Burgen in der Stadt

Biber besiedeln Penzberg und kommen damit ins Fernsehen

+
Hier nagt der Biber: Auf einer Stadtkarte hat sich Johann Eßel die betroffenen Areale markiert.

Penzberg – Sehr beweglich ist der kompakte Körper nicht, sprinten oder klettern kommt nicht in Frage. Doch eines kann der Biber meisterhaft: mit Holz arbeiten. Wie kunstvoll er Burgen baut, demonstriert der Nager derzeit so eindrucksvoll, dass das ZDF ein Fernsehteam nach Penzberg entsandte.

Er rollt eine große Karte aus, die Penzberg und Umgebung abbildet. Darauf: niedliche Biberbildchen, die zeigen, wo sich der Nager samt Nachwuchs niedergelassen hat. Auf dem Tisch breitet Johann Eßel aus dem Bauamt im Rathaus eine Handvoll Fotos aus, angenagte Bäume und verstopfte Kanalrohre. Obwohl der Biber in Penzberg Ärger macht, ist Eßel beeindruckt von den Geschicken des Nagers, wenn er auf die Dämme und Burgen blickt, die das Tier zu bauen versteht. Fünf bis sieben Burgen befänden sich derzeit in und um Penzberg, schätzt Walter Heußler. In jeder Burg lebe ein Besatz von vier bis fünf Tieren, so der Biberberater des Landkreises, bis sich im Frühjahr der nächste Nachwuchs ankündigt und es in dem Bau noch enger wird. Der Biber „ist ja ein geselliger Kerl“, grinst Heußler, der sich nun jedoch gemeinsam mit dem Bauamt darüber Gedanken machen muss, wie es weitergeht mit dem Nager in Penzberg. „Denn der Biber hat keine natürlichen Feinde, die Population regelt sich nicht von selbst“, warnt Heußler. Nicht ohne Grund greift die Stadt hier und da zu Präventivmaßnahmen, um die Ansiedlung des Nagetiers einzudämmen, „Drahtrosen und Verbauungen mit großem finanziellen Aufwand“, erklärt der Biberberater. Doch mancherorts sind solche Eingriffe nicht möglich. Und so konnten nun in Schönmühl, in Reindl oder auch im Breitfilz ein paar Biber munter Bäume fällen, Äste sammeln sowie Burgen und Dämme bauen. 

Durch das Breitfilz stapften Eßel und Heußler auch schon gemeinsam, begleitet von einer Kamera. Denn ein Fernsehteam des ZDF wurde auf die Biberfamilien in der ehemaligen Bergwerksstadt aufmerksam und kontaktierte die Stadt und Biberberater Heußler. Wieso gerade Penzberg ins Visier des Senders geraten ist, wo doch auch in anderen Regionen Deutschlands der Biber baut, das weiß Heußler nicht, und auch Eßel zuckt mit den Schultern. Vielleicht, weil der Nager in der Stadt schon eine stolze Schadenssumme verursacht hat, „in den letzten zwei Jahren über 100.000 Euro“, schätzt der Biberberater. Allein rund ums Breitfilz wurde immer mal wieder die Kanalisation verstopft oder „Weideland untergraben“, wie Eßel betont. Gemeinsam mit den beiden Männer filmte das Fernsehteam die Schwerpunkte und dokumentierte die Situation. „Wir waren die Hauptdarsteller“, lacht Heußler. Logisch, denn der Biber macht sich in der Öffentlichkeit ziemlich rar. 

Wie die Stadt aus der Situation herauskommt, das weiß der Biberberater noch nicht, und auch Eßel hat noch keine konkreten Pläne mit dem Biber. Einzelne Tier zum Abschuss freigeben, das wollen beide nicht. „Wir versuchen alles, bevor wir den Antrag auf Entnahme stellen“, so Heußler. In Penzberg habe es in den vergangenen drei Jahren jedenfalls keine einzige Entnahme gegeben. Früher habe man die Nager eingefangen, in eine Auffangstation gebracht und von dort nach Rumänien geflogen, um sie auszusetzen, weiß Heußler. Doch mittlerweile gibt es dort auch mehr als genug von den Nagern. 

Wenn der Biber, in Europa streng geschützt und somit nicht dem Jagdrecht unterliegend, nicht ohne Weiteres zu entfernen ist, so können zumindest seine Dämme, die den Hochwasserschutz gefährden, beseitigt werden. Die Burgen hingegen, sofern sie bewohnt sind, dürfen nicht platt gemacht werden. „Und die Burgen in Penzberg sind bewohnt“, betont Heußler, der sich wünscht, dass die Jäger erst dann auf der Matte stehen, wenn es gar nicht anders geht. Er betont jedoch auch, dass das Fangen der Tiere mit einer Falle mehr Stress bedeute als der „finale Schuss“. Dass es auch ohne Kugeln geht, bewies der Biberberater jedoch bereits, als er mit einem Feuerwehrmann einen Biber aus dem Becken des Wasserkraftwerks in Schönmühl herausholte, ohne Gewehr, dafür mit einem großen Kescher. Das Tier setzten die beiden dann ganz einfach an einer anderen Stelle entlang der Lois­ach aus, dort, wo es die starke Strömung dem Biber unmöglich machte, in das Becken zurückzuschwimmen. 

Im Frühjahr soll der Beitrag über Penzbergs Biber im ZDF ausgestrahlt werden. Bis dahin sollten die Stadt, das Landratsamt und Biberberater Heußler eine Lösung für Penzbergs tierische Neubürger gefunden haben. Denn dann kündigt sich die nächste Bibergeneration an, was bedeutet, dass sich die älteren Geschwister aus der Burg verabschieden und auf die Suche nach eigenen Bauplätzen machen müssen. ra

Auch interessant

Meistgelesen

Umbau des städtischen Kindergartens kostet jetzt knapp vier Millionen Euro
Umbau des städtischen Kindergartens kostet jetzt knapp vier Millionen Euro
Janusz-Korczak-Schule dreht mit Spende einen Film
Janusz-Korczak-Schule dreht mit Spende einen Film
Kurz vor der Wahl wollen Penzbergs Narren beim Gaudiwurm das Rathaus stürmen
Kurz vor der Wahl wollen Penzbergs Narren beim Gaudiwurm das Rathaus stürmen
Benediktbeurer CSU diskutiert mit Vertretern des Klosters ihr Wahlprogramm
Benediktbeurer CSU diskutiert mit Vertretern des Klosters ihr Wahlprogramm

Kommentare