Eine Lehre, drei Berufe

Alles neu ab 2020: Generalistische Pflegeausbildung im Penzberger Klinikum

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Posterlächeln: Stephan Meuß, Leiter der Berufsfachschule für Altenpflege, und Claus Rauschmeier, Geschäftsführer des Klinikums Penzberg, können den Start der generalistischen Pflegeausbildung kaum erwarten.

Penzberg – An Pflegern mangelt es im Klinikum Penzberg nicht. Noch nicht. In zehn Jahren schaut die Sache aber ganz anders aus. Während sich nach und nach Pfleger in den Ruhestand verabschieden, bleibt der Nachwuchs aus. Eine Unterbesetzung droht. Rein theoretisch.

Stephan Meuß, Leiter der Penzberger Berufsfachschule für Altenpflege, sitzt auf einem weich gepolsterten Stuhl im Veranstaltungsraum des Klinikums. Vor ihm Kaffee, Mineralwasser und ein großer Teller mit Stollen und Lebkuchen. Er lächelt. Spätestens bis 1. September 2020 muss er sich um ein neues Schild mit neuem Namen am Eingang seiner Schule gekümmert haben. Und Meuß freut sich darauf. Denn sobald das Schild angebracht ist, werden keine neuen Altenpfleger mehr an der Seeshaupter Straße ausgebildet. Der 1. September 2020 sei „ein historisches Datum“, sagt der Schulleiter. Dann ist die generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann in die Berufsfachschule eingezogen, und alles wird anders. Eierlegende Wollmilchsäue der Pflege werden dort dann ausgebildet, die nach erfolgreichem Abschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, aber als auch als Altenpfleger ins Arbeitsleben starten können. Denn all diese Fachgebiete umfasst die vereinheitlichte Ausbildung. Ein Umbruch, der längst überfällig war, findet Meuß: „Die Trennung der Pflegebereiche hat keine praktische Grundlage mehr.“ Mit der Generalisierung werde nun die „Pflegeausbildung neu gedacht“. Und: Die Ausbildung ist dann europaweit anerkannt, ein Novum in der Pflegebranche. 

Davon möchte auch Claus Rausch­meier profitieren. Der Geschäftsführer des Penzberger Klinikums sitzt neben Meuß und sieht aus, als ob er dessen Lächeln spiegeln wolle. Zwar gebe es derzeit mehr als genug Pflegekräfte im Krankenhaus am Schlossbichl, aber das werde sich ändern. Viele Pfleger sind „50 plus“, so Rauschmeier, und werden in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Dann sollte Nachwuchs nachrücken. Nachwuchs, an dem es aber derzeit mangelt. „Man muss jetzt was tun, um der Lage in zehn Jahren Herr zu werden“, weiß der Klinikgeschäftsführer. Den Nachwuchs möchte sich Rauschmeier daher nun direkt vor Ort unter den eigenen Fittichen heranzüchten. Vier bis sechs Schüler der Berufsschule für Pflege, so aller Voraussicht nach der künftige Name der Einrichtung an der Seeshaupter Straße, sollen nämlich ihre praktische Ausbildung zu großen Teilen in den verschiedenen medizinischen Bereichen des Krankenhauses durchlaufen können. Den theoretischen Teil der Ausbildung absolvieren die künftigen Pflegefachkräfte dagegen in der Berufsfachschule in Form von Blockunterricht. Die maximale Schülerzahl wird sich nicht ändern, „wir haben weiterhin 24 Plätze pro Schuljahr“, sagt Meuß. Und die einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer werde dann nach wie vor möglich sein, jedoch ebenso einem neuen Lehrplan unterliegen. 

Sowohl Rauschmeier als auch Meuß lassen bei aller Vorfreude aber durchblicken, dass die Ausbildung in drei Fachbereichen in lediglich drei Jahre nicht ohne sei. Ein Blick auf den praktischen Teil der neuen Ausbildung im Klinikum Penzberg lässt erahnen, das der Aufwand alles andere als gering, wenngleich mehr als lohnenswert ist: Orientierungseinsatz und stationäre Akutpflege im Klinikum Penzberg, stationäre Langzeitpflege in externen Einrichtungen, ambulante Akut- beziehungsweise Langzeitpflege in externen Einrichtungen sowie pädiatrische Versorgung im Klinikum Starnberg. Viele Einsätze, und das sind erst zwei der drei Ausbildungsjahre. 

Doch Meuß schüttelt die anbahnenden Bedenken sogleich ab, meint mit Blick auf die Lerninhalte der drei bislang getrennten Ausbildungsgänge, dass „knapp 70 Prozent“ ohnehin „identisch“ gewesen seien. Und auch von einer Verwässerung der Fachbereiche will der Schulleiter nichts wissen, er erwartet sogar eine „Qualitätssteigerung“.

Gesicherter Nachwuchs mit gesteigerten Qualitäten, das dürfte Rauschmeier gefallen. Seine Augen wandern über die Roll-ups, die zu seiner Rechten stehen. Werbung für die generalistische Ausbildung. Sein Blick bleibt auf einer jungen Frau mit Dreadlock-Dutt auf dem Kopf, breitem Grinsen im Gesicht und blassblauem Kittel am Körper haften. Rauschmeier lächelt. ra

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