Massiv und modern

Gut bedacht unter strömenden Regen: Richtfest an der Penzberger Gustavstraße 5

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Richtspruch im Regen: Hardi Lenk (links), machte das, was Zimmerer nach Fertigstellung eines Rohbaus immer tun.

Penzberg – Innen Grau, außen Gerüste: Wer das Gebäude an der Gustavstraße 5 betritt, dem blickt kalter Beton entgegen. Die Räume sind allesamt leer. Nur in einer 5-Zimmer-Wohnung stehen Tische und Bänke. Wohnbau Weilheim lud zum Richtfest für den Rohbau, der einst im Erdboden zu versinken drohte.

Noch ist es ein Rohbau, verständlich also, dass ein wenig Fantasie gefragt ist, um sich vorzustellen, wie das Wohnhaus an der Gustavstraße im Inneren einmal aussehen wird, wenn es im Januar 2020 bezugsfertig ist. Eigentlich sollte das L-förmige Gebäude bereits im vergangenen Jahr fertiggestellt sein, so zumindest die Pläne, die vor Baubeginn geschmiedet wurden. „Ich war heute ein bisschen erschüttert“, meint Markus Kleinen, Geschäftsführer der Wohnbau Weilheim, beim Blick auf den Zeitplan: unglaubliche fünf Jahre, weil es immer wieder neue Verzögerungen gab. Zunächst dauerte es eine Weile, bis der letzte Mieter des alten Vier-Parteien-Hauses im Mai 2016 auszog. „Rausklagen“ habe man ihn müssen, erinnert sich Bürgermeisterin Elke Zehetner. Erst dann habe die Stadt mit der Wohnbau Weilheim einen Erbpachtvertrag schließen können. Als das Gebäude leer stand, nutze die Feuerwehr das Haus im Sommer 2016 für Übungen. Dann folgte der Abbruch, doch Konflikte mit einer Tiefbau-Firma sorgten für abermalige Verzögerungen. Erst im Februar 2018 ging es an den Spatenstich. Aber auch die ersten Monate auf der Baustelle seien schwierig gewesen, sagt Kleinen, denn „dass der Baugrund in Penz­berg schlecht ist, wissen wir alle, aber nicht dass er so schlecht ist“. Vier Monate Zeit beanspruchte allein die Erstellung der Bodenplatte, auf welcher das Gebäude nun steht. „Aber jetzt läuft alles nach Plan“, schmunzelt Kleinen. 

Nicht ganz nach Plan verlaufen allerdings die Ausgaben. Ursprünglich sollte der Bau rund 5,4 Millionen Euro kosten, mittlerweile geht man aber schon von 6,6 Millionen Euro aus. Das sind 20 Prozent mehr als erwartet, was Kleinen mit den problematischen Arbeiten am Baugrund und mit der derzeitigen Marktsituation begründet. Über die Hälfte des Gebäudes an der Gustavstraße finanziert sich dabei aus öffentlichen Mitteln, die Regierung von Oberbayern liefert ein Förderdarlehen in Höhe von 3 Millionen Euro sowie einen Zuschuss von 470.000 Euro. Auch die Stadt Penzberg beteiligt sich mit einem Darlehen in Höhe von 220.000 Euro. Der Rest wird über ein Darlehen der Sparkasse und aus Eigenkapital finanziert. 

Viel Geld, jedoch auch viele Wohnungen. Während einst vier Parteien an dieser Stelle Platz fanden, sind es nun auf einer Wohnfläche von rund 1.600 Quadratmetern 23 Wohnungen, darunter sechs Ein-Zimmer-und elf Drei-Zimmer-Wohnungen, allesamt barrierefrei. Und allesamt gefördert, was bedeutet, dass die künftigen Bewohner eine Netto-Kaltmiete von 9,50 Euro bezahlen, jedoch je nach Einkommensstufe auch Zuschüsse erhalten, sodass die Miete letztlich zwischen 5,50 und 7,50 Euro liegen wird. 

Von vier auf 23 Parteien erhöhen, das war eine der Herausforderungen, vor denen die Architekten standen. Einer von ihnen ist Florian Lechner, der erklärt, dass man das Grundstück an der Gustavstraße „bestmöglich ausnutzen“ wollte. Der Bau spiegelt dabei einen Trend wieder, nämlich „dass man in den Städten nachverdichtet“, sagt der Architekt. Zugleich jedoch sollte auch eine hohe Qualität gewährleistet werden. Die Wahl fiel immerhin auf einen Massivbau, der „werthaltig und dauerhaft ist“ , so Lechner. Und auch auf den Wohnkomfort werde Rücksicht genommen, so wird auf eine hochwertige Beleuchtung gesetzt, und die Balkone sind mit Blick auf den Innenhof, auf dem ein Spielplatz errichtet wird, ausgerichtet. 

Da es sich um geförderte Wohnungen handelt, sind die Architekten an zahlreiche Maßgaben gebunden, von der Größe der Wohnungen bis zum Umfang der Einbauschränke. Daher mussten sie „rational planen“ und haben ihr Augenmerk nicht auf „Schickimicki“ richten dürfen, betont Lechner, der dennoch Freude an dieser Herausforderung hatte, besser gesagt an den Herausforderungen. Denn nicht nur die Richtlinien galt es einzuhalten, sondern auch besondere Rücksicht auf den Baugrund zu nehmen. Das Grundwasser sei sehr hoch und die bauliche Umsetzung von Keller und Tiefgarage dementsprechend schwierig gewesen, erinnert sich Lechner. Pfähle sollten dafür sorgen, dass „das Ganze nicht im Schlamm versinkt“. Das scheint auch zu funktionieren, denn beim Richtfest reckte sich der Rohbau gerade in den Himmel und allein der Regen ließ Schlamm unter den Füßen entstehen. ra

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