Blitzer und Blender

Ohne Gurt und mit zu viel Gas: Polizei schwingt bei bayernweiter Aktion in und um Penzberg die Kelle

+
Beobachterposten an der Bichler Straße: Am Lasermessgerät neben dem Dickicht hielt man sich farblich bedeckt, rund 250 Meter weiter zogen die Beamten dann in neongelb leuchtenden Warnwesten die Autofahrer aus dem Verkehr.

Penzberg – Eigentlich halten sich die Polizisten recht gut versteckt, am Rand der Bichler Straße, neben den Stegfilz-Schrebergärten. Doch ihre neongelben Warnwesten mit der Aufschrift „Polizei“ versprechen nicht die beste Tarnung. Macht nichts, der Blitzer steht ohnehin an einer anderen Stelle.

Da steht er, der Blitzer, im Schatten eines Baumstumpfes, und richtet seinen Laser auf die Autos, Laster und Motorräder, die Penzberg auf der Bichler Straße, vorbei am Stegfilz, verlassen. Etwa 250 Meter weiter warten fünf Polizeibeamte, in leuchtenden Warnwesten, mit Kelle und Funkgerät, über das sich die Kollegin am Laser immer dann zu Wort meldet, wenn es jemand zu eilig hat. Der Blitzermarathon hat gestern auch Penzberg erfasst. 

Das Ortsschild leuchtet dem Autofahrer schon aus der Ferne entgegen, doch vorher muss er sich mit Tempo 50 begnügen. Auch weil sich dort an der Bichler Straße eine Fußgängerquerung und eine Tankstellenausfahrt befinden. Hier sollte man „einfach langsamer fahren“, betont Polizeihauptkommissar Christian Jochner, der sich mit seinem Team bei den Stegfilz-Schrebergärten positioniert, um Geschwindigkeitsübertretungen zu messen. 

Kurz zuvor waren die Beamten schon in Iffeldorf, um vor dem Gong an der Schule zu blitzen. Dort kam es zu „vier Verstößen in der Tempo 30-Zone“, sagt Jochner. Damit, dass sie am Tag des Blitzermarathons mehr Autofahrer mit der Kelle zu sich winken als bei einer gewöhnlichen Kontrolle, rechnet Jochner nicht, immerhin sei die Radarflut ja überall angekündigt worden. Doch das sei auch gut so, schließlich wollen die Polizisten „den Menschen mit offenem Visier“ entgegentreten und sie dazu bewegen „vom Gas zu gehen“, wie Jochner meint. Quasi eine Ankündigung, die präventiv für angemessenes Tempo sorgen soll. 

An der Bichler Straße ist an diesem Tag zwar der eine oder andere zu schnell unterwegs, doch „die meisten bewegen sich im Verwarnungsbereich“, weiß Jochner nach mehreren Blitzermarathons. Brenzlig werde es mit einem Bußgeld von 80 Euro und einem Punkt erst „ab 74 Stundenkilometern“ wirft sein Kollege Michael Adelwart ein. Doch nicht nur um das Tempo geht es den Beamten, sondern auch um eine ganzheitliche Kontrolle der Fahrzeuge, gelegentlich werde auch in den Kofferraum geschaut, sagt Jochner, der kurz darauf mit seinen Kollegen einen Anhänger unter die Lupe nimmt und TÜV, Bremslichter und Ladung überprüft. Und völlig losgelöst, also vom Gurt, sollte man auch nicht hinterm Steuer sitzen, geschweige denn mit einem Handy in der Hand, denn das Lasergerät kann bis auf 1.000 Meter heranzoomen. „So können wir auch sehen, ob jemand telefoniert“, schmunzelt Jochner. 

Erfahrungsgemäß ziehen die Beamten um die zehn Autos pro Stunde aus dem Verkehr. „Viele sind das nicht, aber ein Zufallstreffer kann immer mal dabei sein“, sagt der Hauptkommissar und meint damit einen Raser, gegen den wegen anderer Delikte ein Haftbefehl vorliegt. 

An diesem Blitzermarathontag aber ist es recht ruhig an der Bichler Straße. Vielleicht habe die Kollegin vorne den Laser zu nah an dem Baumstumpf gestellt, grinst das Warnwestenteam. Vielleicht sind es aber auch die Fahrzeuge auf der Gegenspur, die durch Aufblenden vor dem Blitzer warnen. Das könne man aber aus Personalmangel nicht kontrollieren, bedauert Jochner, der augenzwinkernd meint, dass man dabei vielleicht sogar mehr Geld einnehmen könne als mit der Blitzerei. 

Nach einer Stunde zieht die uniformierte Karawane samt Laser weiter, die nächsten Messstellen in Penz­berg, Habach, Antdorf und Sindelsdorf warten. Vielleicht mit rasanteren Fahrern – und ohne Baumstumpf. ra

Auch interessant

Meistgelesen

Schließung von Hörmann Automotive in Penzberg: Überwältigende Resonanz auf Stellenportal des Rathauses 
Schließung von Hörmann Automotive in Penzberg: Überwältigende Resonanz auf Stellenportal des Rathauses 
Sondierungsgespräche gestartet
Sondierungsgespräche gestartet
Schlägerei am "Chillout"
Schlägerei am "Chillout"
Ortlieb will Benediktbeurer Bürgermeister werden
Ortlieb will Benediktbeurer Bürgermeister werden

Kommentare