Neue Welten zum Abholen

Literatur eingetütet: Trotz Schließung verleiht Stadtbücherei eine Menge Medien

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In formschöne Tüten werden die Bestellungen verpackt. Anschließend bringt Ilka Heissig von der Stadtbücherei die Medientüte vor die Tür.

Penzberg – Das Kind einfach vor den Fernseher zu setzen und sich selbst überlassen, das kommt für Penzberger Eltern in Zeiten geschlossener Kinderbetreuungseinrichtungen allem Anschein nach nicht in Frage. Gelesen werden soll auch, wenn Kindergärten und Schulen ihre Türen geschlossen halten. Und so gehen in Zeiten des coronabedingten Lockdowns zahlreiche Bücher aus der eigentlich geschlossene Stadtbücherei auf Wanderschaft.

Wer in der Rathauspassage und an den Schaufenstern der Stadtbücherei vorbeimarschiert, der dürfte sich wundern, weshalb über den Bücherregalen Lichter brennen, wenn doch keine Kunden da sind, da sein dürfen. Doch das Büchereiteam ist vor Ort und arbeitet weiter, wenngleich anders als sonst üblich. Während die Leser für gewöhnlich die Regale durchstöbern und dann ihre Wunschliteratur auf den Tresen legen, um diese auszuleihen, stöbert nun das Team. Auf telefonische Bestellung können seit ein paar Wochen nämlich verschiedene Medien ausgeliehen werden, Bücher, CDs, Comics oder auch Brettspiele. In eine sogenannte Medientüte gepackt, landet die Bestellung dann vor der Tür der Stadtbücherei, bereit für die Abholung. Immer von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr erfolgt die Ausgabe nach Termin. Im Zehn-Minuten-Takt werden die kantigen und kunstvoll bedruckten Tüten ausgegeben, erklärt Jan Heinemeyer vom Büchereiteam. Dabei planten die Mitarbeiter anfangs mit einem Viertelstundentakt, doch, so Heinemeyer, „es kommen einfach zu viele Anfragen rein“. 

„Wir machen mehr Termine als vorgesehen“, sagt auch Büchereileiterin Katrin Fügener und strahlt, obgleich damit „viel Arbeit“ auf das ganze Team zukommt. Dass das Angebot gut angenommen werde, damit schien Fügener aber gerechnet zu haben. Als sie die Aktion ins Leben rief und öffentlich machte, habe sie viele positive Mails und Anrufe bekommen. Und wenngleich der Anfang etwas schleppend lief, so stapeln sich mittlerweile die Medientüten in der Bücherei. 

Am Telefon, wenn die Leser ihre Medien bestellen und den Termin für die Abholung vereinbaren, erläutern die Mitarbeiter das Vorgehen, mit dem Distanz gewahrt werden soll. Und die Abholer erweisen sich als „sehr diszipliniert“, freut sich Fügener. 

Wenn Jan Heinemeyer daran denkt, welche Medien allen voran ausgeliehen werden, so muss er nicht lange überlegen: „Kinderbücher, Kinderbücher, Kinderbücher“. Überrascht davon ist er aber nicht, immerhin „sind die Kinder den ganzen Tag daheim“. Und so sei es durchaus nicht ungewöhnlich, wenn manche Eltern gleich 20 Kinderbücher auf einmal bestellen, damit ihr Nachwuchs in andere Welten eintauchen kann, eine andere Welt als die reale, die zeitweise beschränkte. Doch auch die Erwachsenen haben Lesebedarf, da landen auch schon mal zehn Romane auf einmal in einer Tüte. Die Regel ist das aber nicht. „Im Durchschnitt werden fünf bis zehn Medien pro Bestellung ausgeliehen“, so Heinemeyer. Gelegentlich haben es die Leser auch nur auf einen bestimmten Bestseller abgesehen. 

Recht wenig Beachtung finden bislang dagegen die vielen Brettspiele, die sich seit rund einem Dreivierteljahr im Repertoire der Stadtbücherei befinden. Vielleicht sei das Angebot noch nicht bekannt genug, spekuliert Heinemeyer und hofft, dass die analogen Spiele künftig mehr Anklang finden. Leser müssen sich auch nicht davor scheuen, welche zu bestellen, denn das Büchereiteam weiß auch die sperrigen Spielschachteln mit ihren unzähligen Kleinteilen sicher in der Tüte unterzubringen. ra

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