Gelichtetes Chaos

Wie der Familienalltag Homeschooling und Homeoffice überlebte / Von Franca Winkler

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Es verlangte einige Kreativität und auch Durchhaltevermögen ab, doch Franca Winkler gelang es letztlich, das heimische Chaos zu besiegen, oder zumindest einzudämmen, und ihre beiden Kinder mit allerlei Beschäftigungen bei Laune zu halten. Im Haus, vor dem Haus und in der Natur genossen die 7-jährige Nele und ihr 2-jähriger Bruder Luca Zeit mit der Mama und miteinander. Und selbst profanste Dinge wie die Müll­entsorgung konnten da zum Tageshighlight werden.
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Es verlangte einige Kreativität und auch Durchhaltevermögen ab, doch Franca Winkler gelang es letztlich, das heimische Chaos zu besiegen, oder zumindest einzudämmen, und ihre beiden Kinder mit allerlei Beschäftigungen bei Laune zu halten. Im Haus, vor dem Haus und in der Natur genossen die 7-jährige Nele und ihr 2-jähriger Bruder Luca Zeit mit der Mama und miteinander. Und selbst profanste Dinge wie die Müll­entsorgung konnten da zum Tageshighlight werden.
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Es verlangte einige Kreativität und auch Durchhaltevermögen ab, doch Franca Winkler gelang es letztlich, das heimische Chaos zu besiegen, oder zumindest einzudämmen, und ihre beiden Kinder mit allerlei Beschäftigungen bei Laune zu halten. Im Haus, vor dem Haus und in der Natur genossen die 7-jährige Nele und ihr 2-jähriger Bruder Luca Zeit mit der Mama und miteinander. Und selbst profanste Dinge wie die Müll­entsorgung konnten da zum Tageshighlight werden.
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Es verlangte einige Kreativität und auch Durchhaltevermögen ab, doch Franca Winkler gelang es letztlich, das heimische Chaos zu besiegen, oder zumindest einzudämmen, und ihre beiden Kinder mit allerlei Beschäftigungen bei Laune zu halten. Im Haus, vor dem Haus und in der Natur genossen die 7-jährige Nele und ihr 2-jähriger Bruder Luca Zeit mit der Mama und miteinander. Und selbst profanste Dinge wie die Müll­entsorgung konnten da zum Tageshighlight werden.
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Es verlangte einige Kreativität und auch Durchhaltevermögen ab, doch Franca Winkler gelang es letztlich, das heimische Chaos zu besiegen, oder zumindest einzudämmen, und ihre beiden Kinder mit allerlei Beschäftigungen bei Laune zu halten. Im Haus, vor dem Haus und in der Natur genossen die 7-jährige Nele und ihr 2-jähriger Bruder Luca Zeit mit der Mama und miteinander. Und selbst profanste Dinge wie die Müll­entsorgung konnten da zum Tageshighlight werden.

Penzberg – Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. In der wievielten Woche der Corona-Krise befinden wir uns eigentlich – oder genauer: vor wie viel Wochen wurde die Kinderbetreuung zurück in die Hände der Eltern gegeben? Ich habe wirklich den Überblick verloren. Wochen zählen mochte ich sowieso noch nie. Wenn ich auf meine gestellte Frage „Wie alt ist denn deine Kleine?“ die Antwort „46 Wochen“ bekommen habe, habe ich immer nur vielsagend mit „Ah“ geantwortet und das Gesagte in Monate umgerechnet. In solchen und ähnlich gelagerten Fällen finde ich die nächstgrößere Einheit einfach verständlicher. 46 Wochen entsprechen über 10 Monaten. Ab Woche 16 folgt bei mir die Monatsangabe. Demzufolge befinden wir uns in Monat vier dieser Kinder-Supervision-Situation.

Wer sich an den letzten Bericht aus dem Chaos erinnert, weiß, dass der Start eher etwas uneben war. Eine 7-Jährige, einen 2-jährigen und einen voll berufstätigen Mann zu Hause zu haben und selbst noch versuchen, zu arbeiten, bedurften einiger Anpassungen. Letzteres hat die Corona-Krise für mich erledigt, ohne dass ich mich zwischen meinen Kindern oder meiner Arbeit entscheiden musste: zwei von meinen drei Kunden waren weg und der dritte Auftraggeber hat mich auf Snooze gestellt. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich neben der Kinderbetreuung und Haushaltversorgung keine wirkliche Chance gehabt hätte, Zeit zum Arbeiten zu finden. Mein persönliches Zeitfenster für Erledigungen lag ungefähr zwischen 22 und 1 Uhr nachts. Dann war Luca zum ersten Mal wieder wach. Die unruhigen Nächte hat er während der Covid-19-Zeit durchgehalten, bis auf insgesamt knapp zwei Wochen, die ich in meinem eigenen Bett nächtigen durfte. Erst war es sicherlich der Situation geschuldet, dass er auf meine Unruhe reagiert hat und anhänglich war, dann ließen mich seine einschießenden Backenzähne weiter als Briefmarke hochkant in seinem Zimmer schlafen. Damit es sich auch rentiert, schoben sich natürlich gleich acht der weißen Blöcke durch das schmale Zahnfleisch und als sich die Umstellungen im Mund beruhigt hatten, folgten Wachstumsschmerzen in den Beinen. Zu dem Zeitpunkt durfte ich zwar mal wieder mit etwas mehr Platz schlafen, weil Luca im eigenen Bett lag, aber dafür wehte mir relativ pünktlich gegen 23 Uhr und 2 Uhr nachts der Duft von Arnika um die Nase, wenn ich die Beine des Kleinen einrieb, um ihm von dem schmerzenden Ziehen in den Beinen zu befreien. Meine Zweitklässlerin Nele war da schon pflegeleichter – nachts zumindest. Sie ist gewissenhaft im Erledigen ihrer Schularbeiten, aber natürlich lief die Schule zu Hause nicht ohne Erklärungen oder Korrekturen ab. Wichtig war dabei immer, trotz Multiplikationsrechnungen den kleinsten Bewohner des Hauses nicht außer Acht zu lassen. Noch nicht mal für fünf Minuten. Denn das war exakt die Zeitspanne die er gebraucht hatte, alle Spiele, und ich meine wirklich alle, aus seinem Schrank zu holen und auf dem Fußboden auszukippen. 

Sobald die Schulsitzung beendet war, gehörte ich Nele für eine ganze Stunde, in der wir Sachen für „Große“ machten:  filigrane Zeichnungen, bei dem nicht plötzlich ein laufender knapper Meter von der Seite ein paar Kringel alias Dinosaurier ergänzte, oder herausfordernde Bügelperlenbilder, ohne dass klebrige Kleinkindfinger beim Berühren die Hälfte der Perlen wieder abhob. Ein weiteres Highlight für die Grundschülerin war der späte Samstagvormittag. Dann nämlich kam ihre Lehrerin für fünf Minuten zur Haustür und erkundigte sich – neben der Übermittlung der Aufgaben für die kommenden Woche – nach ihrem Befinden. Der Abstand wurde immer eingehalten, bis auf einen Tag. Da machte die Lehrerin plötzlich einen Satz nach hinten. Das war der Moment, als der aufmerksamkeitssuchende Bruder in alberner Laune durch die Tür geschossen kam und der erschrockenen Lehrerin mit einem leidenschaftlichen Prusten die Zunge rausstreckte. Von allen möglichen Momenten in seinem 2,5-jährigen Leben musste er sich genau die Corona Zeit aussuchen, und sich diese etwas feuchte Ausdrucksweise aneignen. In der Folge gab es noch so einige überraschende Momente, in denen ich mir die Maske am liebsten über die Augen gezogen hätte. 

Mein Mann arbeitete bis auf die letzten drei Wochen intensiv im Home­office. Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass das doch schön sei, denn so könnten die Kinder mit ihren Vätern mittags auch mal zusammen essen. Neles und Lucas Vater hatte einen Lieferdienst für 12.30 Uhr gebucht. Bis auf etwa einen Mittag alle zwei Wochen musste er dank internationaler Telefonkonferenzen immer in seinem Kämmerlein bleiben – von 8 bis 20 Uhr. Die erhoffte zeitliche Einsparung des Fahrtweges nach München wurde durch Termine ersetzt. Einen nicht zu unterschätzenden großen Vorteil bringt der Mann im Homeoffice allerdings mit sich: es gibt weniger Bügelwäsche. Ich bügle tatsächlich gerne, aber gegen einen zeitlichen Vorteil habe ich bei dem restlichen Pensum nichts einzuwenden. 

Irgendwann kamen dann die sehnsüchtig erwartenden Lockerungen, die wir allerdings auch mit etwas Argwohn betrachteten. Erst durfte man sich mit der direkten Familie treffen, dann mit einzelnen Freunden und plötzlich standen Schulbesuche mit der Hälfte der Kinder im Wochenwechsel an. Die Rückkehr einer Lightversion des Alltags war wohltuend, aber halten sich auch alle an die Regeln? Ist der Abstand überhaupt einhaltbar? Und werden Masken getragen? 

Anfänglich fühlte sich das Tragen des Nase-Mund-Schutzes etwas eigenartig an, aber das ist bei neuen Dingen ja meist so. Somit haben wir dieses neue Ritual in unser Leben integriert wie das Anziehen einer Hose: im öffentlichen Raum mehr als wünschenswert. Und da die Kinder zumeist ihre Eltern spiegeln, war es weder für Nele ein Problem eine Maske zu tragen, noch für Luca uns mit Schutz zu sehen. Die einzige bizarre Situation, in die ich durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes manövriert wurde, war der turnusmäßige Besuch bei meiner Gynäkologin. Jede Dame, die in den letzten Monaten einen ebensolchen Termin im Kalender stehen hatte, weiß sicherlich sofort wovon ich spreche. Oben mit und unten ohne ist wirklich eine Erfahrung, die ich nicht vergessen werde.  

Was Luca wohl an den Lockerungen am besten gefallen hat – mal abgesehen von der Öffnung der Spielplätze – war das Einkaufen. Auch wenn mein Mann zu meiner Entlastung nach wie vor den wöchentlichen Großeinkauf übernommen hat, erzeugte es glückseliges Juchzen bei meinem Windelpupser, als er einmal mitdurfte. Offensichtlich habe ich an dieser Stelle die Leidenschaft meines persönlichen Einkaufsassistenten unterschätzt. Auch wenn ich nicht vergessen habe, dass er tatsächlich oft ein Viertel unseres Einkaufsbedarfs auswendig aufsagen konnte. 

Eine völlig neue Erfahrung war auch der Kindergeburtstag. Seit Jahren fordert mich meine Tochter mit Motto-Partys heraus. In diesem Jahr lautete die Idee der phantasievollen noch 7-Jährigen: Weltraum. Nachdem sich durch unsere Familie eine gewisse Kreativität zieht, habe ich die Herausforderung angenommen und in meinen nächtlichen Zeitfenstern eine Online-Weltraumparty organisiert. Irgendwann nach der dritten Nacht Brainstorming und Planung muss ich infolge des Schlafentzugs nicht bei Sinnen gewesen sein, denn ich hatte Nele gestattet, so viele Kinder einzuladen wie sie möchte. Sie entschied sich für ihre engsten Freunde: 17 an der Zahl. Schlaftrunken habe ich abgewunken: Es ist ja nur online. Da hat man zu Hause kein Chaos. Bei den Detail-Vorbereitungen stand mir dann kurzzeitig ein schierer Schock im Gesicht. Alle Kinder benötigen Utensilien, die ihnen erlauben, an meinen lustig verrückten Spielen teilzunehmen; dazu kommen Kuchen und Getränke. Und so folgte eine weitere Nacht mit dem Packen von Party-Tüten inklusive Penzberg Rundfahrt beim Verteilen. Die Online-Party lief letztlich gut, alle Kinder waren happy und ich freute mich auf eine etwas längere Schlafeinheit in der folgenden Nacht. 

Was definitiv auch einen Platz auf der positiven Seite der Corona-Zeit bekommen hat, ist die Größe der Klassen nach der Wiedereröffnung der Schulen. Nele war schon immer etwas empfindlich was die Lautstärke betraf. Die Halbierung der Klasse war da ein echter Vorteil für sie. Noch dazu hat die Lehrerin sich verstärkt mit allen Kindern auseinandersetzen können. Und: endlich war die Brotzeitdose wirklich leer gegessen. Denn die Kinder haben ihre Essenspause im Unterrichtszimmer bewusster und unter wesentlich hygienischeren Bedingungen als am Pausenhof abgehalten.

Mir persönlich hat die Corona-Zeit eine größere Disziplin gebracht. Durch den wöchentlichen Einkauf habe ich im Vorfeld bereits eine Art Essensplan erschaffen, der zum einen die Ausgaben reduziert und zum anderen zu einem noch bewussteren Umgang mit den Lebensmitteln geführt hat: alles wird aufgebraucht, da der Einkauf entsprechend der Kochliste erfolgte. Und auch wenn es manchmal anstrengend ist, die Kinder nonstop um sich zu haben, konnte ich doch viele Erinnerungen schaffen: zum Beispiel wurde das fehlende Sportprogramm durch kreative Ideen in der Natur ersetzt und alle Entwicklungen der Kinder durch das Wegfallen der Fremdbetreuung hautnah miterlebt. So konnte ich zum Beispiel miterleben, wie der kleine Luca neben seiner Liebe zu Baustellenfahrzeugen eine Zuneigung zum Müll entwickelte. Eines schönen Tages habe ich mir erlaubt, ganz allein den Müll rauszutragen, als mich ein gellender Schrei mit abstehenden Nackenhaaren zurückhasten ließ. Luca stand brüllend am Gartentor und war aufgelöst: ich hatte ohne ihn den Müll weggebracht. Ab diesem Tag sorgte ich dafür, dass er regelmäßig seinen neuen Helden glücklich und frenetisch zuwinken konnte. Es sind eben doch die kleinen Dinge, auf die es ankommt. Die große Schwester hat in der Pandemie-Zeit neben schulischen Themen auch einiges anderes gelernt: Dankbarkeit ist eins davon. Dankbar dafür zu sein, dass es uns gut geht und wir zusammenhalten. Als sie letzte Woche ihr sehr gutes Zeugnis in der Hand hielt, sagte sie: „Mama, Danke! Ohne dich hätte ich nicht so eine gute Beurteilung bekommen.“ Das sind wärmende Worte nach nicht immer einfachen Zeiten, die mir zeigen: durchhalten ist gut. 

Mir fällt tatsächlich nur ein negativer Punkt ein: das Gewicht, mein Gewicht. Um den stattlichen Mann in seiner Home­office Zelle tagsüber belohnen zu können, blieb nur das Essen. Männer essen reichlich. Zumindest im Verhältnis zu Frauen. Und so ist aus Versehen auch meine Portion etwas größer und reichhaltiger geworden und hat mir drei Extra-Kilo beschert. Ausgerechnet vor der Bikini-Saison. Gott sei Dank darf mein Mann seit Neuestem wieder ins Büro, dann darf es mittags gern auch mal ein Gurkensalat mit Butterbrot sein. 

Meine Glückshormone würden springen, wenn wir den aktuellen Status der Covid-19-Zeit beibehalten, wenn nicht sogar weiter lockern könnten. Sich daran halten, ein wenig auf Distanz zu anderen zu gehen, das ist nicht schwer. Auch schon vor der Pandemie mochte ich es nicht, wenn mir jemand zu sehr auf die Pelle rückte. Ob an der Supermarktkasse oder an der Ampel. Freiwillig einen Mund-Nase-Schutz aufsetzen und Benimm-Regeln bei Husten und Niesen beachten, um die Ansteckungsgefahr für andere zu minimieren, ist da doch nun wirklich ein Klacks. fra

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