Von der Rolle

„Fridays for Future“: In Penzberg könnte bald der Klimanotstand ausgerufen werden

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Hunderte Demonstranten marschierten für mehr Klimagerechtigkeit über Penzbergs Asphalt, wie bereits in der Vergangenheit mit Parolen, mal hinausgeplärrt, mal auf Pappkarton niedergeschrieben.

Penzberg – Ein Banner mit der Aufschrift „#AllesFürsKlima“ zierte die vorderste Front der Demonstranten. Dahinter hoben sich Pappschilder aus der Masse. Bei der dritten „Fridays for Future“ gingen hunderte Penzberger für Klimagerechtigkeit auf die Straße und mit klaren Forderungen vors Rathaus.

Sie waren wieder hier, sie waren wieder laut, weil man ihnen noch immer die Zukunft klaut, glaubt man zumindest den Parolen, welche die Jugendlichen durch die Straßen Penzbergs brüllten. Doch nicht allein Schüler, auch zahlreiche Erwachsene, viele von ihnen mit Warnweste und Ordnerbinden um den Arm, riefen „Hopp, hopp, hopp, Kohlestopp“ beim dritten „Fridays for Future“-Marsch in der Innenstadt. Hopp, hopp, hopp machte da, wohl angesichts der Massen, die dann auf dem Stadtplatz aufschlugen, auch die Meinung von Bürgermeisterin Elke Zehtner, die nun doch die Ausrufung des Klimanotstands in Penzberg diskutieren möchte, nachdem sie selbigen zuvor noch als nicht existent bezeichnet hatte.

„Fridays for Future“: In Penzberg könnte bald der Klimanotstand ausgerufen werden

Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra
Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen beim „Fridays for Future“-Marsch in Penzberg Forderungen an die Stadt © ra

Die Parolen waren nicht neu. „What we want: Climate Justice!“ oder „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ schallte es schon bei den vergangenen Klimastreiks durch die Stadt. Und auch unter den in die Höhe gehobenen Pappschildern offenbarten sich nicht viele neue mahnende Worte, wenngleich der ein oder andere Filzstift Sätze auf Karton gebracht hat, die so mancher Mutter die Haare zu Berge stehen lassen dürften. „Fuck me but not my future“ ließ sich beispielsweise auf einem Schild lesen, umrahmt von kleinen Herzen, die der Schildträger unmittelbar hinter der Rednerbühne fliegen ließ. Auf dem Podest ergriffen dann wieder diejenigen das Wort, die Massen bewegen wollten, Schüler, Abiturienten, eingefleischte Weltverbesserer, und solche, die es werden wollen. Die angehenden Studenten Hannah Hoffmann und Jakob Ohage versuchten es etwa auf die sanfte Tour und führten auf, wie normal es ist, mehrmals im Jahr in den Urlaub zu fliegen, Currywurst von Styroportellern zu essen, sich beim leichten Tröpfeln von der Mutter im Auto zur Schule bringen zu lassen oder löchrige Socken wegzuwerfen anstatt sie zu stopfen. Den zynischen Unterton konnten und wollten sich die beiden aber selbstredend nicht sparen. Schließlich gingen sie zu einem Appell über. Ein „neues Normal“ forderten die zwei, als sie aufriefen, dass sich derartige Gewohnheiten ändern müssen. „Es reicht nicht, freitags auf die Straße zu gehen“, so Ohage. 

Um den Klimawandel zu stoppen, reicht es vielleicht nicht, am Ende der Woche mit Pappschild und Wut zu demonstrieren. Doch für einen Meinungsumschwung bei der Bürgermeisterin, die, anders als ihr mitmarschierender Herausforderer Markus Bocksberger, auf dem Stadtplatz die Menge erwartete, als gelte es einen Staatsgast huldvoll zu empfangen, genügt dies schon. Zehetner betrat nämlich ebenfalls das Podest. Dort wurde der Rathauschefin prompt eine Liste mit Forderungen an die Stadt, adrett zusammengerollt und mit einer violetten Schleife in Form gehalten, überreicht. Auseinandergerollt ist auf dem Papier etwa zu lesen, dass ein Klimanotstand in der Stadt ausgerufen werden soll. Für diese Forderung wanderte auch gleich ein Stapel an Petitionszetteln durch die Menge, die nicht lange auf Unterschriften warten mussten. Außerdem, so die weiteren Forderungen, müsse ein Klimaschutzbeauftragter als Vollzeitkraft in Penzberg wirken, und jede politische Entscheidung soll unter Klimaschutzvorbehalten getroffen werden, auch wenn dann mehr Kosten für die Stadt entstehen. Und: Das Energie- und Klimaschutzkonzept müsse aktualisiert werden: inklusive Maßnahmenkatalog bis spätestens März 2020. 

Mit der Rolle in der Hand versprach Zehetner dann, die Demonstranten in der Ernsthaftigkeit ihrer Sache zu unterstützen. Selbst die Forderung, den Klimanotstand auszurufen, versprach sie in der nächsten Stadtratssitzung auf den Tisch zu bringen. Dabei war Zehetner im Gelben Blatt vor wenigen Tagen doch noch überzeugt davon, dass die Stadt keineswegs einen solchen ausrufen müsse, weil es ihn gar nicht gebe. Ein Meinungswandel, der nicht allen, die der Bürgermeistern zu Füßen standen, gefiel. Zehetner meinte dazu, dass sie da nicht vollumfänglich zitiert worden sei, was, bei allem Respekt, aber leider nicht stimmt. 

Mit Spekulationen, die Bürgermeisterin nutze die Demo als Wahlveranstaltung, hielten sich Stimmen aus der Menge nicht zurück. Prompt wurde sie von einem anderen Mikrofon überstimmt, in das abermals Parolen hineingerufen wurden. Noch lauter als zuvor. Welch seltsame Blüten der Wahlkampf treibt, belegt auch jene Szene: Altbürgermeister Hans Mummert riss einfach einen Zweig ab, der auf dem Stadtplatz die freie Sicht auf den Schaukasten der SPD trübte. Einen Zweig, der Kohlenstoffdioxid speichert. An einem Friday for Future eine denkbar schlechte Geste. Aber was zählen schon Gesten, wenn Wahlkampf ist. ra/la

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