Etwas Einmaliges

Über 1.600 Gratulanten beim großen Festzug zum 100-Jährigen der Stadt Penzberg

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Der Bagger kommt nicht mit: In der Layritzhalle des Bauhofs lagert viel, derzeit brauchen aber die Wagen für den Festzug den meisten Platz, wie Helmut Waxenberger, Hardi Lenk, Elke Zehetner, Ludwig Schmuck, Thomas Sendl, Alois Waxenberger und Christian Eberl (von links) jüngst feststellen mussten.

Penzberg – Obwohl sie sich schon seit Monaten mit der Organisation des Festzuges auseinandersetzen und bereits seit einiger Zeit wissen, wer besagten Zug bildet, können es die Männer immer noch nicht fassen. Hunderte Menschen werden am kommenden Sonntag durch Penzbergs Straßen marschieren.

Ludwig Schmuck und Hardi Lenk vom Festausschuss „Penz­berg – 100 Jahre Stadt“, Alois Deisenberger und Helmut Waxenberger vom Gerogiverein d‘Rosserer, Bauhofleiter Christian Eberl und Jubiläumskoordinator Thomas Sendl sitzen vor der Liste, auf welcher die 68 Teilnehmer des Festzuges stehen, der sich am kommenden Sonntag, 8. September, anlässlich des 100-Jährigen der Stadt durch Penzberg bewegen wird. Das Sextett zieht die Mundwinkel nach oben und schaut zugleich ein wenig fassungslos. Doch als sie den Ablauf des Festzuges vorstellen, scheinen sie froh zu sein, die Fassung ein wenig verloren zu haben, ungekannte und ungeahnte Vorfreude bei den gestandenen Männern. Unzählige Sitzungen, Besprechungen und Telefonate hat Thomas Sendl seit Mitte vergangenen Jahres geführt. Nun hockt der Koordinator des Stadtjubiläums vor dem Ergebnis seiner Arbeit, und die vieler helfender Hände. „68 Gruppen mit über 1.600 Teilnehmern“ sind beim großen Festzug zum 100-Jährigen der Stadt dabei, sagt Sendl, und scheint noch immer nicht so recht glauben zu können, wie groß der Zuspruch aus den umliegenden Gemeinden ist. „Das ist für uns sehr überraschend“, meint Sendl, der mit höchstens 1.000 Teilnehmern gerechnet hat. Über 1.600 Menschen von A nach B oder besser gesagt von der Berghalde über die Henlestraße, Grube, die Bahnhofstraße, Karlstraße, Zweigstraße und über den Zibetholzweg wieder zurück beziehungsweise ins Festzelt marschieren und fahren zu lassen, verspricht eine große Herausforderung zu werden. 

Allem Anschein nach aber nicht zu groß für Christian Eberl. Sein Bauhof ist dieser Tage die Anlaufstelle für alle Teilnehmer, wie ein Blick in die Layritzhalle zeigt, denn dort reihen sich schon die ersten Motivwagen aneinander, noch ungeschmückt, wie das Modell der Kirche Sankt Johannisrain beweist, welche noch von kargem Grau statt grünem Moos umgeben ist. „Das ist auch für mich eine Premiere“, sagt Eberl, der zwar noch nie Organisator, aber zumindest schon einmal Teilnehmer eines Festzuges war, „als Dreikäsehoch beim 50-Jährigen der Stadt“, lacht er. Mit 25 Mann wird Eberl am Sonntag im Einsatz sein und dafür sorgen, dass jeder Wagen in die Gänge kommt und auch am Ziel ankommt. Doch nicht allein den Festzug hat der Bauhofleiter dabei im Blick, auch das Drumherum. „Die Stadt soll einen polierten Eindruck machen“, verspricht Eberl. Durch das polierte Penzberg bewegen sich dann insgesamt acht Blöcke, im ersten rollen unter anderem Kutschen mit den Bürgermeistern sowie den Geistlichkeiten der Stadt, gefolgt von einem Gesellschaftswagen mit Stadträten und solchen, die einst im Sitzungssaal diskutierten, sowie Vertretern der Partnerstädte Ahlen, Langon, Berlin Tempelhof-Schöneberg und Differdingen. 

In den weiteren Blöcken sind dann Vereine der Stadt, aber auch der Umgebung vertreten. Die Kaninchenzüchter, Trachtler, Sportkegler oder auch Faschingsnarren schreiten meist als Fußtrupp über den Asphalt, gelegentlich fahren sie aber auch mit aufwendig geschmückten Motivwagen. So rattert der AMC Penzberg beispielsweise mit einer motorbetriebenen Oldtimerwerkstatt über die Karlstraße und der Berg­knappenverein und die Stadt Penzberg, als Teil eines großen Themenblocks zur Bergbaugeschichte, befördern einen Förderturm beziehungsweise Kohle durch die Straßen, während die Freiwillige Feuerwehr von Ehrwald Pferde eine Kutsche mit historischer Pumpe ziehen lässt. Doch nicht nur das Rotieren der Räder der Wagen und Kutschen ist beim Festzug zu hören, sondern auch Musik und Gesang, wenn Kapellen aus Penzberg, Bichl oder Ahlen, der Spielmannszug aus Peißenberg oder auch der Chor aus dem Langon Instrumente und Stimmen ertönen lassen. 

Zunächst ertönen aber um 13 Uhr die Stimmen der Geistlichkeiten der Stadt: Pfarrer Bernhard Holz, Pfarrer Julian Lademann und Imam Benjamin Idriz gestalten nämlich eine interreligiöse Andacht an der Barbarakapelle auf der Berghalde, die von der Stadt- und Berg­knappenkapelle begleitet wird. Um 14 Uhr geben Kirchenglockenschläge dann erst dem Festzug das Startsignal. Bei so vielen Teilnehmer wird sich das Ganze früher oder später wohl an manchen Stellen „auseinanderziehen“, schmunzelt Sendl. Zu Beginn, wenn sich das menschliche Akkordeon in Bewegung setzt, dürften die Reihen aber Dank der koordinierenden Bauhofsmitarbeiter noch ihre Ordnung haben. Dass die Wagen überhaupt vorankommen, daran hat Alois Deisenberger keinen unerheblichen Anteil. Der Vorsitzende des Georgivereins D‘Rosserer stellt gut 20 Pferde. „Wenn‘s um Kutschen und Gespanne geht, geht nichts ohne Alois Deisenberger,“, schmunzelt Bürgermeisterin Elke Zehetner als einzige Frau in der Männerrunde, in der alle Köpfe über den Festzugsplan gebeugt sind. Auch d‘Rosserer werden mit einem Motivwagen vertreten sein, vielleicht sogar mit einem, der aus der Menge heraussticht: „Wenn alles gut läuft, dann wird Holzfutter von vier Mulis gefahren“, lächelt Deisenberger. Dass es einen Festzug in Penzberg geben wird, in welchem Hufe auf der Straße klappern, lässt den Pferdenenthusiasten strahlen, denn „Festzüge mit Pferdegespannen werden immer weniger, weil sich viele das nicht mehr trauen“. Doch die Stadt Penzberg traut sich das zu ihrem Jubiläum. Dass die Rösser nun so spät zum Einsatz kommen, und nicht schon im Hochsommer ritten, als auch das Stadtfest gefeiert wurde, ist dabei ein Vorteil: Die Pferde sind seit einigen Wochen auf der Weide und „konditioniert“, sagt Deisenberger. 

Kein Pferd, sondern ein Lamm, das weiße Wolltier, das auf dem Wappen der Stadt prangt, ist auf der Mitte des Festzeichens zu sehen, das am Festzugstag verkauft wird, und dann vermutlich an zahlreichen Jankern, Spenzern und Miedern reflektiert. Gestaltet hat den Stecker Helmut Waxenberger, Kassier des Georgivereins d‘Rosserer. Schon jetzt glänzt der Pin am Dirndl von Bürgermeisterin Elke Zehetner, als wolle die damit zum Ausdruck bringen, wie sehr sie sich auf das Bevorstehende, das „zweite Riesenereignis heuer,“ wie sie sagt, freut. Sorgen bereiten ihr jedoch die Wetteraussichten, „ein Zug ist viel Wert, aber wir brauchen auch Zuschauer“, meint sie mit Blick auf die Regen- und Wolkensymbole, die erscheinen, sobald Suchmaschinen mit den Pro­gnosen für Sonntag beauftragt werden. 

Doch ob Regen oder nicht, der Festzug setzt sich am Sonntag in Bewegung. Am Kreisel beim Edeka legt er jedoch eine kurze Rast ein, weniger, um den Lungen der Fußtrupps und Pferde eine Pause zu gönnen, vielmehr, um die Teilnehmer die dann aufgebaute Tribüne betreten zu lassen. Schließlich soll allen, die dabei sind, „eine Ehre erwiesen werden“, findet Ludwig Schmuck, dessen Huadara mit einem Motivwagen, der Gedenksteine zeigt, vertreten ist. Von der Tribüne sind es dann noch wenige hundert Meter und die Brigade ist am Ziel angelangt, dem Volksfestzelt auf der Berghalde, wo ein farbenprächtiges Brilliantfeuerwerk nicht nur das Ende des festlichen Zuges setzt, sondern auch das Finale des diesjährigen Volksfestes. 

So feiert die Stadt ihren Geburtstag also nicht allein mit Pauken und Trompeten, sondern auch mit unzähliges Gästen und Gratulanten von Nah und Fern, und mit Funken am Himmel, sodass wohl keinem Penzberger das große Ereignis entgehen dürfte. „So etwas hat es in Penz­berg noch nicht gegeben und wird‘s so schnell nicht mehr geben “, ist sich Hardi Lenk vom Festausschuss sicher. Der Festzug, er verspricht wohl ein einmaliges Ereignis zu werden.ra 

Mit nordrhein-westfälischer Blasmusik und Chansons sorgen die Blaskapelle Dolberg aus Ahlen und der Chor aus Langon bereits am Samstag, 7. September, auf dem hinteren Bereich des Stadtplatzes an der Rathauspassage von 10 bis 13 Uhr für eine musikalische Einstimmung auf den Festzug. Der Eintritt ist frei.

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