Einen attraktiven Platz schaffen

In Kochel soll ein Stellplatz für 90 Wohnmobile entstehen, was nicht allen gefällt

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Vom Flohmarktplatz bis zum Bouleplatz: An der Triministraße soll ein Domizil für zunächst 90 Wohnmobile inklusive öffentlich zugänglicher Sanitäranlagen entstehen, ein Projekt, das nicht unumstritten ist.

Kochel – Der Trend zum Wohnmobil ist seit Jahren ungebrochen, die Neuzulassungen in Deutschland wachsen im zweistelligen Prozentbereich und erreichten nach dem Corona-Lockdown im Mai mit über 10.000 Freizeitfahrzeugen einen Rekordwert. Den höchsten Zuwachs verzeichneten dabei Luxus-Reisemobile, die sowohl in der Ausstattung als auch bei den Ausmaßen die schlichten Caravans in den Schatten stellen. In Kochel könnten bald alle Generationen von Wohnmobilen ein Eldorado vorfinden, denn an der Triministraße sollen nicht weniger als 90 Stellplätze entstehen, bei Realisierung eines zweiten Bauabschnitts sogar 119. Im Gemeinderat wurde der Bauantrag der in Erlangen ansässigen und mit der Kristallbäder-Gruppe vernetzten Bäder- und Thermen-Consult-Gesellschaft nun kontrovers diskutiert. Dabei ging es nicht um die Notwendigkeit eines solchen touristischen Angebots, wohl aber um dessen Dimension.

Die Idee, in Kochel einen Stellplatz für Wohnmobile zu errichten, ist nicht neu. Bereits im Herbst vor zwei Jahren hatte der Gemeinderat dafür den südlichen Bereich des Festplatzes an der Triministraße ins Auge gefasst. Dann kamen Untersuchungen des Geländes der ehemaligen Hausmülldeponie auf Schadstoffe dazwischen, das Projekt wurde auf Eis gelegt. Nachdem klar war, dass die Sanierungsarbeiten nicht auf dem Gelände selbst, sondern durch Drainagen am Seeufer erfolgen, wurden die Planungen nun wieder aufgenommen. Wie Bürgermeister Thomas Holz berichtete, haben in der Zwischenzeit zahlreiche Gespräche stattgefunden, unter anderem mit den Betreibern der drei Campingplätze im Gemeindegebiet, mit Planern, Rechtsanwälten sowie den Verantwortlichen der Kristall-Therme Trimini. Nach Rücksprache mit dem Kreisbauamt sei eine baurechtliche Genehmigung auf der als „Sondergebiet Sport und Freizeit“ ausgewiesenen Fläche denkbar, teilte Holz ferner mit.

Der Rathauschef betonte, das Stellplatzkonzept unterscheide sich bewusst von einem Campingplatzkonzept und stelle somit keine Konkurrenz für die Zeltplätze an Kochel- und Walchensee dar. „Wir möchten die Wohnmobile kanalisieren und einen attraktiven Platz schaffen mit der Möglichkeit der Ver- und Entsorgung“, erläuterte er. Entsprechend der Anzahl der Stellplätze fällt auch das Sanitärgebäude mit Rezeption nicht eben klein aus. Neben zwei Waschräumen mit jeweils fünf Duschen und zehn Toiletten sind ein Geschirrspülraum sowie ein Wäscheraum mit je zwei Waschmaschinen und Trocknern eingeplant. „Die Toiletten sind nicht nur für Wohnmobilgäste, sondern für jedermann zugänglich“, betonte der Bürgermeister. Wie vom Bauausschuss angeregt, sei der nördliche Bereich des Platzes so zu gestalten, dass er im Bedarfsfall von der Gemeinde oder örtlichen Vereinen etwa für einen Festzeltbetrieb genutzt werden könne, führte er weiter aus. Die angrenzenden Vereinsflächen der Bogenschützen und Boulespieler seien im Übrigen von der Planung nicht berührt. 

Sonja Mayer (Mitte) zeigte sich von den neuesten Plänen überrascht und meinte: „Im Bauausschuss hatten wir andere Planungen vorliegen.“ Ein südöstlich gelegener Bereich auf dem einstigen Mountainbike-Pumptrack sei ihrer Meinung nach dort nicht enthalten gewesen und liege in einem kartierten Biotop. „Warum will man da unbedingt rausgehen“, fragte Mayer, die nicht grundsätzlich gegen den Wohnmobilstellplatz ist, aber dessen „überdimensionierte Ausführung“ kritisierte, zumal sie offenbar von zwanzig Plätzen ausgegangen war. Man habe einen „relativ einfachen Stellplatz“ schaffen wollen, damit die Wohnmobile „verräumt“ seien und ihre Toiletten leeren könnten, erklärte die Gemeinderätin. Ein Angebot, das nun aussehe wie ein Campingplatz, sei nicht Intention gewesen und schaffe sehr wohl Konkurrenz zu den örtlichen Zeltplätzen, fand sie und fragte diesbezüglich, ob auch ein Kochler Campingbetreiber in der Lage sei, den neuen Stellplatz zu betreiben. 

Man müsse einen Schritt nach dem anderen machen, mahnte da Rathauschef Holz. „Jetzt sind wir erstmal beim baurechtlichen Aspekt“, verdeutlichte er, und damit hätten Gewerbesteuer und Konkurrenzsituation nichts zu tun. Mayer sah dies anders. „Wir machen den zweiten Schritt vor dem ersten“, meinte sie, denn jetzt sei man bereits beim Bauantrag, obwohl man den Plan „zum ersten Mal sehe“ und noch gar nicht entschieden habe, ob man das tatsächlich in der Größe und mit diesem Bauwerber zulassen wolle. Dass es sich bei dem in der Sitzung gezeigten Plan um einen anderen als jenen im Bauausschuss handeln würde, wie neben Mayer auch Klaus Barthel (SPD) monierte, wies Holz entschieden zurück. Lediglich der auf der gegenüberliegenden Liegewiese eingezeichnete Bauabschnitt II sei neu hinzugekommen, allerdings sei der Planer hierbei etwas „voreilig“ gewesen, formulierte er. Nachdem Barthel dafür warb, die „Modifikationen, Dimensionen und Ungenauigkeiten“ des Planes zunächst noch zu klären, stellte Reinhard Dollrieß (FWG) einen Antrag auf Vertagung des Beschlusses, der aber mit klarer Mehrheit abgelehnt wurde. 

Laut Holz will die Gemeinde die Fläche den Campingplatzbetreibern wieder vorstellen, nachdem das Landratsamt grünes Licht erteilt hat. „Es soll ein Miteinander sein“, betont Holz und weist in der Frage nach einem einheimischen Betreiber darauf hin, dass die Gemeinde über die Ausgestaltung des Pachtvertrags hier durchaus Einwirkungsmöglichkeiten habe. cw

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