Die Nase voll vom Parteienstreit

FLP nominiert erwartungsgemäß Michael Kühberger als Bürgermeisterkandidat

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Wollen für die FLP in den Stadtrat: Peter Disl, Alexander Lachmuth, Stefan Fuchs, Jack Eberl, Janina Kuen, Stefan Schmid, Michael Kühberger, Norbert Erdinger, André Anderl, Ferdinand Disl, Stefan Zanker, Evelin Bernhard, Sebastian Huber, Katharina Panholzer, Dominik Hammer, Michael Faht und Christa Ghdira (von links).

Penzberg – Michael Kühberger geht für die Wählergemeinschaft „Freie Lokalpolitik Penzberg“ (FLP) als Kandidat ins Rennen ums Bürgermeisteramt. Die Mitglieder wählten ihn am jüngst zu ihrem Spitzenkandidaten. Zudem stellten sie die Liste für die Stadtratswahl auf, mit 24 Kandidaten für die 24 Plätze.

Geht es nach Helmut Tengg, den Wahlleiter der Aufstellungsversammlung, dann könnten „auf jeden Fall“ drei bis vier Sitze für die FLP herausschauen, „vielleicht sogar fünf bis sechs“. Denn die Liste sei sehr ausgewogen: Männer und Frauen jeden Alters, Angestellte, Unternehmer, Neulinge und die Erfahrenen wechselten sich in der Reihenfolge der Platzierung ab. „Das hat Vorteile nach dem neuen Berechnungsverfahren“, so Tengg mit Verweis auf das Divisorverfahren mit Stand­ardrundung nach Sainte-Laguë/Schepers. 

Zweierlei Maß im Rathaus

Stadtrat Jack Eberl betonte eingangs, weshalb die FLP den Zeitgeist treffe: „Wir haben alle die Nase voll von Fraktionszwang und Parteienstreit, wir wollen alle keine machtpolitischen Spielchen.“ Aus Angst vor Machtverlust würden derzeit solche Spielchen wichtige Entscheidungen nur blockieren. Harte Kritik äußerte Eberl an der Rathausführung. Dort werde mit zweierlei Maß gemessen und penibel darauf geschaut, wer auf welcher Liste kandidiere. Ohne Namen zu nennen, sagte Eberl: „Und wenn jemand auf einer anderen Liste steht, kriegt er statt einer Baugenehmigung eine Veränderungssperre hingeklatscht.“ Damit meinte er wohl Dominik Hammer (Mitinhaber von Immo Plus), dem jüngst im Bauausschuss ebendies widerfahren ist. 

Ein großes Herz, ein soziales Herz

„Wenn eine kleine Stadt wie Penzberg nur noch vom Machterhalt der SPD geprägt wird und die CSU das vorbehaltlos mitträgt, dann ist es Zeit, eine neue Lokalpolitik anzustreben“, rief Eberl aus. Und diese neue Politik müsse völlig frei sein von Parteieninteressen. Die FLP praktiziere genau dies, denn keiner der Bewerber verbinde persönliche oder geschäftliche Interessen mit seinem Engagement in der Kommunalpolitik. „Unter uns befindet sich kein einziger, der auf Aufträge aus dem Rathaus angewiesen ist“, betonte Eberl. In diesem Zusammenhang lobte er die Bereitschaft von Michael Kühberger für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. „Er ist ein Penzber­ger durch und durch, er ist geerdet und ein erfolgreicher Unternehmer.“ Kühberger sei wertkonservativ und mit einem großen auch sozialen Herzen für Penzberg ausgestattet. Er spreche die Sprache der Penzberger, sei „geradeaus und beinahe abgrundtief ehrlich“. Durch seine Stadtratstätigkeit verfüge er zudem über die nötige Erfahrung für das Amt. „Kurzum: Er vereint Herz und Verstand.“ 

„Nach über 40 Jahren muss die SPD- und CSU-Mehrheit gebrochen werden“

Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit für einen Bürgermeister sein, „Penzberg muss darauf aber schon seit fast sechs Jahren verzichten“, so Eberl. Man könne eine Stadt nicht erfolgreich führen, wenn man die Vereine dauernd vor den Kopf stoße. Als Beispiel nannte Eberl: „Aufgrund selbst auferlegten Sparzwangs gestrichene Gratis-Hendl für Ehrenamtler beim Volksfest.“ Das führe dazu, dass bald keiner mehr Lust habe, sich zu engagieren. Beinahe skurril erscheint es Eberl, wenn dann jemand betone „Ich kann Verwaltung“ (damit meinte er Bürgermeisterin Elke Zehetner, d.Red.), gleichzeitig aber eine ganze Flut von Bewerbungen von Rathausmitarbeitern bei Behörden in Nachbargemeinden eingingen. Das Penzberger Rathaus habe jedenfalls einen Neuanfang verdient. Auch für Bürgermeisterkandidat Kühberger steht fest: „Nach über 40 Jahren muss die SPD- und CSU-Mehrheit gebrochen werden.“ Er monierte ferner, dass FLP-Anträge immer zuerst abgelehnt würden, nach einigen Wochen dann aber Zustimmung erhielten. So etwa beim Antrag zur Gratisbeförderung für Schüler mit dem Stadtbus oder beim Kauf des HAP-Areals. Für Kühberger der Beweis, dass es den anderen Parteien nur um Wahlkampf gehe. Apropos HAP-Areal: Kühberger monierte, dass in den vergangenen Jahren hiesige Gewerbetreibende vernachlässigt worden seien, wenn es darum ging, ihnen Flächen für die Betriebsvergrößerung anzubieten. Mit dem HAP-Areal habe man nun „eine einzigartige Chance“, diesen Unternehmen eine Heimat zu bieten. „Die dürfen wir uns nicht verbauen“, forderte Kühberger. Dort einen Arbeitgeber anzusiedeln, der – wie HAP – mehreren hundert Menschen eine Arbeitsstelle biete, werde nicht funktionieren. Wenn man auch mit Roche einen Betrieb habe, der den Standort Penzberg sichere, „darf man aber nicht unterschätzen, was unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen alles schaffen“. Da sei man bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer „nicht weit hinter Roche her“. Diese Wirtschaftskraft gehöre deshalb ausgebaut. 

Mehr Freizeitangebote für Familien

Vergessen worden seien zuletzt aber auch die Senioren und die Jugend: „Wir haben seit über fünf Jahren einen Leerstand in der alten Bücherei, da könnte ein Zentrum für Senioren und Jugendliche entstehen“, so Kühberger. Doch es passiere nichts außer des Vorschlags, daraus einen Lagerraum für Vereine zu machen. Auch den Familien will Kühberger mehr Freizeitqualität bieten: Tennisplätze auf der Berghalde, Boccia-Bahn oder Minigolfbahn, „damit unsere Penzberger dafür nicht immer unterwegs sein müssen“. Außerdem sprach er sich für die Schaffung von günstigem Wohnraum aus: „Es passiert zwar was, aber viel zu wenig.“ 

„Ohne Druck von oben arbeiten können“

Der FLP-Spitzenkandidat kündigte an, dass er als Bürgermeister dafür sorge werde, „dass die Abteilungsleiter im Rathaus ohne Druck von oben arbeiten können“. Weitere Schwerpunkte des FLP-Wahlprogramms wurden noch an diesem Nachmittag nach der Nominierung erarbeitet, sie sollen in wenigen Wochen präsentiert werden. dd 


Einstimmig votierte die Versammlung für Kühberger als Bürgermeisterkandidat, ebenso einstimmig votierte sie für die Liste, die sich wie folgt darstellt: 1. Michael Kühberger, 2. Jack Eberl, 3. Stefan Fuchs, 4. Ferdinand Disl, 5. Christa Ghdira, 6. Alexander Lachmuth, 7. André Anderl, 8. Sebastian Huber, 9. Katharina Panholzer, 10. Peter Disl, 11. Evelin Bernhard, 12. Michael Faht, 13. Dominik Hammer, 14. Stefan Schmid, 15. Norbert Erdinger, 16. Janina Kuen, 17. Christina Schäfer, 18. Tobias Kaunicnik, 19. Christina Dankesreiter, 20. Stefan Zanker, 21. Gabriele Fesl, 22. Dr. Rainer Korkisch, 23. Carmen Lugmeier, 24. Thomas Gundhardt.

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