Ein höchst unsensibler Standort

Hühnerstadel an der Klostermauer: Privilegiertes Bauvorhaben stößt auf deutliche Kritik

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Statt den weiten Blick über Benediktenwand, Loisach-Kochelsee-Moor und Wettersteingebirge schweifen zu lassen, haben Spaziergänger auf der Bank am Moosrundweg bald einen Hühnerstadel vor Augen.

Benediktbeuern – Benediktbeuern ist bekannt für sein Kloster, Joseph von Fraunhofer, die Benediktenwand, die Hochschule und offenbar auch für frische Eier. Die scheinen in der Region reißenden Absatz zu finden, die mobile Legehennen-Haltung von drei Hühnerbauern expandiert im Klosterdorf jedenfalls. 

So wenig Benediktbeuerns Gemeinderäte etwa gegen Eier von freilaufenden Hühnern einzuwenden haben, so unglücklich sind sie jedoch über den neuesten Standort für einen Hühnerstadel in Klosternähe. Verhindern können sie diesen jedoch nicht, denn die Fläche gehört einem privilegierten Landwirt, der für sein Vorhaben den gemeindlichen Segen nicht braucht. Aspekte des Denkmalschutzes könnten schon eher zum Tragen kommen, weshalb ein Bürger nun das Landratsamt um Prüfung des Sachverhalts bat. 

Beim Bauherrn des Hühnerstadels handelt es sich laut Bürgermeister Toni Ortlieb um einen privilegierten Landwirt, der nach geltendem Baurecht den Stadel bis 100 Quadratmeter Grundfläche ohne Genehmigung errichten dürfe. Der Landwirt, der auch das Zimmererhandwerk beherrsche, habe ihm versichert, den Holzstadel „optisch ansprechend und in hochwertiger Bauweise auszuführen“, teilte der Bürgermeister mit. Dort werde kein Mist erzeugt, sondern Eier vom Lande, ergänzte Ortlieb, der zwar den Standort für „unglücklich“ hält, das Produkt unter touristischen Gesichtspunkten aber „okay“ findet. 

Diese Meinung teilen freilich nicht alle Gemeinderäte. „Ich gönne jedem seinen Stadel, aber an der Stelle ist das höchst unsensibel“, kritisierte Rudi Mühlhans (FBM). Auch Hanns Frank Seller (CSU) fand es „ungut“, dass der Bauherr vorab nicht Meinungen dazu eingeholt habe. Einem Bürger war das Betonfundament gegenüber der Klostermauer ein solcher Dorn im Auge, dass er das Landratsamt auf das Bauvorhaben aufmerksam machte und um Prüfung, auch im Hinblick auf die unmittelbare Nähe zu einem Baudenkmal, bat. 

Mit den Gegenstimmen von Mühlhans und Vroni Bauer (Benediktbeurer Bürger) stimmten die Gemeinderäte dem Antrag zur Prüfung zu. Mühlhans bat bei der Gelegenheit, im Rahmen der Dorferneuerung auch über Flächentausch sprechen. Man solle alle betreffenden Grundeigentümer einladen und darüber beraten, wie künftig jeder „vernünftig bauen“ könne, schlug er vor. Derweil dürfte die Bank mit dem schönsten Ausblick im Klosterdorf wohl bald weichen, es sei denn, das Landrats­amt oder die Denkmalschutzbehörde erkennt dem privilegierten Vorhaben entgegenstehende öffentliche Belange. cw

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