Das Pfeifen hört auf

Bichl sperrt den Bahnübergang am Bühel

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Bald ein Bild vergangener Tage: Der unbeschrankte Bahnübergang am Bühel soll schnellstmöglich komplett gesperrt werden.

Bichl – Er pfeift, ohrenbetäubend, und vermag damit die Glocken der Kirche zu übertönen. Doch da sich keine Schranken an dem Bahnübergang am Bühel befinden, muss der Zug auf sein Kommen aufmerksam machen. Nun soll das Pfeifen auf dem Gleisabschnitt nahe dem Friedhof aber verstummen.

Das unerträglich laute Pfeifen an der Bahnstrecke in Bichl hat ein Ende: Am Dienstagabend beschloss der Gemeinderat mit der hauchdünnen Mehrheit von 8:7 Stimmen, den Bahnübergang am Bühel sofort komplett zu sperren. Zudem sprach sich das Gremium einstimmig dafür aus, so schnell wie möglich einen Übergang für Radfahrer und Fußgänger einzurichten. Zudem will die Gemeinde am Bühel auf eigene Kosten eine Bahnschranke installieren – auch wenn der Bau wohl zehn oder 15 Jahre dauern und eine Million Euro kosten wird. 

Die Deutsche Bahn (DB) hat aus Sicherheitsgründen die Strecke von Tutzing nach Kochel ins Visier genommen. Anlass sind die Vorkommnisse an einem unbeschrankten Bahnübergängen in Ried: Dort starben im Juli zwei Menschen, als sie mit einem Quad die Gleise überquerten. Und im September übersah ein radelnder Schüler am Bühel in Bichl einen Zug. Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt. Aus Sicherheitsgründen hat die DB deshalb veranlasst, dass jeder Zug vor dem Passieren am Bühel einen Signalpfiff abgeben muss. Schon vor Jahren war die Gemeinde mit diesem Thema konfrontiert, seither ist der Übergang für den allgemeinen Verkehr gesperrt, nur noch landwirtschaftliche Fahrzeuge sowie Radfahrer und Fußgänger durften dort die Gleise überqueren. Bei der Bahn, so Bürgermeister Benedikt Pössenbacher vor dem Gemeinderat, sei man nur dann bereit, auf Signalpfiffe zu verzichten, wenn die Gemeinde den Bahnübergang schließt. 

„Das ganze Dorf hört das Hupen“, sagte dazu Michael Knestel. „Das ist untragbar, wenn das so weitergeht, laufen die Anwohner Amok.“ Zugleich forderte er, dass der Bahnübergang allein schon wegen der Kinder erhalten bleiben müsse. Bis zu 15 Jahre auf die Genehmigung einer Bahnschranke zu warten, sei aber völlig unrealistisch. 

Helmut Oppel ergänzte, er habe mit dem Messgerät der Maschkera die Lautstärke des Schalls am Bahnübergang gemessen: Die Glocken der benachbarten Kirche brachten es dabei auf 65 Dezibel, einfahrende Züge auf 74 Dezibel und ausfahrende sogar auf 87 Dezibel. „Das ist schon ganz schön laut“, sagte er. Auf der anderen Seite sei er erst kürzlich bei Nebel mit seinem Hund an der Bahnstrecke unterwegs gewesen. „Und da war ich heilfroh, dass der Zug gehupt hat. Was die Bahn da macht, ist nicht so unsinnig“, so Oppel. Dies sieht auch Thomas Schäfer so: „Ein unbeschrankter Bahnübergang ist ein brutales Risiko. Wenn da was passiert, stehen wir nicht gut da.“ 

Helmut Kolbeck hingegen empfindet die sofortige Schließung des Bahnübergangs als unsinnig. Er wohne selbst an der Bahnstrecke, „und die ein oder zwei Monate bis der Radweg genehmigt ist, kann man das schon noch aushalten“. Letztlich entschied eine knappe Mehrheit aber, den Übergang sofort zu schließen. Die Straße soll nun so schnell wie möglich in einen Rad- und Fußweg umgewidmet werden. Pössenbacher rechnet dafür mit Kosten in Höhe von 10.000 Euro. 

Hubert Waldherr forderte des Weiteren, den Bau der Schranke sofort anzugehen. Worauf Rathauschef Pössenbacher entgegnete, dass dies eine Million Euro kosten werde. Normalerweise würde jeweils ein Drittel der Kosten auf den Staat, die Bahn und die Gemeinde entfallen. Da es in unmittelbarer Nähe aber schon zwei Übergänge gebe, müsste die Gemeinde die Kosten komplett selbst tragen. Zudem sei damit zu rechnen, dass der Bau zehn bis 15 Jahre dauere. Michael Eberl empfahl deshalb, eine Rücklage zu bilden. Auch Kilian Streidl sprach sich dafür aus, dass die Gemeinde dieses Projekt angeht: „Sonst kommt zum Beispiel bei einer Beerdigung keiner mehr aus seinem Viertel raus.“ ps

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