In Jacken eingemummt

Im Gasthof statt im Rathaus: Benediktbeuerns Gemeinderat spricht über die Corona-Krise im Klosterdorf

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Sitzung in ungewohnter Umgebung: Im weiträumigen Postsaal fanden alle Gemeinderäte und Zuhörer unter Einhaltung des Mindestabstands ausreichend Platz.

Benediktbeuern – Um die Gemeinderatssitzung wie gewohnt abhalten zu können, wich man in Benediktbeuern in den Saal des Gasthofs Zur Post aus. Während sich die Wiedereröffnung des Restaurants coronabedingt deutlich verzögern wird, kehrte wenigstens in den großen Saal vorübergehend Leben ein.

Die Auswirkungen der Viruspandemie sind für das Klosterdorf gewaltig, wie Bürgermeister Anton Ortlieb ausführte. Ganz so behaglich wie im Rathaussitzungssaal war es im unbeheizten Festsaal nicht. In Jacken eingemummt saßen die Gemeinderäte an Einzeltischen und blickten auf Rücken statt in Gesichter. Mit 15 öffentlichen und 21 nicht-öffentlichen Punkten war die Tagesordnung nicht anders als vor Corona und auch technisch funktionierte alles einwandfrei. Für die Visualisierung der Sitzungsvorlagen war der neue Ort sogar ein Gewinn, da die Präsentation auf der eigens aufgebauten großen Leinwand auch von den hinteren Rängen aus gut zu erkennen war. 

Wie Bürgermeister Toni Ortlieb ankündigte, werden die Rathausmitarbeiter ab der kommenden Woche auf Schichtbetrieb umstellen, so dass wenigstens die Hälfte der Belegschaft weiterarbeiten kann, sollte ein Team vom Virus betroffen sein. Die Gewerbetreibenden und Dienstleister treffe die Corona-Krise am härtesten, führte Ortlieb aus, denn diese könnten den wochenlang verloren gegangenen Umsatz nicht mehr nachholen. „Wenn die Wirtschaft nicht läuft, sind aber auch wir als Gemeinde zeitversetzt betroffen“, eröffnete er. So müsse man sich auf magere Zeiten bei den Gemeindefinanzen einstellen. 

Die Verlängerung der Beschränkungen, die am gleichen Abend von der Bundeskanzlerin und Bayerns Ministerpräsidenten verkündet worden waren, stelle das Klosterdorf insbesondere beim Tourismus vor große Probleme, zeigte Ortlieb auf. Weil Großveranstaltungen bis Ende August verboten sind, rechnet er damit, dass auch das beliebte, hoch frequentierte Alpenwarmbad in dieser Saison geschlossen bleiben muss. Die finanzielle Misere betrifft jedoch nicht nur touristische Betriebe, auch Gemeindemitarbeiter müssen sich wohl auf Kurzarbeit einstellen. „Im öffentlichen Dienst hat es Kurzarbeit in der Nachkriegszeit noch nicht gegeben“, stellte Ortlieb fest, inzwischen liefen bereits Verhandlungen des Kommunalen Arbeitgeber Verbands mit der Gewerkschaft Verdi. 

Vor immensen Herausforderungen stehen auch Eltern von Kindergarten- und Krippenkindern, da die Betreuungseinrichtungen bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Die Familien betreuen ihre Kleinsten zuhause, zahlen aber weiterhin monatliche Gebühren. 

Auf Nachfrage von Gemeinderat Rudi Mühlhans (FBM) nahm Ortlieb dazu Stellung. In den Nutzungsverträgen beider Kindergärten sei geregelt, dass die Gebühren auch bei Nichtbetrieb zu zahlen seien, erklärte er. Gemeinsam mit anderen Bürgermeistern und dem Landrat sei man aber an dem Thema dran, kündigte Ortlieb an. Zu klären sei allerdings, ob eine Rückerstattung der Gebühren nach dem Bayerischen Kindergartengesetz förderschädlich wäre und der 100-Euro-Zuschuss des Landes an die Kommune wegfallen würde. „Fatal wäre, wenn wir die Gebühren zu 100 Prozent selbst übernehmen müssten,“ stellte der Bürgermeister mit Blick auf den gemeindlichen Finanzsäckel fest. cw

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