Unnahbare Therapeuten 

Bei einer Wanderung fordern Alpakas Geduld und Gelassenheit von ihren Begleitern

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Erst einmal näher kennenlernen: An Streicheleinheiten ist bei dem Ausflug mit den misstrauischen Alpakas nicht sofort zu denken. Da heißt es erst einmal, Vertrauen aufzubauen.

Penzberg – Groß und glasig glänzend sind die Kulleraugen ihrer wolligen Begleiter, doch hineinschauen sollten die Kinder nicht, wenn sie vorwärts kommen wollen. Bei einer Wanderung mit Alpakas durch Nantesbuch lernen Tierliebhaber das außergewöhnliche Wesen der Paarhufer aus den Anden kennen. 

Er schaut nach links, er schaut nach rechts, unaufhörlich wandert sein Kopf, eingepackt in einem Halfter, hin und her. Plötzlich bleibt er stehen, vor ihm rieselt ein kleiner Bach über den Kiesweg. Der war vor kurzen noch nicht da, der gestrige Regen muss für das Rinnsal verantwortlich sein. Das passt dem wolligen Spaziergänger nun überhaupt nicht. Und auch seine Kollegen aus den Anden gehen erst einmal keinen Schritt weiter, denn Ungewohntes begutachten die drei Alpakas mit viel Vorsicht. Da brauchen die Kinder, welche die zotteligen Tier an der Leine führen, erst einmal etwas Geduld, ehe sie weitergehen können. Bei einer Alpakawanderung lernen die Kinder, dass diese Tiere Zeit brauchen, um mit Neuem vertraut zu werden. 

Nicht so leicht zu knacken

Auch wenn ihre lockige Tolle auf dem Kopf dazu verleitet, mit der Hand einmal darüber zu fahren, auf viel Begeisterung wird diese Form der Zärtlichkeit wohl kaum stoßen. Alpakas wollen nicht gestreichelt werden, weder auf dem Kopf noch sonst wo. „Sie sind keine Kuscheltiere“, sagt Sabrina Ripellino. Die Reittherapeuthin vom Zisthof 2 weiß, wovon sie spricht, kennt sie doch Bobby, Rocky und Gino sehr gut. Die drei Alpakahengste, gerade einmal zwei Jahre jung, sind scheu und auch ein wenig misstrauisch. Und dennoch geht Ripellino mit den dreien und Kindern wandern. Auch möchte sie ihre Alpakas einmal für Therapien einsetzen. Und dafür eignen sich die zurückhaltenden Paarhufer bestens, denn der Mensch muss sich in ihrer Gegenwart ruhig und entspannt verhalten, er muss das wollige Andentier „von sich überzeugen“, so Ripellino, die im Rahmen des Penzberger Ferienprogramms mit einigen Kindern und den drei Alpakas durch Nantesbuch spaziert. 

„Von Natur aus etwas misstrauisch“

Sich auf die scheinbar unnahbaren Therapeuten einzulassen, fällt den Buben und Mädchen nicht allzu leicht, vor allem nicht, nachdem sie Peppino, den gelassenen und anhänglichen Hofhund, und Paulina, das quietschfidele Babyminischwein, gestreichelt haben. Denn im Gegensatz zu den beiden halten die drei Alpakas erst einmal ordentlich Abstand zu den Kindern, auch als sie bereits die Halfter tragen und angeleint in den Händen der Kleinen sind. „Ein bisschen stur sind die schon“, findet ein Junge, dessen Alpaka den Strick auf Hochspannung hält. Stur, ein Wort, das Ripellino so gar nicht gefällt: „Alpakas sind von Natur aus etwas misstrauisch, sie brauchen einfach Zeit, bis sie mit einem Menschen warm werden“, erklärt sie und blickt auf Gino und dessen weiße Wolle, an der Erde klebt. 

Spazierengehen mit unnahbaren Therapeuten 

Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra
Ferienprogramm der Stadt Penzberg: Bei einer Wanderung durch Nantesbuch lehren Alpakas Kindern Geduld © ra

Wie Katzen an der Leine

Warm werden wollen die Kinder mit den drei regennassen Alpakas nun bei dem Spaziergang. Je zwei Kinder führen dabei ein Alpaka über Asphalt und Feldwege hinein in einen Wald. Nicht immer wollen die Tiere aber dem Ende der Leine folgen, zu verlockend ist das frische Gras am Wegesrand, zu beängstigend das ein oder andere Geräusch im Hain. Es sei „wie mit Katzen spazieren zu gehen“, schmunzelt Ripellino und rät den Kindern, den Alpakas nicht direkt in die Augen zu sehen, das verunsichere sie. Doch zu anziehend sind die großen Kulleraugen mit zentimeterlangen Wimpern, um nicht dorthin zu blicken. Immer wieder drehen sich die Kinder zu ihren scheuen Begleitern um. Hier und da zieht ein Alpaka seine Wanderführer zwischen die Farne oder bremst abrupt ab, weil es irritiert ist. Doch nach und nach lernen die Kinder, die Körpersprache der Tiere zu lesen, die Leinen lockern sich. 

Küsse ja, Bisse nein

Bei einer kurzen Pause versucht eines der Alpakas sogar, einem Mädchen einen Kuss aufzudrücken. „Nicht weggehen!“, meint Ripellino, denn so ein Kuss sei etwas Schönes, ein Zeichen des Vertrauens, quasi ein Ritterschlag für denjenigen, der ein Alpaka dazu bewegt. Und spucken wollen die Tiere auch nicht, vielleicht mal auf Artgenossen, aber nicht auf Menschen, so Ripellino. Genau so verhält es sich mit dem Beißen, wie sollten sie auch zwicken, wenn im oberen Kiefer anstelle von Schneidezähnen eine Kauplatte sitzt. Das zeigt Sabrina Ripellino den Kindern sogleich und öffnet Bobbys Maul, große gelbliche Zähne blitzen einem entgegen, aber keine im vorderen Oberkiefer. 

Beruhigende Begleiter

Mit einem Schulterzucken nehmen die Kinder die zaghaften Annährungsversuche der Alpakas nun hin, doch einen weiteren Kuss gibt es nicht mehr, dafür tauschen Tier und Mensch aber immer wieder Blicke aus. So richtig verstehen scheinen die Kinder die Alpakas nicht zu können, aber gerade das macht diese distanzierten Tiere ja aus. Und um mit ihnen eine kleine Runde zu drehen, braucht man sie ja auch nicht zu begreifen, es reicht, gemeinsam die Ruhe zu genießen, Seit an Seit in dem Tempo, das das Alpaka vorgibt, nicht weil es stur ist, sondern weil es vorsichtig durchs Leben schreitet. ra

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