Bill Gates und das Bleichmittel

Bei der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen dürfen Verschwörungstheorien nicht fehlen

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„Ich traue mir zu, Corona zu therapieren“: Antonius Schmid auf dem Stadtplatz.

Penzberg – Das schaffte in Wahlkampfzeiten keine politische Gruppierung in Penzberg: dass sich rund 200 Menschen am Stadtplatz einfinden, ohne dass dafür groß geworben wurde. Aber kaum geht es um Corona und Bill Gates, strömen die Menschen herbei, um, wie am Samstagvormittag, für ihre Freiheit, Grundrechte und Selbstbestimmung zu demonstrieren.

Ein Flatterband grenzte ein Quadrat auf dem Stadtplatz ab. Darin sollten rund 100 Menschen Platz finden, mit dem gebotenen Covid19-Mindestabstand. Das aber reichte nicht aus, so dass sich viele noch als Zaungäste einfanden. Einige trugen Plakate, manche markige Sprüche auf T-Shirts wie „Raus aus dem Corona-Wahnsinn“, „Maskenpflicht, Gesichtsverlust“ oder „Gib Gates keine Chance“. Damit reihten sie sich ein in den Reigen der immer lauter werdenden Kritiker der Corona-Beschränkungen, von denen manche auch kruden Verschwörungstheorien anhängen. In Penzberg, so versicherte Organisatorin Susanne Herbeck, gehe es um eine „friedliche Aufklärung“ mit Mindestabstand und Masken, aber auch mit einer deutlichen Warnung an die Vertreter der Medien. Wenn die nicht die Wahrheit berichteten, drohten ihnen rechtliche Schritte, so Herbeck. Die Frage ist nur, welche Wahrheit sie meinte. Ein bisschen Angst einjagen, so hatte man den Eindruck, kann nie schaden. 

Die Angst, aber eine andere, stand im Mittelpunkt dessen, mit dem sich Antonius Schmid, Allgemeinmediziner und Naturheilkundler aus Ohlstadt, an diesem Tag als Hauptredner beschäftigte. Mit dem Lockdown würden nämlich Urängste geschürt, monierte Schmid. Und als Mediziner wisse er, was Ängste bewirkten: „Angst fährt unser Immunsystem fast runter auf Null.“ Dabei sei das Coronavirus nicht gefährlicher als andere Viren. „Die gibt es schon seit Jahrzehnten, die waren bei jeder Grippe-Epidmie dabei“, so Schmid. Dabei sei das Virus durchaus therapierbar, allerdings nicht mit Chemie oder Antibiotika, sondern über eine „menschenadäquate“ Therapie. „So traue ich mir durchaus zu, einen Corona-Patienten zu therapieren“, sagte Schmid. „Wenn man ihm entsprechend Sauerstoff, also eine Hochdosis Ozon-Therapie, gibt, oder ihn auch mit dem verpönten Chlordioxid behandelt, so hat man den Menschen ganz schnell wieder in der Gesundheit.“ Chlordioxid ist übrigens jenes Bleichmittel, dessen Gebrauch auch schon US-Präsident Trump empfohlen hatte. 

Schmid hält bei Corona einen „perfiden Angriff auf die Menschheit“ für möglich: Denn der HIV-Entdecker Luc Montagnier habe analysiert, dass im Coronavirus Bestandteile des AIDS-Virus eingefügt worden seien. „Das macht die Natur nicht“, so Schmid. Und er kam natürlich auch zu Bill Gates, der sich zwar als Philanthrop gebe, andererseits aber die Meinung vertrete, es gebe zu viele Menschen, weshalb die Menschheit dezimiert gehöre. Gates spende zudem an die Berliner Charité um den mittlerweile zu nationaler Berühmtheit gelangten Virologen Christian Drosten. Angesichts dessen hinterfragte Schmid: „Was läuft denn da im Hintergrund?“ Für Schmid ist das klar: eine seit Jahren schleichende Entmündigung und ein Abbau der Grundrechte und der Freiheiten. Doch da sollten die Menschen nicht mitspielen und Mauern niederreißen, ähnlich wie 1989. 

Auf dem Stadtplatz sang die Menge abschließend „Die Gedanken sind frei“ und die Nationalhymne. Womöglich will man sich kommenden Samstag dann wieder dort treffen. Susanne Herbeck will diese Demo dann aber nicht mehr organisieren, auch wenn sie sich mit dem Verlauf der Kundgebung „sehr zufrieden“ zeigte. dd/la

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