Thema im Stadtrat

Fusionsenergie aus Penzberg: Nicht alle Fraktionen sind restlos begeistert

Ein Brachland zwischen Roche (links) und Druckzentrum (hintern) im Penzberger Gewerbe- und Industriepark „Nonnenwald“.
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Dieses unbebaute Grundstück im Gewerbe- und Industriepark „Nonnenwald“ will Marvel Fusion von der Stadt erwerben.

Penzberg - Der Penzberger Stadtrat kommt heute, Dienstag, 24. November, (18.15 Uhr in der Stadthalle) zur Sitzung zusammen. Im nichtöffentlichen Teil geht es um Marvel Fusion. Nicht alle Fraktionen sind begeistert von deren Fusionsplänen im Nonnenwald.

Das Unternehmen Marvel Fusion will im Penzberger Nonnenwald mit Trägheitsfusion energiepolitisches Neuland betreten. Der Tagesordnungspunkt verspricht Diskussionen im Stadtrat. Die Grünen sehen das Vorhaben kritisch. Penzberg Miteinander (PM) verlangt eine öffentliche Debatte. Marvel Fusion will von der Stadt eine etwa drei Hektar große Industriefläche im Nonnenwald, gegenüber dem Roche-Westtor, erwerben. Darauf soll laut Firma in einem ersten Schritt eine Demonstrationsanlage gebaut werden – versprochen werden 150 Stellen bis 2023 sowie 500 Jobs bis 2028. Man rechnet mit 200 bis 300 Millionen Euro an Investitionen.

Kontroverse Debatte

Hinter den politischen Kulissen wird kontrovers über das Vorhaben diskutiert. E-Mails mit Forschermeinungen kursieren, bei der CSU ging ein kritisches Positionspapier ein. Penzbergs Grüne melden sich nun offiziell zu Wort. Man sei ja grundsätzlich für neue Technologien offen, außerdem unterstütze man jeden Beitrag zur Eindämmung der Klimakrise, beteuert Stadträtin Kerstin Engel namens Ortsverband und Fraktion. Allerdings sehe man das Vorhaben nach derzeitigem Kenntnisstand kritisch. Engel führt an erster Stelle die städtischen Finanzen an. Da Marvel Fusion „in den nächsten zehn Jahren ein reines Forschungsprojekt ist“, würden keine Gewinne erzielt und somit keine Gewerbesteuer fällig. Auch, ob Zulieferer von Aufträgen profitieren, sei fraglich. „Hinzu kommt die schwierige Rechtslage im Falle einer Insolvenz“, ergänzt Engel. Sie mahnt zugleich vor einem verstärkten Zuzug an Beschäftigten. „Der Druck auf die Wohnungssituation würde sich weiter verschärfen.“ Auch fordern die Grünen vom Unternehmen, seine „oberflächliche“ Infopolitik nachzubessern. „Insbesondere wenn es um Radioaktivität geht, muss aktiv und überzeugend informiert werden“, heißt es vom Ortsverband.

Sorgen, wenn Projekt scheitert

Die Grünen sprechen von mäßigen Erfolgsaussichten und einer unsicheren Nachnutzung. Scheitere das Projekt, sei unklar, „was mit Grundstück und Gebäude passieren wird“. Engel malt gleich zwei Schreckenszenarien an die Wand: „Denkbar sind Nachnutzungen mit radioaktiven Produkten, da das Gebäude dafür ausgelegt sein wird. Ebenso wäre eine Nachnutzung im Bereich Lasertechnologie möglich, die unter Umständen im militärischen Bereich genutzt werden könnte.“ Die Grünen haben zudem das Areal im Blick: „Das Grundstück ist unsere letzte große unbebaute städtische Industriefläche und damit besonders wertvoll“, teilt Engel mit. Deshalb solle sich die Stadt „sehr sorgfältig überlegen“, welche Industrie man dort ansiedeln will.

„TÜV reicht uns nicht“

Man sei von einer Entscheidung noch weit entfernt, ist von PM-Stadtrat Markus Bocksberger zu hören. Die Fraktion von Penzberg Miteinander sieht ebenfalls noch Redebedarf. „Technologische Durchbrüche sind möglich“, meint Anette Völker-Rasor, „aber bei uns nur, wenn vorher Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit da sind.“ Neben der Frage der technischen Infrastruktur interessieren PM die Pläne der Firma für den Fall eines Misserfolgs – ob Rüstungsfirmen dann Nutznießer würden. PM verlangt eine öffentliche Debatte von Wissenschaft, Behörden und Bürgern: „Der TÜV Süd reicht uns nicht, wir wünschen Aufklärung statt Beruhigung.“

Andreas Baar

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