Demagogischer Kahlschlag

Gewerbe am Lainbach: CSU Benediktbeuern reagiert auf Angriff aus dem Landtag

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Die geplante Gewerbegebietserweiterung mit Teilrodung des Lainbachwalds erhitzt auch eineinhalb Jahre nach dem Bürgerentscheid noch die Gemüter.

Benediktbeuern – Im Dialog mit Vertretern des Klosters hatte jüngst der CSU-Ortsverband Benediktbeuern sein Wahlprogramm erläutert und dabei auch die Zukunft des Gewerbegebiets angesprochen. Die Berichterstattung dazu rief nun den Landtagsabgeordneten Florian von Brunn auf den Plan. 

Benediktbeuerns CSU stehe für eine „maßvolle Weiterentwicklung des bestehenden Gewerbegebiets unter Einbeziehung des schutzbedürftigen Lainbachwalds“, so hatte sich der amtierende Gemeinderat Thomas Guggemos bei der Veranstaltung im Café Lugauer ausgedrückt. Mit ihrer Formulierung, man wolle den Bürgerentscheid „nicht in Frage stellen, ihn aber überdenken und neu bewerten“, betraten die Christsozialen einen schmalen Grat. Die Wortwahl bietet jedenfalls reichlich Interpretationsspielraum, wie eine Pressemitteilung des Landtagsabgeordneten Florian von Brunn zeigt. 

„Gibt es doch eine Rodung für das abgelehnte Gewerbegebiet am Lainbach?“, fragt er und verlangt vom CSU-Ortsverband eine klare Aussage. Er sei irritiert, dass in der Benediktbeurer CSU offenbar erneut über eine Rodung am Lainbach für ein Gewerbegebiet nachgedacht werde, nachdem ähnliche Pläne beim Bürgerentscheid im Juni 2018 mit überwältigender Mehrheit (62 Prozent der Wähler hatten für den Erhalt des Waldes gestimmt (Anm. d. Red.), abgelehnt worden seien. Die Partei solle den Bürgern jetzt reinen Wein einschenken, „wenn die CSU wieder auf Kahlschlag setzt, um das Gewerbegebiet doch zu bauen, dann soll sie das sagen“, zürnt von Brunn und erinnert an die „demokratische und moralische Bindungswirkung“ des Bürger­entscheids. Von Brunn betrachtete das Thema nicht nur auf kommunaler Ebene, sondern verwies auf das Volksbegehren zur Artenvielfalt, den Schutz und Ausbau des landesweiten Biotopverbunds, Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms und des Regionalplans sowie die neuerdings grüne Ausrichtung von Ministerpräsident Markus Söder. „Es kann nicht sein, dass die CSU im Landtag Ökologie predigt und dann vor Ort den Kahlschlag probt“, poltert der SPD-Mann. 

Vize-Bürgermeister Hanns Frank Seller (CSU) hat für die eilig verbreitete Pressemitteilung wenig Verständnis. „Das ist eine demagogische Polarisierung, die von außen reingetragen wird“, beklagt er. Auf Dorfebene entscheide jeder Gemeinderat immer nach seinem Gewissen und nicht nach Parteibuch, sagt Seller, den es „bodenlos ärgert“, dass ein Landtagsabgeordneter sich auf „oberflächliche Halbwahrheiten“ verlasse und mit Begriffen wie „Kahlschlag“ auf Stimmungsmache setze. „Mit einer realistischen Auseinandersetzung hat das nichts zu tun“, findet er. Und wie ist nun die Haltung der Benediktbeurer CSU zur Rodung? „Die Verbindungsachse ins Moos muss erhalten bleiben“, versichert Seller, jedoch sei es wohl legitim, aus Verantwortung für das Dorf und die Handwerker darüber nachzudenken, ob Möglichkeiten für eine Erweiterung des Gewerbegebiets „im Einklang mit der Natur“ bestünden. „Ein paar Parzellen haben wir noch“, erläutert Seller, und die könne man durchaus anders strukturieren, etwa kleiner machen. Ganz ungeschoren wird der Lainbachwald auf Dauer wohl nicht davonkommen, denn es stehen etliche Eschen darin, und die sind, wie Seller in Bezug auf das grassierende Eschentriebsterben feststellt, „dem Tode geweiht“. cw

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