Linde im Trubel

Zeichen der Gemeinschaft: Zwei der hundert Jubiläumsbäume in Penzberg

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Ein Baum, eine Gemeinschaft: Pfarrer Bernhard Holz, sein evangelischer Kollege Julian Lademann, Gönül Yerli vom Islamischen Forum, Bürgermeisterin Elke Zehetner und Imam Benjamin Idriz (von links).

 Penzberg – Immer etwas hektisch geht es an der Bushaltestelle am Stadtplatz zu. Ständig ziehen an der Kreuzung die Autos vorbei, und mittags warten die Schüler auf dem Bordstein zappelnd auf den Bus. Ausgerechnet dort wurde die Baumspende der drei Glaubensgemeinschaften eingepflanzt.

Eigentlich hatten sie ja genug zu tun, denn während für viele die Adventszeit eine Phase der Besinnlichkeit und Ruhe verspricht, so bedeutet die Weihnachtszeit für Pfarrer meist viel Trubel. Gottesdienste, Krippenspiele, Metten, Vespern, Eucharistiefeiern. Als „eine kleine Sensation“ empfand Bürgermeisterin Elke Zehetner daher nun die Menschenschar an der Bushaltestelle am Stadtplatz, einem anderen Ort des Trubels: Der katholische Pfarrer Bernhard Holz, der evangelische Pfarrer Julian Lademann sowie Imam Benjamin Idriz und Gönül Yerli vom Islamischen Forum, hatten sich dort in der stressigen Adventszeit zusammengefunden. Eine gemeinsame Sache soll schließlich auch gemeinsam präsentiert werden, haben die drei Glaubensgemeinschaften doch einen der 100 Bäume, welche die Stadt anlässlich ihres 100-Jährigen in diesem Jahr gepflanzt hat, gespendet. Eine Silberlinde, die sich recht unscheinbar in die Allee aus anderen Silber- und Winterlinden an der Bahnhofstraße einreiht. 

Dort, wo der neue Baum nun steht, direkt neben der gläsernen Bushaltestelle, sei eine Linde „ausgefallen, sie war krank und verletzt“, so Andreas Wowra, der für die Grünordnung der Stadt zuständig ist. Und auch wenn es nun den Anschein hat, als ob der Stamm einem Lückenbüßer gleich die kahle Stelle auffüllt, so war Julian Lademann dennoch begeistert von der Stelle, die der Baum nun schmückt. Schließlich habe er sich einen prägnanten Platz in der Stadt gewünscht, so der Pfarrer. Und den hat die städtische Baum­pflegerin Anita Suttner damit für ihn ausfindig gemacht. Zunächst war Lademann zwar ein wenig skeptisch gegenüber diesem zentralen Platz, an dem es oft hektisch zugeht, gewesen. Doch dann fiel ihm auf, dass „wir alle unterwegs sind“, philosophierte er, „wir sind alle Reisende“. Nur der Baum nicht, der bleibt die nächsten Jahrzehnte an Ort und Stelle und „erinnere die Menschen an ihre Wurzeln“, fand Pfarrer Bernhard Holz, als er die Linde begutachtete, die von einem Stahlgerüst geschützt wird. Und nicht allein an die Wurzeln, sondern auch „an die Gemeinschaft“ erinnere der Baum, ergänzte Imam Benjamin Idriz. 

An eine Gemeinschaft, und zwar die unter Nachbarn, soll auch die Platane erinnern, die nun an der SeeshaupterStraße in Richtung Iffeldorf gedeiht. Den Baum an der ehemaligen Bushaltestelle in Kirnberg hat die Gemeinde Iffeldorf gespendet. Nicht nur ein Geschenk, das man sich unter Nachbarn und guten Freunden mache, so Bürgermeister Hubert Kroiß, sondern auch als „Zeichen für den Klimaschutz“. Die Platane produziert schließlich als großer Baum mit vielen Blättern ordentlich Sauerstoff. „Da darf es schon ein großkroniger sein“, begründete der Rathaus­chef seine Auswahl. 

Jetzt im Winter haben die beiden frisch gespendeten Bäume aber erst einmal ihre Produktion eingestellt, blattlos wie sie sind. Im Frühling geht es für sie dann aber ergrünt ans Eingemachte. Dann kann die Linde den Reisenden, die in all dem Trubel das Bushäuschen meiden, unter ihrem Blätterdach ein wenig Schatten und Ruhe spenden, während sich die Platane dem Sauerstoff verschreibt. ra

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