Zukunft in der Glaskugel

Eine neue Reform könnte das Klinikum Penzberg finanziell auf die Probe stellen

+
Versorgt ambulant, auch dann noch, wenn es kein Integriertes Notfallzentrum bekommt: Das Klinikum Penzberg.

Penzberg – Wöchentlich flattern geplante Reformen ins Haus, die Claus Rauschmeier, Geschäftsführer des Klinikums Penzberg, oft verärgern. So wie der jüngste Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums, der, wenn realisiert, eines für das Klinikum bedeuten wird: dieselbe Arbeit für weniger Geld. 

Eigentlich war die Notfallversorgung erst vor gut zwei Jahren neu geregelt worden, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte ein dreistufiges System beschlossen, in welchem Mindestanforderungen für Notfallstrukturen festgelegt wurden. Damals seien „die Banda­gen bereits angezogen“ worden, meint Rauschmeier. Doch nun könnten noch engere Bandagen gewickelt werden. Denn laut einer Pressemitteilung des Bayerischen Landkreistages liegt ein neuer Entwurf der Notfallversorgung vor: „Geht es nach dem Bundesgesundheitsministerium, sollen die Notfallambulanzen der Krankenhäuser in Zukunft durch sogenannte Integrierte Notfallzentren (INZ) ersetzt werden.“ Was auf den ersten Blick nicht dramatisch aussieht, ist es aber auf den zweiten: Nicht jede Klinik erhält eine solche INZ, sondern lediglich die Krankenhäuser, welche die Krankenkassen und Ärzte über ihren Landesausschuss festlegen. Mit gravierenden Folgen für die kleineren Kliniken, die künftig wohl keine INZ bekommen. Die haben dann nämlich das finanzielle Nachsehen. „Behandeln sie Notfälle, bekommen sie kaum noch Geld. Verweigern sie die Behandlung, machen sie sich unter Umständen der unterlassenen Hilfeleistung schuldig“, heißt es aus dem Landkreistag. 

Ein Dilemma, in dem dann auch das Klinikum am Schlossbichl stecken wird: „Penzberg wird kein Integriertes Notfallzentrum bekommen“, ist sich Rauschmeier mit Blick auf die umliegenden Kliniken in Garmisch oder Murnau sicher. Sollte der Entwurf tatsächlich umgesetzt werden, bedeutet das jedoch nicht, dass Notfallpatienten in Penzberg künftig abgewiesen werden. „Es ändert sich nichts“, Notfälle werden weiterhin aufgenommen und versorgt, denn „wir werden es machen müssen“, meint Rauschmeier, allein schon aus rechtlichen Gründen. Für die Penzber­ger würde demnach alles beim Alten bleiben, nicht aber für das Krankenhaus. Das bekäme nämlich für die Notfallversorgung „deutlich weniger Geld“, ist der Klinik-Geschäftsführer verärgert. 

Hintergrund des Entwurfs ist der Umstand, dass immer wieder Patienten in den Ambulanzen auftauchen, die keine wirklichen Notfälle sind und die in einer Arztpraxis besser aufgehoben wären. Solche vermeintlichen Notfälle gebe es auch in Penzberg, meint Rauschmeier, der in der geplanten Reform durchaus „etwas Sinnvolles“ erkennen kann. Doch den Weg, mit der Einführung von Integrierten Notfallzentren der Lage Herr zu werden, und damit kleinen Krankenhäusern die Existenz zu erschweren, hält er für den falschen. „Was deutlich wird: Wir werden geärgert“, meint Rauschmeier, der glaubt, dass man auch die Krankenhäuser auf Bundesebene damit reduzieren möchte. Und: „Die Versorgung wird nicht besser“, mahnt er an. 

Dabei gab es in der Vergangenheit durchaus Reformen, durch welche sich die Situation in den Notfallambulanzen in den Augen Rauschmeiers etwas entspannen konnte , darunter die Praxisgebühr. „Da hat der Patient kurz innegehalten“, ehe er zum Arzt oder ins Krankenhaus ging, meint Rauschmeier, der sich als „Verfechter der Eigenbeteiligung“ bezeichnet. Im Jahr 2013 wurde die Praxisgebühr abgeschafft, was Rauschmeier als „komisch“ empfand, zeigte sie doch Wirkung. Mit Blick auf die Eigenbeteiligung im Gesundheitswesen fände der Geschäftsführer des Penzberger Klinikums auch einen Wochenendzuschlag sinnvoll. „Zuschläge erfahre ich überall im Leben“, betont Rauschmeier, „nur in den Notfallambulanzen gibt‘s einen Blankoscheck.“ Und auch der telefonische ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117, der Patienten rund um die Uhr Termine vermittelt und Auskünfte gibt, sollte wieder mehr in Anspruch genommen werden, findet Rauschmeier. 

Ob der Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums schon bald eine Reform wird, kann der Geschäftsführer des Klinikums Penzberg nicht sagen, „das wäre Glaskugellesen“. Nun müsse man erst einmal abwarten. Dass jedoch eine Neuerung bei der Notfallversorgung kommen wird, damit rechnet Rauschmeier fest. Er sei da nicht pessimistisch, sondern einfach „realistisch“, sagt er. Eine Sichtweise, die er sich angesichts der geplanten Reformen, die ihn Woche für Woche erreichen, und der „sehr konträren Gesundheitspolitik“ wohl angeeignet hat. ra

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Krise: Absagen, Absagen, Absagen
Corona-Krise: Absagen, Absagen, Absagen
Pflegeausbildung am Klinikum Penzberg gestartet
Pflegeausbildung am Klinikum Penzberg gestartet
Corona im Landkreis Weilheim-Schongau: Rasanter Anstieg der Fälle - es droht Ampelphase „Dunkelrot“
Corona im Landkreis Weilheim-Schongau: Rasanter Anstieg der Fälle - es droht Ampelphase „Dunkelrot“
Bei der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen dürfen Verschwörungstheorien nicht fehlen
Bei der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen dürfen Verschwörungstheorien nicht fehlen

Kommentare