Trauer beim DGB

Gewerkschafts-Urgestein Jakob Deffner (90) verstorben - er stammte aus Penzberg

Auf dem Bild ist der ehemalige DGB-Vorsitzende Jakob Deffner zu sehen.
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Jakob Deffner war zwölf Jahre lang DGB-Vorsitzender in Bayern.

Penzberg – Der langjährige Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern, Jakob Deffner, ist im Alter von 90 Jahren in München verstorben. Deffner war gebürtiger Penzberger und auch in der Lokalpolitik aktiv gewesen. 2014 war ihm für seine Verdienste der Ehrenbrief der Stadt verliehen worden.

Jakob „Jakl“ Deffner wurde 1929 in Penzberg in eine damals typische Arbeitsfamilie hineingeboren – der Vater war Bergmann, die Mutter Hausfrau. Der damals 15-Jährige musste am 28. April 1945 die „Penzberger Mordnacht“ miterleben, als Nazi-Schergen 16 mutige Bürger erschossen und erhängten, die dem Kriegswahnsinn ein Ende bereiten wollten. Dies prägte Deffner Zeit seines Lebens. Der Gewerkeschaftsbund rüht ihn als einen „unermüdlichen Kämpfer für Freiheit und Demokratie und gegen Rechtsextremismus“. Ein weiteres prägendes Erlebnis für den jungen Jakob Deffner war die Nacht im November 1944, so das Rathaus in einem Nachruf: In jener Nacht fielen Bomben auf Penzberg und zerstörten mehrere Häuser sowie die Barbarakirche. 1944, mit 13 Jahren, begann Jakob Deffner seine Lehre zum Verwaltungsangestellten bei der Stadt Penzberg. Kurz nach dem Krieg trat er in die Gewerkschaft ÖTV ein, absolvierte ein Studium an der Akademie für Arbeit in Frankfurt am Main und war von 1955 bis 1957 hauptamtlicher Sekretär bei der ÖTV in Würzburg.

Vorsitzender der Penzberger SPD

Anschließend begann sein Weg beim DGB-Landesbezirk Bayern, zunächst von 1958 bis 1970 als Organisationssekretär sowie von 1970 bis 1978 als Mitglied des geschäftsführenden Landesbezirksvorstands und Leiter der Abteilung Organisation und Verwaltung. Von 1978 bis 1990 war er Landesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bayern. 1952 trat Jakob Deffner in die bayerische SPD. Ende der 1960er Jahre war er für kurze Zeit Vorsitzender der Penzberger Sozialdemokraten, heißt es von der Stadtverwaltung. Von 1974 bis 1982 saß Deffner für die SPD im Landtag und anschließend bis 1991 im Bayerischen Senat.

„Prägende Figur“

Jakob Deffner sei eine „prägende Figur der bayerischen Gewerkschaftsbewegung“, erinnert Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, an den Verstorbenen. Zudem unterzeichnete der gebürtige Penzberger Deffner 1978 das Partnerschaftsabkommen zwischen dem DGB Bayern und dem israelischen Gewerkschaftsverband Histadrut Region Negev/Beer Sheva. Als „bedeutenden Gewerkschafter“ würdigt auch die Partei Die Linke mit den beiden Penzbergern Politikern Peter Maier (Kreisrat) und Rolf Podlweski (Kreis-Schatzeister) den Verstorbenen. Für seine Verdienste wurde Jakob Deffner mehrfach ausgezeichnet: 1980 erhielt er die Bayerische Staatsmedaille für soziale Dienste, 1981 den Bayerischen Verdienstorden und 1990 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Im Jahr 2014 würdigte ihn seine Heimatstadt Penzberg mit dem Ehrenbrief.

Andreas Baar

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