Mitglieder beschließen die Auflösung des Musikvereins

„Erst Bohei und jetzt nix mehr“

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Wickeln den Musikverein ab: Kassier Bernhard Schreyer, Liquidator Ulrich Schreyer, Schriftführerin Sonja Schroth und Ludwig Schmuck (von links).

Penzberg – Über 200 Freunde der Trompetenklänge und Trommelwirbel traten dem Musikverein Stadtkapelle Penzberg in seinem Gründungsjahr 1972 bei. In den vergangenen zwei Jahren konnte der Verein, Förderer der Blasmusik, kein einziges neues Mitglied gewinnen. Nun löst er sich auf.

Es ist beschlossene Sache: Der Musikverein Stadtkapelle Penzberg löst sich auf. Hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Meldungen darüber gegeben, dass mal der Verein oder mal der Spielmannszug kurz vor dem Aus stünden, handelt es sich dieses Mal nicht um einen Bluff. Ganz nach allen Regeln der juristischen Kunst läuft ab sofort das Abwicklungsverfahren. Der Musikverein hat sich einfach selbst überlebt oder andersherum: Die Gründe, weswegen er Mitte der Neunzigerjahre ins Leben gerufen wurde, gebe es heute nicht mehr, „abgesehen vom eklatanten Mitgliederschwund“, sagte Vereins­chef Ludwig Schmuck auf der eigens zum Zweck der Auflösung einberufenen Versammlung. 

Seit der letzten Sitzung Ende Juli 2016 sind 34 Mitglieder ausgetreten, weggezogen oder verstorben. Kein einziges kam seither dazu. Auch wenn mit 197 verbleibenden Mitgliedern der Musikverein immer noch zu den größeren Organisationen gehört: Seine Tage sind gezählt. Ursprünglich aus steuerlichen Gründen aus der Taufe gehoben – die GEMA langte zu, ebenso der Musikbund von Ober- und Niederbayern (MON) –, kann die Stadt- und Bergknappenkapelle seit geraumer Zeit selber ihre Gemeinnützigkeit nachweisen. Der Musikverein fungierte schon seit langem nur noch als Dachorganisation für die Kapelle und den Spielmannszug, ohne, so der Vorwurf, seinem Förderauftrag gerecht zu werden. 

„Ihr seid ein Förderverein und kein Fanclub“, wetterte Spielmannszug-Chef Werner Wiedemann vor allem gegen Ludwig Schmuck. Der wiederum sah sich mit seinen Abwicklungsambitionen bestätigt, denn sowohl die Stadtkapelle als auch der Spielmannszug hätten sich um ihre passiven Mitglieder ebenso selber kümmern müssen wie um den musikalischen Nachwuchs. „Erst ein großes Bohei um die Kooperation mit der Musikschule, deren Zweck die Rekrutierung von Trommlernachwuchs war, und jetzt: nix mehr“, klagte Schmuck. In der Tat sind alle fünf Nachwuchs­trommler nach anfänglicher Euphorie weggeblieben, und auch die Sambagruppe ist wieder eingeschlafen. 

Nachwuchsbeschaffung hin oder her: Letztlich hat laut Sonja Schroth, der stellvertretenden Schriftführerin, die Umstellung auf SEPA-Lastschrift dem Musikverein den Todesstoß gegeben. Obwohl sich die jährlichen Mitgliedsbeiträge im untersten zweistelligen Segment bewegen, sei es nicht gelungen, das wenige Geld einzutreiben, auch „weil es unendlich viel Arbeit bedeutet, jedem wegen ein paar Euro hinterherzurennen“, wie sie anmerkte. Der Verein verfügt nicht mal über eine aktuelle Mitgliederliste geschweige denn die dazugehörigen Adressen. 

Auch wenn sich zwei Mitglieder des Spielmannszugs bei der Abstimmung enthielten, reichten die 14 Ja-Stimmen aus, um die Auflösung des Vereins auf den Weg zu bringen. Zum Liquidator wurde der Rechtsanwalt Ulrich Schreyer gewählt. Beschlossen wurde ferner, das Vereinsvermögen, das sich auf etwas mehr als 1.600 Euro beläuft, im Verhältnis 70:30 an die Stadtkapelle und den Spielmannszug „auszukehren“, wie es im Juristendeutsch heißt. „Allerdings abzüglich von 1.000 Euro, die ich zur Auflösung des Vereins einbehalten muss“, erklärte Schmuck. So würden unter anderen noch Kosten für den Notar, Bank- und Briefgebühren sowie Abgaben an den MON anfallen. 

Vielleicht gibt es ja noch ein kleines Fünkchen Hoffnung, dass der Verein reanimiert werden kann. Denn nach allen Regeln der juristischen Kunst muss nach der öffentlichen Bekanntmachung der Liquidation ein ganzes Jahr verstreichen, bis die Auflösung rechtskräftig ist. Innerhalb dieser Frist kann der Verein jederzeit wieder auferstehen. 

In den nächsten Wochen werden die Mitglieder nun einen Brief erhalten, indem sie aufgefordert werden, in die Stadtkapelle, den Spielmannszug oder in beide Organisationen zu wechseln. sg

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