„Man kann damit leben“

Benediktbeurer Gemeinderat erteilt nachträgliche Genehmigung für Geländeaufschüttung

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Wenn die Erdwälle im Gelände verteilt sind, sind Lainbachbachbett und Geländekanten nicht mehr erkennbar. Ob dies das Landschaftsbild beeinträchtigt, darüber waren sich die Gemeinderäte uneins.

Benediktbeuern – Erdhaufen größeren Ausmaßes sind in Benediktbeuern ein rotes Tuch. Auch jene 3.000 Kubikmeter, die ein Landwirt nach Baumaßnahmen übrig hatte und auf seinem Grundstück verteilte. Das Vorgehen wurde im Gemeinderat kontrovers diskutiert.

Nach der Errichtung eines Stalls habe der Landwirt mit dem ausgehobenen Humus sein Gelände anpassen und den Steilhang zur Bewirtschaftung flacher machen wollen, erklärte Bürgermeister Toni Ortlieb eingangs. Zwischenzeitlich habe das Landratsamt die sofortige Einstellung der Geländeaufschüttung verfügt. Laut Ortlieb handelt es sich um zwei Grundstücke, die im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Fläche beziehungsweise Grünfläche mit besonderer Bedeutung für das Landschaftsbild dargestellt sind. Das alte Lainbachbett habe in der Landschaft eine Geländekante erzeugt, allerdings sei die Eingrenzung der Flächen verbuscht und der Pflegeaufwand zu hoch, gab der Rathaus­chef die Einschätzung des Landwirts wieder. 

„Das ist keine Art, so was ohne Bauantrag zu machen“, ärgerte sich Vroni Bauer (Benediktbeurer Bürgervereinigung). Auch gehöre die Landschaft zum Ortsbild mitsamt den Blumen, die bislang an der Hangkante wüchsen. „Wenn fünf Mal im Jahr gemäht und Gülle ausgebracht wird, blüht dort nichts mehr“, kritisierte Bauer und führte auch die Diskussion um hohe Nitratwerte ins Feld. „Benediktbeuern hat definitiv kein Problem mit Nitrat“, widersprach Ortlieb aber. Er habe bereits im letzten Jahr mit dem Landwirt in einer anderen Sache gesprochen, erklärte der Bürgermeister, und dieser sei bereit, der Gemeinde bezüglich der Wasserleitung Grund zur Verbreiterung des Maria-Brunn-Wegs abzutreten. Auf diesen „good will“ wies Ortlieb zwar hin, er stellte aber klar, dass man die beiden Themen „trotzdem sauber voneinander trennen“ müsse. Kein Problem in der Sache sah Stefan Geiger (Freie Wählervereinigung), denn die Fläche sei bislang schon intensiv landwirtschaftlich genutzt. 1.000 Kubikmeter habe der Landwirt ja von Haus aus aufschütten dürfen, erläuterte Clemens Hammerl (CSU). Dass es 2.000 mehr geworden seien, sei nicht glücklich, aber „man kann damit leben“, urteilte er. 

Die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sah nur Bauer als negativ an. „Wir leben von der Natur und werben damit beim Fremdenverkehr“, mahnte sie, da dürfe nicht nur alles grüne Fläche sein. Hanns Frank Seller (CSU) sah hingegen nicht den „ganzen Geländecharakter verändert“, da die Geländekante anderswo sichtbar bleibe. Mit zwei Gegenstimmen von Bauer und Dorothea Bugl (FBM) wurde die Geländeaufschüttung letztlich nachträglich genehmigt. cw

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