ und dort den „Prexit“, um zum Großzentrum Geretsberg-Penzried zu fusionieren. Barnabas hatte dafür auch den Entwurf für ein neues Wappen mitgebracht. Zudem riet er Zehetner: „Und wenn‘s bei der Wahl so schwierig weard, weil Du ois so schwierig machst, dann schick ma di nach Wolfratshausen.“ 

Rückkehr der Kohle: Starkbieranstich 2019 in Penzberg

Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr
Penzberger Starkbieranstich 2019: die Zukunft der Stadt liegt in der Vergangenheit © arr

Ein verrosteter Verkehrsunfall auf dem Rathausplatz

Servatius hatte vor dem Auftritt des Geretsrieder markig losgelegt und dabei festgestellt, er selbst habe die Rede geschrieben und nicht etwa der Wirtschaftsförderer oder die Hotelstandortverarschungsagentur für 150.000 Dollar. Und er hatte weiter jede Menge Themen auf seiner „A+++-Prioritätenliste“, wie er mit Anlehnung auf diese erst jüngst vom Stadtrat erarbeitete Agenda meinte: dass mit der Amtsniederlegung von Grünen-Stadtrat Klaus Adler inzwischen exakt ein Drittel des Gremiums vorzeitig ausgetauscht wurde, dass die FLP mit Politik genau so viel am Hut habe, wie der Papst mit Stöckelschuhen, dass der Bücher-Ausleih-Hunt auf dem Rathausplatz aussieht wie ein verrosteter Verkehrsunfall und dass bei dem „Sorgerechtsstreit“ zwischen Stadt, AWO und Novita in Sachen Seniorenzentrum nicht einmal der Verein „Penzberg hilft“ vermitteln könne. Der Fake-Leserbrief Zehetners kam ebenso aufs Tablett wie das vorzeitige Aus des Maibaums: Das Geheimnis hier sei nämlich, einen nassen Baum mit Kunstlack zu versiegeln und dann zu warten, die Schwammerlkulturen erledigten den Rest, und „der Hardi und seine narrischen Schwammerl kriegen so den Kulturpreis“. Die nur 30 Tage währende Amtszeit des Wirtschaftsförderers Andreas Baar nahm Bruder Servatius gekonnt auf die Schippe, und bevor er an seiner Mass Starkbier nippte, stellte er fest: „I bin praktisch seit elf Jahren a starker Wirtschaftsförderer – und i bin oiwei no da.“ 

„Wenn weiter so g‘logn werd, dann bin i nächst‘s Jahr wieder da.“

Das Singspiel knüpfte erwartungsgemäß an der hohen Qualität der vergangenen Jahre an. Ort des Geschehens: der Bahnhof, an dem Bürgermeisterin Elke Zehetner und ihr Adlatus, Kämmerer Johann Blank, vergeblich nach maroder Bausubstanz suchen. Dort entdeckt sie lediglich Wahlplakate von Widersacher Andreas Vetter. Der Tobsuchtsanfall, den Catrin Bocksberger da in ihre Rolle als Bürgermeisterin legte, wird den Starkbierfestbesuchern von nun an nicht mehr aus dem Kopf gehen. Ebenso bravourös: der Bauhoftrupp mit seinen bitterbösen Kommentaren und der frech-trockene Straßenmusiker Willi Beitler (Mike Wolff). Der dritte Bürgermeister Ludwig Schmuck (kongenial gespielt von Andreas Mummert) ist es dann aber, der einen Masterplan aus dem Hut zaubert: die Rückkehr zum Kohleabbau. Denn dass im Nonnenwald wegen Geothermie in die Tiefe gegraben werde, sei nur ein Trugschluss. „Die reaktivieren die alten Stollen“, grinste der falsche Schmuck. Zum Schlusslied „Mia holn de Kohle zurück“ gab es eine tosende Stadthalle und grinsende (tatsächlich aber auch bisweilen lange) Gesichter bei den Derbleckten. Und so kann man sich schon jetzt auf eine Fortsetzung freuen. Die ist garantiert, oder wie sagte Bruder Servatius: „Jammern auf hohem Niveau sind mia ja g‘wohnt, aber wenn weiter so g‘logn werd, dann bin i nächst‘s Jahr wieder da.“ 


Die besten Sprüche 

Unsere Elke – über die, wenn mia was sag‘n, egal was, die lacht allerweil – und is erst hintnach zwider. Bruder Servatius

Die vorherrschende Regierungsform im Stadtrat is der Ja-habts-mi-doch-gern-nismus. Bruder Servatius über die hohe Fluktuation im Stadtrat

Damit jetz dö letzten ne aa no über Elkes Reste-Rampe abhaun, möchtest glatt den Donald Trump bitten, dass er ums Penzberger Rathaus a Mauer rumbaut. Bruder Servatius über die hohe Fluktuation in der Rathausverwaltung 

Die Einnahmen beim Gelben Blattl für Personalsuchanzeigen vo da Stodt sind seit 2014 um 500 Prozent gestiegen – da soll einer sagen, die Zehetner tät die regionale Wirtschaft ne okurbeln. Bruder Servatius zum gleichen Thema

Liebe Starkbierbrüder und Starkbierschwestern: Politisch korrekt hoaßt des aber ,liebe Starkbierende‘. Bruder Barnabas auf Servatius

Die Polizei, de wollt a Wacht de eana d‘Arbat gerne macht. Doch do draus is leider nix wordn, Drum ärgern sie sich grün bis zu de Ohrn. Koa Personal, koa Überstund – de Leut dann sogn, mei san des faule Hund De Polizei hat sich oans g‘lacht und hat des Volksfest um oans zua­g‘macht. Liedvers dem Singspiel

Das hätten wir doch so machen sollen wie mit dem Birkenstraßenwald: Erstmal abreißen und dann fragen, was damit passieren soll. Beim alten Metropol haben wir das auch schon verpasst. Kämmerer Johann Blank zu Bürgermeisterin Elke Zehetner, die verzweifelt nach maroder Bausubstanz im Bahnhofsgebäude sucht

Apropos Clowns: Die von da FLP, die haben mit der Politik genauso viel am Hut wia der Papst mit Stöckelschuhen. Die glauben wahrscheinlich allen Ernstes, dass eine Legislaturperiode an monatliches Frauenproblem is. Bruder Servatius

„Die SPD bluat aus. Inzwischen treten ja scho Leut aus der SPD aus, de no gar nia drin, sondern bloß so irgendwia dabei war‘n. Bruder Servatius

Schau Elke, in die SPD ei‘treten waar eigentlich sehr befreiend für Dich. Des waar, wia wenn ma endlich verheirat is‘: Sex ohne schlechtes Gewissen. Bruder Servatius

arr

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