Einstimmig für eine weltoffene Stadt

Gegen Rassismus: Stadtrat verabschiedet „Penzberger Erklärung“

Stefan Korpan Penzberger Stadtrat Rassismus erklärung
+
Nachdenkliche Worte: Bürgermeister Stefan Korpan beim Verlesen der „Penzberger Erklärung“ im Stadtrat.
  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
    schließen

Penzberg – Der Stadtrat wendet sich klar gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Penzberg. Einstimmig wurde die „Penzberger Erklärung“ verabschiedet.

Der Hintergrund ist ein bedenklicher: Als Reaktion auf Briefe und E-Mails mit fremdenfeindlichen und rassistischen Inhalten beantragten Stadtratsfraktionen eine offizielle Reaktion der Kommune. Die Verwaltung arbeitete einen entsprechenden Entwurf für eine „Penzberger Erklärung“ aus. Diese spricht sich klar gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aus.

Die überarbeitete Version wurde vom Stadtrat einstimmig verabschiedet und von Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) im Anschluss öffentlich verlesen. Die Stadt – vertreten durch die Stadtratsfraktionen von CSU, SPD, Penzberg Miteinander, Grüne, BfP und FLP – tritt mit der Erklärung nachdrücklich unter anderem dafür ein, dass „die Würde aller Menschen in der Stadt“ stets gewahrt wird; dass jeder Form von politischem Extremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz „entschieden begegnet wird“; dass Respekt, Toleranz und Weltoffenheit „höchste Werte“ in der Stadt sind. Einer Stadt, „die auch weiterhin einladend und freundlich bleibt“, wie explizit betont wird.

Penzberger Stadtgeschichte

In der Erklärung wird zudem mit der eigenen Stadtgeschichte, geprägt vom Kohlebergwerk, argumentiert. Penzberg verdanke seine Entstehung „dem Zuzug vieler auswärtiger Arbeiter“, heißt es. Darüber hinaus sei nach dem Zweiten Weltkrieg die Integration der Flüchtlinge gelungen. Und mit der Ansiedlung „eines großen Pharmaunternehmens“ sei es erneut zu einem starken Zuzug gekommen, „der bis heute anhält“.

Rassismus hat keinen Platz

Die Stadt Penzberg macht auch auf andere Weise ihre Haltung gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung deutlich: Die Kommune beteiligt sich an der Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“. Dies geschieht auf Initiative der Grünen-Stadtratsfraktion. Deren Antrag auf Teilnahme wurde Ende vergangenen Jahres vom Ausschuss für Verwaltungs-, Finanz- und Sozialangelegenheiten einstimmig befürwortet. Die Grünen hatten ihren Antrag mit einer erfolgreichen Integrationsarbeit und dem guten Miteinander in Penzberg begründet.

Ein eigens angebrachtes Schild am Rathauseingang unterstreicht das gesellschaftspolitische Ansinnen. Für Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) „ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus“ an dem öffentlichen Amtsgebäude. Dies schaffe einen hohen Grad an Sensibilisierung für dieses bedeutende Thema.

Die Grünen freuen sich, dass „wir mit diesem Schild ein klares Signal setzen, dass Rassismus in unserer Stadt keinen Platz hat“. Die SPD-Fraktion unterstützte ausdrücklich den Antrag: „Respekt ist die Grundlage des friedlichen Zusammenlebens, der auch Raum lässt für Gegensätzliches“, heißt es. PM macht sich dafür stark, „zu werben für Achtsamkeit, Solidarität, Zivilcourage“. Die BfP heben die deutliche Positionierung der Stadt hervor, die damit ein leider auch „notwendiges“ Zeichen setze. „Wir leben und arbeiten in einer bunten und vielfältigen Welt und diese Welt möchten wir erhalten“, bekräftigt die FLP.

Die Respekt-Initiative wurde 2006 gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Sie wird unter anderem von der IG Metall unterstützt.

Klare Aussage: Das Schild am Rathauseingang.

Derzeit leben Vertreter von über 90 Nationen in der Kommune. Zentrale Aussage der Erklärung deshalb: „Penzberg versteht sich als offene, tolerante Stadt.“ Das Zusammenleben sei von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt. Das multikulturelle Miteinander sei reich an Werten und an Menschen, die diese Werte leben.

„Vielfalt ist eine Stärke“

Die Erklärung verweist zudem auf die in der Stadt vertretenen Glaubensgemeinschaft, der „eine besondere Bedeutung“ zukomme. Diese würden gerade durch ihren interreligiösen Dialog „ein Miteinander der Kulturen vorleben“. Fazit der Erklärung: „Vielfalt ist eine Stärke und keine Gefahr.“ Man sei stolz auf die Unterschiedlichkeit „unserer Mitmenschen und die Toleranz, die in unserer Stadt herrscht“, erklären die Stadtratsfraktionen unisono und machen deutlich: „Jeder gesellschaftlichen Spaltung werden wir entschieden entgegentreten.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

84 Jahre im Familienbetrieb: Thomas Schmid schließt Gasthaus „Zur schönen Aussicht“
84 Jahre im Familienbetrieb: Thomas Schmid schließt Gasthaus „Zur schönen Aussicht“
Penzberg: Bei Roche starten Betriebsärzte mit Corona-Impfungen
Penzberg: Bei Roche starten Betriebsärzte mit Corona-Impfungen
Reifen abgefahren: Biker haben nach Unfall bei Kochel jetzt Ärger
Reifen abgefahren: Biker haben nach Unfall bei Kochel jetzt Ärger

Kommentare