Schichten und Schilder

Einsame Seeufer: In Kochel scheinen Corona-Maßnahmen Wirkung zu zeigen

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Bloß nicht zu nahe kommen: Schilder wie dieses weisen an Kochels Badewiesen auf die Abstandsregelungen hin.

Kochel – Die staatlichen Anordnungen zur Eindämmung des Coronavirus bleiben auch für die Gemeinde Kochel nicht folgenlos. In der Sitzung des „Ausschusses für Notzeiten“ schilderte Bürgermeister Thomas Holz, welche Maßnahmen seitens der Kommune getroffen wurden.

Mit der Schließung von Schule und Kindertagesstätten Mitte März war es nicht getan. Auch sämtliche gemeindliche Sport- und Spielplätze wurden gesperrt und entsprechend beschildert. Schilder zieren auch alle öffentlichen Plätze und Badeflächen in der Zwei-Seen-Gemeinde und erinnern an die Einhaltung eines Mindestabstands von eineinhalb Metern. Gemeinsam mit örtlichen Rettungsorganisationen und Vereinen richtete die Gemeinde eine Hilfsplattform für ältere Bürger ein, um deren Grundversorgung sicherzustellen. „Die Bereitschaft zum Mithelfen und der Zusammenhalt im Zwei-Seen-Land ist großartig“, lobte Holz. Dass bislang noch keine Anfrage am Servicetelefon eingegangen sei, zeige eine gut funktionierende Hilfe innerhalb der Familie und Nachbarschaft, freute er sich. 

Um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, wurde das Rathaus inzwischen für den Parteiverkehr gesperrt, ist jedoch per Telefon und E-Mail weiterhin erreichbar. Die Rathausbelegschaft arbeitet überdies im Schichtbetrieb. Ob Bauhof, Rathaus oder Tourist Information, überall wurden zwei Teams gebildet, von denen immer nur eines gleichzeitig im Dienst ist. „Damit wollen wir verhindern, dass beim Auftreten eines Verdachtsfalles in der Belegschaft gleich alle Beschäftigten in Quarantäne geschickt und damit der gesamte Betrieb eingestellt werden muss“, erläuterte Holz. Auch Telefonkonferenzen fänden statt, wie jüngst eine nichtöffentliche Sitzung des Tourismusausschusses, berichtete er. Diese funktionierten gut, dennoch wünsche er sich den normalen Sitzungsbetrieb baldmöglichst zurück, denn es sei „schon angenehmer, wenn man sich bei solchen Sitzungen auch sieht“, findet Holz. Der Rathauschef dankte bei der Gelegenheit allen Beschäftigten ausdrücklich für deren gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft zu Überstunden und Wochenendarbeit. Dankbar zeigte sich Holz auch gegenüber den Bürgern, die überwiegend Verständnis dafür zeigten, dass Vorgänge länger als üblich dauerten. „Wir erhalten bislang nur wenige Beschwerden und werden teilweise sogar gelobt“, so Holz. Ein Grund zur Freude ist auch die bislang geringe Zahl an Infizierten in der Gemeinde, am Tag der Sitzung war es gerade einmal eine Person, die noch dazu inzwischen gesundet ist. „Es schaut momentan gut aus“, zeigte sich Holz erleichtert, auch wenn er von einer höheren Dunkelziffer ausgehe und mit steigenden Zahlen rechne. 

Bauchschmerzen mit dem von mehreren oberbayerischen Bürgermeistern angestrebten Ausflugsverbot äußerte abschließend Gemeinderat Jens Müller (UWK). „Es gibt inzwischen so viele Beschränkungen, das staatliche Ausflugsverbot braucht es nicht, Appelle reichen“, fand er. Es sei schon eine gewisse Abneigung gegen Ausflügler zu spüren, diese solle man nicht durch so eine Regelung potenzieren, meinte Müller, denn „sonst merken die sich das und meiden unseren Ort zukünftig.“ Auch wenn er verstehe, dass Bürgermeister sich um den Schutz ihrer Bürger sorgten, müsse man „mit den Maßnahmen haushalten und an die Spätfolgen denken“, mahnte Müller. Holz wollte in keine Diskussion einsteigen, betonte aber, dass er weiterhin eine Ausflugssperre fordern werde, sollten sich die Verhältnisse nicht bessern. Statt mit Infektionsrisiko durch halb Bayern zu fahren, sollten die Menschen lieber Solidarität mit Vorerkrankten und Älteren zeigen, betonte Holz, der auch die Polizeikontrollen lobte. Tatsächlich zeigen die regelmäßig im Gemeindegebiet patrouillierenden Einsatzwagen der Bereitschaftspolizei durchschlagende Erfolge. Seeufer sind kaum noch bevölkert, statt Motorradfahrern gehen Radfahrer ihrem Sport nach und die Kletterwände bleiben meist leer, nachdem eine Woche zuvor etliche Seilschaften eine Anzeige wegen Ordnungswidrigkeiten kassierten und um einen dreistelligen Betrag erleichtert wurden. 

Einen Ausreißer gab es allerdings am Karfreitag, als die Wasserwacht Walchensee einem Taucher aus dem Landkreis Rosenheim zu Hilfe eilen musste. Auch der Rettungshubschrauber aus der Unfallklinik Murnau war zur Stelle. In diesen wollte der Verletzte jedoch nicht einsteigen und trat stattdessen mit seinem Tauchkumpan die Heimreise an. cw

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