Innen morsch, außen Schwammerl: Der Penzberger Maibaum wurde umgelegt

Vertikales Drama

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Da sind die Schwammerl: Hardi Lenk zeigt Bürgermeisterin Elke Zehetner, weshalb der Maibaum unbedingt entfernt werden musste.

Penzberg – Dieser Baum wurde zweimal gefällt und fristet jetzt sein Dasein vermutlich endgültig in der Waagrechten. Der Penzberger Maibaum, der aufgrund seines morschen Holzes mittlerweile die Gesellschaft von Schwammerln genoss, ist umgelegt worden. Einsam blieb die Maibaumschiene zurück. 

Graue Wolken ziehen über Penzberg hinweg, Schneeregen rieselt auf die Häupter, braune Pfützen breiten sich auf der Straße aus: Recht trostlos ist das Bild, das sich heute darbot, schräg gegenüber der Stadthalle: Bei einem Wetter, das düstere Stimmung zu prophezeien vermag, wurde der Maibaum umgelegt, erst aus der Schiene genommen und dann zersägt, lag er da als etwas, das die farbige Bemalung und die bunten Wappen zu verbergen wussten: totes Holz. In Einzelteilen verließ er dann seinen Standort, um am Bauhof seine endgültige Bestimmung zu finden. Welche das sein wird, ist noch ungewiss. 

Nun liegt er am Boden, im Schneematsch, Wassertropfen gleiten von seinen weiß-blauen Spiralen herab, Kaminkehrer und Flößer blicken von den Schildern gen Himmel. „Es ist ein Drama“, meint Bürgermeisterin Elke Zehetner. Die Kapuze dem Regen trotzend ins Gesicht gezogen schnauft sie, ihr Atem bildet in der Kälte blasse Wölkchen. Als Drama bezeichnet sie den tiefen Fall des Penzberger Maibaums, der als solcher einfach kein Glück zu haben scheint: Erst wurde er gestohlen und nach Antdorf gebracht, wo seine noch feuchte Bemalung in Mitleidenschaft gezogen wurde, dann hat sich bei einer Überprüfung kurz vor Weihnachten herausgestellt, dass das Holz morsch ist, und nun wird der Baum entfernt. 

Die Freiwillige Feuerwehr, das Fuhrunternehmen Gattinger und die Zimmerei Hardi Lenk legen Hand an, um den Stamm von der Senkrechten in die Waagrechte zu befördern. Auch Mitarbeiter des Bauhofes leuchten in ihren orangenen Jacken vor der Stadthalle. Zunächst wird der Baum aus seiner Verankerung gelöst, Schraube für Schraube. Gleich einem Galgen wird dem Stamm dann eine Schlinge umgelegt, an deren anderem Ende ein Kran das fast 40 Meter hohe Exemplar langsam und mit größter Vorsicht umkippen lässt, um es sanft auf dem Boden niederzulegen. Dann ertönen Akkuschrauber: Kaminkehrer, Flößer, Gockel, Stadtwappen, alle blechernen Schilder werden von den Bauhofleuten abgeschraubt. 

Vertikales Drama

Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra
Feuchtigkeit im Holz, Risse im Stamm: Morscher Penzberger Maibaum musste entfernt werden, da Spitze abzubrechen drohte  © ra

„Nur eineinhalb Jahre“, bedauert die Rathauschefin, habe das Holz ein zweites Leben als Maibaum erhalten. Normalerweise stünde er „drei bis vier Jahre“, meint Zehetner. Aber angesichts der Wettervorhersagen - viel Schnee, steife Brisen - hätte man keinen Tag länger warten dürfen. „Bei starkem Wind könnte die Spitze abbrechen und Menschen gefährden“, warnt Stadtbaumeister Justus Klement. Bei der Überprüfung hatte Hardi Lenk festgestellt, dass Feuchtigkeit in das Holz eingedrungen ist, so dass Risse tiefen Furchen gleich durch das Holz zogen. 

„Überall Schwammerl“, meint Lenk beim Blick auf den Baum, der nun in der Horizontalen liegt. Dann greift er zur Motorsäge und zerteilt den Stamm. „In Sechsmeterstücke“, erklärt Bauhofleiter Christian Eberl. Zersägt, zeigt sich nun der Querschnitt, die Feuchtigkeit ist deutlich zu erkennen, mit Wasser aufgesogene Stellen bilden eine dunkle äußere Schicht. Was mit dem Holz nun geschieht, ist noch nicht ganz klar, abgesehen von der Spitze, die hat schon einen neuen Wirkungsort gefunden. Günther Pohle, der emeretierte Augenarzt, ist ihr neuer Besitzer, wie Lenk bestätigt. „Gegen eine Spende“, lächelt Lenk, der sich vorstellen kann, dass aus dem restlichen Holz Bänke entstehen. Für den Stamm könnte es also endgültig von der Vertikalen in die Horizontale gehen. ra

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