Antrag der Arche Noah

Frust im Familienzentrum: Penzberg Stadtrat lehnt Waldgruppe ab

Familienzentrum Arche Noah Penzberg Waldgruppe
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Das Penzberger Familienzentrum Arche Noah wollte auf Elternwunsch eine „Außenstelle“ im Wald einrichten.
  • Andreas Baar
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Penzberg – Der Stadtrat hat der Waldkindergarten-Gruppe der Arche Noah eine Absage erteilt. Die Entscheidung fiel hinter verschlossener Tür und mehrheitlich.

Die Enttäuschung bei den Verantwortlichen des Penzberger Familienzentrums Arche Noah und den interessierten Eltern ist ob der Abfuhr durch die Mehrzahl der Penzberger Lokalpolitiker groß. „Es hätte alles gepasst“, sagt Annelies Plep, Arche Noah-Gründerin und Geschäftsführerin der seit Januar eigenständigen und gemeinnützigen GmbH.

Im September hätte der Betrieb mit einem Bauwagen auf einer Fläche am Waldrand in der Kleingartenanlage Stegfilz starten sollen. Das Interesse an dem Angebot sei groß gewesen, ist von Plep zu hören. 20 Plätze inklusive welcher für einen erhöhten Förderbedarf waren in der integrativen Gruppe vorgesehen – macht letztendlich Platz für 16 Kinder. 15 feste Anmeldungen lagen laut Plep bereits vor, man habe noch „mehrere Anfragen“ gehabt. Auch für die notwendige Betreuung habe es Interessenten gegeben.

Annelies Plep, Leiterin der Arche Noah, unterstützt die Waldgruppen-Initiative.

„Waren sicher, dass es klappt“

Die Idee zu der speziellen Waldgruppe war im Sommer vergangene Jahres von Eltern an das Familienzentrums herangetragen worden. Die neue gegründete GmbH wollte als Träger auftreten. Es wäre eine dritte Kindergarten-Gruppe neben den bestehenden beiden Angeboten gewesen. Geschäftsführerin Plep verweist auf stets positive Signale von Behörden und Verwaltung: „Wir waren sicher, dass es klappt. Sonst hätten wir damit gar nicht angefangen.“

Die Eltern hätten sich stark für das Projekt engagiert, sagt Plep. Bei diesen herrsche jetzt „größte Enttäuschung und Ärger“. Was Larissa Nowina von Axt gegenüber der Rundschau bestätigt: „Wir haben uns acht Monate reingehängt“, erklärt die Penzberger Mutter mit Blick auf die vielen Präsentationen, die die Initiatoren ausgearbeitet hatten. Doch das Vorhaben scheiterte am Mehrheitswillen des Lokalparlaments. Einigkeit herrschte nicht: Nach Rundschau-Informationen waren nicht alle Abgeordneten gegen die Projekt.

Drei Alternativen angeboten

Die Verwaltung hatte dem Stadtrat „infolge der Komplexität“ alle Alternativen aufgezeigt, teilt Rathausgeschäftsleiter Roman Reis auf Rundschau-Nachfrage mit – das heißt, den Erwerb eines Bauwagens, einen Mietzuschuss oder eine Aufstockung des Betreuungsangebots im Familienzentrum auf 60 Kinder in der bestehenden Einrichtung, letzteres hätten die Beteiligten aber nicht gewollt. Laut Reis gibt es organisatorische Probleme mit der anvisierten Fläche in der Stegfilz-Anlage.

Roman Reis, Rathaus-Geschäftsleiter, verweist auf die Lösung an der Birkenstraße.

Für die 15 Kinder gibt es ein alternative Lösung: Sie sollen laut Reis im September in eine neue Gruppe im Kinderhaus an der Birkenstraße untergebracht werden.

Unverständnis bei Eltern und Arche Noah

Die Stadtrats-Absage für die Waldkinder-Gruppe stößt beim Penzberger Familienzentrum Arche Noah und den betroffenen Eltern auf Unverständnis.

Das Familienzentrum Arche Noah hat eine lange Tradition in Penzberg. Im Jahr 2019 feierte das Team um Gründerin Annelies Plep das 30-Jährige der Einrichtung, die nach Jahren an der Philippstraße in der Straße Im Thal eine Heimat gefunden hat. Derzeit gibt es zwei integrative Kindergarten-Gruppen mit 50 Plätzen. 40 Kinder werden betreut, wegen des erhöhten Förderbedarfs ist man vollbelegt. Dazu 20 Buben und Mädchen in den Kindergruppen sowie Angebote bis zu Feriengruppen.

Naturpädagogik im Vordergrund

Als im Sommer 2020 Eltern bei Geschäftsführerin Annelies Plep mit ihrer Idee einer integrativen Waldkindergruppe vorsprachen, stießen sie bei der Arche Noah-Chefin auf offene Ohren. „Die Naturpädagogik ist uns ganz wichtig“, sagt sie im Rundschau-Gespräch. „Das hätte super gepasst.“ Die Eltern arbeiteten ein Konzept aus.

Von Montag bis Freitag sollte es jeweils von 7.30 bis 14.30 Uhr einen Betrieb geben. Mindestens drei Betreuer waren vorgesehen, dazu ein Bufti sowie studentische Praktikanten. Neben 15 Anmeldungen für 16 Plätze gibt es Plep zufolge Interessenten für die Betreuerjobs, Verträge waren allerdings noch nicht unterzeichnet.

Bauwagen am Stegfilz

Auch ein Standort war gefunden: Ein Bauwagen sollte in der Kleingartenanlage Am Stegfilz abgestellt werden. Dort war bereits in der Vergangenheit ein Waldkindergarten untergekommen, wie Plep erläutert. „Da wäre alles schon vorbereitet gewesen“, sagt sie und führt die damalige Betriebserlaubnis an. „Das hätte alles gepasst.“

Was auch Larissa Nowina von Axt so sieht. Die Penzbergerin und Mutter hatte sich für die Waldkindergruppe eingesetzt. Der Standort im Stegfilz „wäre zentrumsnah gewesen“, sagt sie. Im Gespräch war auch die Berghalde gewesen, die aber von der Fachaufsicht kritisch gesehen wurde, heißt es von Rathaus-Geschäftsleiter Roman Reis.

Antrag im Herbst gestellt

Arche Noah-Chefin Plep macht eines klar: Ohne das Interesse und Engagement der Eltern wäre das Familienzentrum nicht aktiv geworden. Mit der Gruppe hätte man zwar das eigene Angebot erweitert, aber „von uns aus hätten wir das gar nicht gemacht.“ Schließlich hatte man mit der GmbH-Gründung genug zu tun. Im Herbst wurde bei der Stadt der Antrag gestellt.

Die Stadt hätte den Bauwagen finanzieren sollen. Laut Plep waren 60.000 Euro an Kosten kalkuliert. „Es braucht eine Infrastruktur“, verweist die Leiterin auf den täglich siebenstündigen Aufenthalt in der Naturgruppe. Ebenfalls angedacht war eine Probe-Miete des Wagens für ein Jahr. Außerdem hätte man das Gefährt wieder verkaufen können, rechnet Plep vor. „Die Stadt hätte keinen Verlust gehabt.“

Fläche ist verpachtet

Alles Argumente, die im Stadtrat nicht verfingen. Für die Anschaffung eines Bauwagens plus Einrichtung einer Gruppe gab es ebenso keine Mehrheit wie für einen Probebetrieb (siehe Kasten). Rathaus-Mann Reis verweist auf logistische Probleme mit dem Stegfilz-Standort. „Die Fläche ist aktuell verpachtet und wäre allenfalls ein Jahr zur Verfügung gestellt worden“, so Reis.

„Man hätte einen Bauwagen mit gekauft und die notwendige Erschließung geschaffen, obwohl man nach einem Jahr womöglich nicht gewusst hätte, wohin damit.“ Unabhängig davon, habe sich ein Projekt der Grundschule an der Südstraße im Vorfeld angekündigt.

Tatsächlicher Bedarf vorhanden?

Zudem gehe es um die Frage, „ob es für Penzberg einen tatsächlichen Bedarf für zwei Waldkindergärten gibt“, so Reis. Das Albert-Schweitzer-Familienwerk Bayern betreibt auf Gut Hub einen Waldkindergarten. Die Gruppe zählt laut Familienwerk 22 Kinder, darunter ein bis zwei integrative Förderplätze. Den künftigen Bedarf an derartigen Einrichtungen in der Stadt gilt es bis August 2022 eruieren, so Reis.

Dann könnte auch das Arche Noah-Projekt wieder auf den Tisch kommen. „Sollte sich der Bedarf für zwei Einrichtungen bestätigen, ist man, vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats, wohl eher bereit, auch die Investition hierfür zu tätigen“, so der Geschäftsleiter. Erstmal gilt es aber, die 15 angemeldeten Kinder unterzubringen. Im Rathaus hat man eine Lösung: „Im Kinderhaus an der Birkenstraße wird wieder eine Kindergartengruppe eröffnet“, so Reis. Die Einrichtung habe früher als Kinderhaus Hort- und Kindergartenplätze angeboten, seit letztem Jahr gebe es dort schon eine Vorschulgruppe.

So wurde abgestimmt

Der Stadtrat befand in seiner nichtöffentlichen Sitzung am 27. April über gleich mehrere Beschlussvorlagen der Verwaltung zur Arche Noah.

Für den Erwerb eines Bauwagens, für den 100.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden, sowie die Einrichtung einer Waldgruppe stimmten lediglich acht Räte. 15 Räte waren dagegen (CSU, SPD, FLP sowie Teile der Grünen). Ebenfalls nur acht Ja-Stimmen erhielt der Vorschlag, dass die Stadt einen Zuschuss zu den Mietkosten für ein Jahr gibt. 15 Räte von CSU, SPD, FLP sowie Teile der Grünen stimmten dagegen.

Immerhin 17 Ja-Stimmen erhielt der Vorschlag, die Errichtung einer zweiten Waldkindergarten-Gruppe nicht zu unterstützen, aber dem Träger zu empfehlen, das Projekt vorübergehend selbst zu machen. Sechs Räte stimmten mit Nein (PM und Teile der Grünen).

Die Verwaltung hatte als Alternative, nach Verhandlungen mit der Fachaufsicht, eine Aufstockung der bestehenden Platzzahl im Familienzentrum auf 60 Kinder angeboten, wie Rathaus-Geschäftsleiter Roman Reis der Rundschau mitteilt. So hätte die Arche Noah eine Gruppe anbieten können, „die sich permanent im Wald aufhält“. Was aber für Leiterin Annelies Plep nicht in Frage kommt: Dafür fehle die Infrastruktur im Wald. „Wir können nicht professionell arbeiten.“

„Keine Notgruppe“

„Es handelt sich um keine Notgruppe“, macht Reis klar. „Es muss noch nicht einmal die Betriebserlaubnis angepasst werden.“ Wie lange die Gruppe dort bleibt, hänge davon ab, wie sich die Zahlen bei der Ganztagsbetreuung für Grundschüler entwickeln. Ein Umzug, der bei den betroffenen Eltern allerdings wohl kaum auf Begeisterung stößt. Sie hatten sich bewusst für die Arche Noah entschieden. Mutter Nowina von Axt spricht deshalb auch von „einer Belastung für die Kinder und Eltern“. Sie kritisiert die Abfuhr aus dem Stadtrat: „Es wird nicht über das Kindswohl nachgedacht.“

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