Hinhocken und warten

Iffeldorf nimmt Mitfahrbänke in Betrieb und hofft auf Leute, die mitfahren wollen

Die erste Bank, die neben dem Rathaus steht, wird enthüllt: Initiatorin Daniela Mecklenburg (links) und Bürgermeister Hubert Kroiß (rechts) mit den Mitinitiatoren der Aktion und Kindern, welche die Bänke bunt bemalt haben.

Iffeldorf – „Iffeldorf fährt mit, Iffeldorf nimmt mit“, so das Motto, unter dem die neuen Mitfahrbänke am Straßenrand stehen. Ein Schild mit einem „M“ darauf ist schon von Weitem zu sehen. Initiatorin Daniela Mecklenburg erklärte bei der Einweihungsfeier der Bänke, wie das Motto umgesetzt wird.

Früher war es gang und gäbe, sich mit erhobenem Daumen an den Straßenrand zu stellen, um mitgenommen zu werden. Danach war Trampen lange verpönt. Der neue Trend der Mitfahrbänke schwappt nun aber schon durch mehrere Orte in der gesamten Republik, vor allem auf dem Land, wo sich das dürftige Netz des öffentlichen Nahverkehrs nur im Schneckentempo, wenn überhaupt, zu entwickeln scheint. Zwar ist schon viel geschafft, aber innerhalb von vielen Dörfern fehlt es an Haltestellen und einer engmaschigen Taktung. 

Mitinitiatorin Uschi Scholz hat das neue Mitnahmesystem schon ausprobiert und berichtete von ihrer Erfahrung: „Ich bin bereits ein paar Mal nach Seeshaupt mitgenommen worden und von dort aus zurückspaziert.“ Den Spaziergang musste sie in Kauf nehmen, denn in Seeshaupt steht noch keine Rückfahrbank. Daniela Mecklenburg ist allerdings von einem überzeugt: „Je mehr Nachbargemeinden mitmachen, desto besser kommt das Projekt an. Und langfristig wird es dann funktionieren.“ 

Die Mitfahrbänke sind ein Gemeinschaftsprojekt Iffeldorfer Bürger und Vereine, die sich mit Geld- und Sachspenden ebenso wie mit Arbeitskraft und Zeit einbrachten. Auch Unternehmer und Handwerker zählen zum Unterstützerkreis, und damit man die Bänke schon von weitem gut sieht, wurden sie im Rahmen des Ferienprogramms von Kindern bunt bemalt. Noch stehen die farbigen Bänke nur auf einer Fahrbahnseite, wobei man aber durchaus in zwei Richtungen mitgenommen werden kann. Dazu gibt es bald auch Tafeln, auf denen man sein Ziel schreibt. Nähert sich ein Fahrzeug, so kann man die Tafeln hochhalten. „Wir fangen jetzt mal mit fünf Bänken an. Sobald wir mehr Geld zusammenhaben, kann die Zahl der Bänke auch gerne wachsen“, so Mecklenburg. 

Im Moment stehen sie an der Staltacher Straße beim Rathaus, am Bahnhof, am Bahnübergang neben dem Bushäuschen in Untereurach, bei der Ortseinfahrt gegenüber dem Edeka-Markt sowie an der Staatsstraße nach Seeshaupt beim Wanderparkplatz. Damit das Konzept funktioniert, muss es aber auch genutzt werden, denn nach Aussage von Daniela Mecklenburg gibt es momentan sehr viele, die gerne jemanden mitnehmen würden, aber noch wenige, die mitgenommen werden wollen. 

Die Mitfahrt soll kostenfrei sein und auch für Kinder ab zwölf Jahren gelten. Für sie gilt der Tipp, vor der Abfahrt kurz das Nummernschild des jeweiligen Fahrzeugs mit dem Handy zu fotografieren und den Eltern per WhatsApp zu senden. Über die Haftpflichtversicherung des Fahrers sind die Mitfahrer automatisch mitversichert. au

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