Das feine Echo

Mit Farben und Formen ans Äußerste gegangen: Franz Marc Museum zeigt Erich Heckel

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Ein Heckel: das Aquarell „Zwei liegende Akte“, von dem man glaubte, es sei von Pechstein.

Kochel – Ein paar zarte Linien auf der Leinwand - keine Pinselstriche, sondern Spuren von Papillarleisten: Hier und da lassen sich auf Erich Heckels Bildern Fingerabdrücke des Expressionisten finden. Doch in seinen Werken lässt sich noch mehr entdecken. Die neue Ausstellung im Franz Marc Museum.

Das sind willkommene Überraschungen: Als man im Franz Marc Museum damit beschäftigt war, den eigenen Bestand von Ernst Heckel zu durchforsten, machte man eine erstaunliche Entdeckung: Das Aquarell „Zwei liegende Akte“, das eigentlich Max Pechstein zugeschrieben war, entpuppte sich beim Ausrahmen als Arbeit Heckels. Wann und durch wen auf der Rückseite des Papiers im Hinweis auf beide Maler der Name Heckel durchgestrichen wurde, ist allerdings nicht bekannt. Da das Aquarell im Gegensatz zu den meisten, eher düster gehaltenen Werken von Ernst Heckel durch große Farbigkeit besticht, dachte einer wohl, dass es sich um einen Pechstein handeln müsse. So aber ist es einer der Höhepunkte der aktuellen Ausstellung „Erich Heckel, der poetische Expressionist“. 

Das Kocheler Museum besitzt über 80 Werke Erich Heckels, darunter auch dessen wichtiges Gemälde „Parksee“ von 1914, seltene Farb­holzschnitte wie „Fränzi liegend“, mehr als 60 weitere Holzschnitte, acht bemalte Postkarten an seinen Freund Franz Marc sowie zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle. Die meisten dieser Arbeiten sind in Dresden oder in Berlin vor dem Ersten Weltkrieg entstanden, eine weitere Werkgruppe stammt aus dem Krieg oder den Jahren danach, nur wenige Blätter sind in die späteren Zwanzigerjahre zu datieren. 

Zusammen mit Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl hatte Erich Heckel die „Brücke“ gegründet, in den Jahren 1912/13 stand er auch mit dem „Blauen Reiter“ in regem schriftlichen Austausch. Bereits 1911 war Heckel nach Berlin gezogen. Dort lernte Franz Marc ihn im Januar 1912 kennen, worüber er in einem Brief an Wassily Kandinsky berichtete: „Die Kunst Heckels ist sehr versteckt, mit einem sehr frommen, tiefen Sinn, der mehr das feine Echo oder besser gesagt der Gegenklang dessen ist, was man ganz zuerst vor der Leinwand spürt; er schreckt ab, um einen nachher besser zu fassen.“ Die sich an diese erste Begegnung von Marc und Heckel anschließende Korrespondenz handelte nur zwischen den Zeilen von ihrer Kunst oder ihren Ansichten zur Kunst. Im Zentrum standen vielmehr Fragen der Ausstellungsorganisation oder Verkaufsmöglichkeiten. 

Die beiden schrieben sich aber nicht nur Briefe, sondern, wie damals im Kreis der Expressionisten üblich, auch illustrierte Postkarten, die mit Zeichnungen, Aquarellen oder Holzschnitten versehen waren. Acht dieser Karten, die Heckel an Marc sandte, werden nun in der Ausstellung gezeigt. Ein weiterer Schwerpunkt sind die vielen Bildnisse, die Heckel von Sidi Riha, die er später heiratete, schuf. In der Sammlung des Kocheler Museums finden sich zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle und Druckgraphiken, die Sidi Riha zeigen. Sie wirkt dabei, meist mit großen Augen und sehr dünn, fast krank oder betrübt. Wahrscheinlich spiegelt das die große Armut des Paares in dieser Zeit wider. 

Erich Heckel scheint immer in Eile gewesen zu sein. Er malte einfach darauf los, auch auf Papier von teilweiser fragwürdiger Qualität mit fehlenden Ecken und ungeraden Kanten. Auf seinen Drucken sind farbige Fingerabdrücke und verschmierte Linien häufig zu sehen. Auch auf den seltenen Farbholzschnitten wie „Fränzi liegend“ oder „Liegende auf schwarzem Tuch“. Heckels Stil ist auf Ausdruck gerichtet, Augen und Münder sind oft nur Striche. Die Motive dagegen sind vielfältig: Landschaften, Café-Szenen, Akte. Wie allen Expressionisten ist das Streben nach Ausdruck und eine Überwindung der rein bildlichen Darstellung auch Heckel gemein. Im Unterschied zu Marc, der Tiere zu den Trägern des Ausdrucks machte, oder Kandinsky, der sich der Abstraktion widmete, ging Erich Heckel mit Formen und Farben von Gesichtern und Körpern ans Äußerste des Darstellbaren. fw 

Die Ausstellung „Erich Heckel, der poetische Expressionist“ ist bis 16. Mai zu sehen. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen geöffnet, bis Ende März von 10 bis 17 Uhr, ab April von 10 bis 18 Uhr.

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