Branche leidet unter Corona-Lockdown

Gastgewerbe: Stiller Protest auf Penzberger Stadtplatz

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Stiller Protest am gedeckten Tisch: (v.l.) Maria Dehmlet, Adrian Auer und Ilias Choutos weisen auf die Nöte ihrer Branche hin.
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Penzberg – Am Montag (1. März) machten drei Gastronomen auf dem Penzberger Stadtplatz mit dem stillen Protest „Gedeckter Tisch“ auf ihre Lage aufmerksam. Dem Gastgewerbe steht nach monatelangem Corona-Lockdown das Wasser bis zum Hals.

Der Interessensverband Dehoga hatte bundesweit zu der Aktion aufgerufen. Gefordert werden Perspektiven für eine Öffnung der Betriebe. „Es reicht“: Maria Dehmelt nimmt kein Blatt vor den Mund wenn es um die Lage geht – sei es für die Hoislbräu-Betreiberin selbst oder die ihrer Kollegen. Die Gastrobranche leidet immer mehr unter den Einschränkungen durch die Corona-Krise. Im vergangenen Mai konnten die Betriebe nach dem ersten Lockdown endlich wieder öffnen, doch seit November ist angesichts der zweiten Pandemiewelle alles wieder dicht. Seit März 2020 ist die Branche nun insgesamt sechs Monate geschlossen.

Dehoga: „Nicht länger Sonderopferrolle aufbürden“

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bayern) fordert von der Politik eines „Öffnungsperspektive.“ Das Gastgewerbe dürfe in der Corona-Krise nicht länger eine „Sonderopferrolle aufgebürdet bekommen“, sagt Präsidentin Angela Inselkammer. Der Verband spricht von einer „verzweifelten Situation der Betriebe“. Klare Aussage der Funktionärin: Einen fortgesetzten Teil-Lockdown als Dauerzustand, „während andere öffnen dürfen“, werde man nicht akzeptieren. „Wenn vergleichbare Branchen wie der Einzelhandel wieder öffnen dürfen, muss es auch im Gastgewerbe wieder losgehen.“ Und zwar so, dass die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können, so Inselkammer. Der Verband verweist zudem auf die Hygienekonzepte der Betriebe, die während der Öffnung von Frühjahr bis Herbst 2020 funktioniert hätten. Inselkammer betont: „Gastronomie und Hotellerie sind keine Pandemietreiber.“ Andreas Baar

Dehmelt hatte die Dehoga-Aktion in Penzberg organisiert. Auf dem Stadtplatz bauten die Landhotelbetreiberin aus Promberg und ihre Mitstreiter Adrian Auer (Pächter der stadteigenen „Koinschaufe“ in der Stadthalle) und Ilias Choutos (Ristorante Antica Rimini) mehrere „Gedeckte Tische“ auf. Es sei keine Demo, betonte Dehmelt. Man wolle vielmehr „Politiker ansprechen“. Denn den Gastronomen läuft die Zeit davon. Die Probleme sind nicht nur finanzieller Art, wie Dehmelt betonte. Auch personell hat das Gastgewerbe zu kämpfen. Angesichts einer unsicheren Zukunft würde immer mehr Personal ihrem Arbeitgeber den Rücken kehren. „Die springen ab“, klagte Dehmelt. Bei Wirt Auer zum Beispiel sind Mitarbeiter seit einem Jahr in Kurzarbeit: „Die suchen sich was anderes.“ Für Auer ist die Gesamtsituation unbefriedigend. Das To-go-Geschäft kann die Verluste nicht auffangen. Und überhaupt blutet da beim Vollblutgastronom das Herz: „Ich habe es satt, meinen Schweinsbraten in Styropor zu packen.“ Er will endlich Ernst genommen werden und vor allem Klarheit: „Mir fehlen die Perspektiven. Über uns wird nicht geredet.“

Ein gedeckter Tisch ist das Protestsymbol auf dem Penzberger Stadtplatz.

Deshalb hatte der Branchenverband die Tisch-Aktion bewusst in das Vorfeld des jüngsten Bund-Länder-Treffens gelegt (siehe Kasten). Auch in Penzberg hat das Gastgewerbe Angst vor einem erneuten Lockdown. Selbst, wenn es zu gewissen Öffnungen kommt, warnte Landhotelchefin Dehmelt vor Schwierigkeiten. Das fängt bei den Zulieferern an, die wie die Brauereien ihre Lager geräumt haben. „Du kriegst die Ware nicht.“ Dehmelt fürchtet darüber hinaus, dass sie erst nur im Außenbereich Plätze anbieten darf. Was im März/April „ein totales Lottospiel“ sei. Auch Kollege Auer fürchtet weiterhin Einschränkungen: Wenn er nicht möglichst viele Sitzgelegenheiten im Innenbereich mit Gästen besetzen könne, „zahle ich drauf“, sagt er.

Wir wollen nur wieder arbeiten dürfen“

Maria Dehmelt vom Hoislbräu zum Gastro-Protest.

Die Penzberger Branchenvertreter forderten mit ihrem stillen Protest – der auf dem Stadtplatz unter den Passanten auf viel Resonanz stieß –, dass sich die Politik ihrer annimmt. „Wir wollen nicht das letzte Zipferl sein“, betonte Hotelbetreiberin Dehmelt. „Wir wollen nur wieder arbeiten dürfen“, verlangte sie, machte aber aber auch klar, dass eine Öffnung „mit Vorlauf“ geschehen müsse. Eines ist Dehmelt ganz wichtig: Wenn wieder halbwegs normaler Betrieb stattfinden darf, „dann nicht um jeden Preis“. Gesundheitsregeln zum Schutz vor der Pandemie seien unerlässlich. Eines freute die drei Vertreter des Penzberger Gastgewerbes trotz der Krisenzeit: Es gebe eine „große Solidarität“, bedankte sich Ristorante-Betreiber Choutos ausdrücklich bei den vielen Stammgästen, die ihre Betriebe unterstützt haben. Andreas Baar

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