Anlauf zum Halbstundentakt

Kochel will Bahnverkehr stärken und in den MVV hinein

+
Günstiger, zuverlässiger, häufiger: Nur so kann die Kochelseebahn mehr Bürger und Feriengäste von der Straße auf die Schiene bringen.

Kochel – Nicht nur nachhaltig, sondern auch günstig, unkompliziert und schnell von A nach B gelangen, nicht auf der Straße, sondern auf Gleisen: Das Fahrplanangebot auf Schienen sowie ein einheitliches Tarifsystem beschäftigten jüngst den Kocheler Gemeinderat.

Die Resolution des CSU- Kreisverbandes, mit dem dieser die Bayerische Staatsregierung und die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) auffordert, die Nutzung des Schienen-Personen-Nahverkehrs im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen attraktiver zu machen, beschäftigte jüngst auch den Kocheler Gemeinderat. Um Berufstätige und Urlauber zum Umstieg auf die umweltfreundliche Bahn zu bewegen, muss in den Augen des Gremiums ein dichteres Fahrplanangebot durch Verbundraumerweiterung sowie ein einheitliches und günstigeres Tarifsystem geschaffen werden. 

Seit 1996 gehört der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) an. Bis heute erstreckt sich das MVV-Tarifgebiet jedoch nur auf Bad Tölz, Geretsried, Wolfratshausen, Bad Heilbrunn, Dietramszell, Egling, Eurasburg, Icking, Königsdorf und Münsing. Die Gemeinde Kochel ist nicht in dem Tarifgebiet enthalten, was dazu führt, dass für Fahrten nach und in München verschiedene Fahrkarten in verschiedenen Tarifsystemen gekauft werden müssen. „Würde das MVV-Tarifgebiet auf den gesamten Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ausgedehnt, würde dies günstigere Tickets, ein einheitliches Tarifsystem, ein dichteres Fahrplanangebot und dadurch die Schaffung gleichwertiger Lebensbedingungen innerhalb des Landkreises bedeuten“, führte Bürgermeister Thomas Holz aus. 

Die Verbundraumerweiterung nehme Fahrt auf, berichtete der Rathauschef seinen Gemeinderäten, allerdings seien noch „dicke Bretter zu bohren“. Denn um die Leute vom Auto auf Bus und Schiene zu bringen, bedürfe es einer leicht verständlichen Preisgestaltung und zuverlässiger Verbindungen. Neben Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach sei nun auch der Landkreis Weilheim-Schongau bei Gesprächen mit am Tisch, was notwendig sei, um für die Kochelseebahn einen Halbstundentakt einzuführen. „Der Stundentakt ist nicht mehr zeitgemäß“, stellte der Bürgermeister fest und sicherte die Mitarbeit an der Erhöhung der Attraktivität des ÖPNV zu. Mit der RVO habe man bereits die Abfahrten der Busse nach Walchensee besser auf die Zugankünfte abgestimmt und im Sommer enger getaktet, ferner unterhalte man in der Gästeinformation eine DB-Verkaufsstelle, was „keine Pflichtaufgabe“ sei, zählte Holz auf. Auch bei der derzeitigen Erstellung eines neuen Nahverkehrsplans im Landkreis „sind wir die Aktivsten“, betonte er. 

Ein einheitliches Tarifsystem im öffentlichen Nahverkehr, nicht nur nach München, sondern auch für die Querverbindung nach Bad Tölz, wünschte sich Monika Hoffmann-Sailer (SPD). „Darüber habe ich schon vor 20 Jahren im Kreistag diskutiert“, meinte sie achselzuckend. Florian Eberl (CSU) beklagte wiederum die mangelnde Zuverlässigkeit. „Heute fällt trotz modernster Technik bereits bei fünf Zentimetern Neuschnee schon der erste Zug aus“, wunderte er sich und machte Einsparungen bei der DB dafür verantwortlich. 

Auf die DB sind auch andere Kocheler nicht gut zu sprechen, etwa die Anwohner rund um den Bahnhof. Von einem Anruf sei er darüber informiert worden, dass es beim Thema Lärm keine wesentliche Verbesserung gebe, berichtete Holz und versprach, dies zeitnah zu überprüfen und dem nachzugehen. „Was von der DB den Anwohnern zugesagt wurde, muss auch eingehalten werden“, befand er. cw

Auch interessant

Meistgelesen

Auftakt im Bernsteinzimmer
Auftakt im Bernsteinzimmer
Kinderjury entscheidet über nächsten „Urmel“-Preisträger, hüllt sich darüber aber in Schweigen
Kinderjury entscheidet über nächsten „Urmel“-Preisträger, hüllt sich darüber aber in Schweigen
FDP gründet einen Ortsverband in Penzberg
FDP gründet einen Ortsverband in Penzberg
Klimafrühling Oberland eröffnet: 114 Veranstaltungen bis zum 7. April
Klimafrühling Oberland eröffnet: 114 Veranstaltungen bis zum 7. April

Kommentare