Gefährlicher Aushub

In Seeshaupt wird bei Baggerarbeiten im Uferbereich eine phosphorhaltige US-Blendgranate gezündet

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Die Zugänge zur Seepromenade wurden weiträumig abgesperrt.

Seeshaupt – Die alte Dame steht am Geländer und blickt nach unten auf den Starnberger See, der die kräftig strahlende Sonne reflektiert. Feuerwehrfahrzeuge parken an der Seepromenade, Einsatzkräfte wuseln umher. Eigentlich dürfte die Frau gar nicht dort, auf der Terrasse der Seeresidenz, stehen. Ein Schild weist darauf hin, dass die Fläche aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Daneben ist eine Bombe abgebildet. „Ist das eine Übung oder Ernst?“, fragt sie schließlich einen Feuerwehrmann, der wenige Meter von ihr entfernt steht. „Es ist Ernst“, sagt dieser. Bei Baggerarbeiten wurde etwa zwei Stunden zuvor eine Blendgranate entdeckt, die nun geborgen werden muss.

Am gestrigen Mittwoch gegen 9.15 Uhr hob ein 25-Jähriger, der an einer Baustelle im Uferbereich nahe des Dampferstegs für eine Tiefbaufirma arbeitet, eine US-Blendgranate aus dem Zweiten Weltkrieg aus. Dabei „kam es zu einer Zündung“, berichtet Katharina Werner von der Polizeiinspektion Penzberg. Die Polizistin beruft sich auf Augenzeugen, die geschildert haben sollen, dass die Granate, die im Wasser lag, geraucht habe und dann ausgebrannt sei. Die Seepromenade wurde rund um den Fundort sofort geräumt und großräumig abgesperrt. An den Zugängen zum betroffenen Uferbereich wurde ein Absperrband gezogen und Feuerwehrler postierten sich, um Passanten davon abzuhalten, an den See zu gehen. Polizisten und Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Seeshaupt sperrten außerdem die Hauptstraße und die St.-Heinricher-Straße und leiteten den Verkehr um. Viele fragende Gesichter saßen da hinterm Steuer. Fußgänger positionierten sich derweil rund um die Absperrungen, um dem Geschehen zu folgen. In den umliegenden Cafés, Eisdielen und Restaurants blieb man jedoch recht gelassen, dort genossen die Menschen die Sonne bei ein paar Kugeln Eis oder einem Cappuccino. 

Keine Zeit verlieren wollte dagegen die Feuerwehr, die „rund 30 Anwohner aus ihren Wohnungen im Gefahrenbereich von 150 Metern um den Fundort evakuierte“, so Werner. Rettungskräfte standen vor Ort bereit. Die Wasserschutzpolizei Starnberg und die Wasserwacht Seeshaupt errichteten eine Sperrung auf dem Wasser: Der Dampfersteg war für Boote der Seenschifffahrt nicht mehr zu erreichen. 

Neben Feuerwehr, THW, Wasserwacht und Polizei rückte das Kampfmittelentsorgungskommando an. Die Spezialisten identifizierten das Kampfmittel als phosphorhaltige Granate, die einen Wirkungskreis von 30 Metern hat. Weil sich diese jedoch unter Wasser befand, „konnte sich die Wirkung nicht entsprechend entfalten“, berichtet Werner. Über Wasser hätte das austretende Phosphor schwere Verbrennungen verursachen können. Vor Ort kam aber kein Bauarbeiter zu Schaden. Die Granate wurde geborgen und der professionellen Entsorgung zugeführt. 

In der Mittagszeit wurden die Sperren dann aufgehoben, die Anwohner konnten in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren und der Verkehr auf den Straßen und dem Wasser floss wie gewohnt. Nur der Badebereich bleibt noch gesperrt. Dieser muss durch eine Spezialfirma abgesucht werden, damit weitere Gefahren ausgeschlossen werden können. ra

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