Gemeinderat Benediktbeuern diskutiert intensiv über ein WC im Gästepark

Quantensprung mit Spülung

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An der Garmischer Olympiaschanze steht schon eine: Die vollautomatische WC-Anlage ist hygienisch hochwertig und gegen Vandalismus gerüstet.

Benediktbeuern – Eine Sitzung über die Sitzung: Es war eine Angelegenheit, die man nicht unter den Waschtisch kehren wollte. Im Gremium sprachen die Gemeinderäte über ein WC im Gästepark. Ein Bau-Projekt, das bis zu 100.000 Euro aus der Kasse spülen könnte.

Wenn das mal keine Steilvorlage für die Bichler Maschkera und deren nächsten Faschingszug ist: Der Gemeinderat des benachbarten Klosterdorfes diskutierte in seiner jüngsten Sitzung eine knappe Stunde über das stille Örtchen. Geht es nach Bürgermeister Hans Kiefersauer, soll die öffentliche WC-Anlage der „krönende Abschluss“ des Gästepark-Umbaus werden. Ob die Gemeinde das Projekt in fast sechsstelliger Höhe tatsächlich beauftragt, muss nun der Finanzausschuss beraten. 

Dass ein Gemeinderat eine Dreiviertelstunde lang über ein Klo diskutiert, ist wohl nicht alltäglich. Klar ist aber, dass der Gemeindepark eine öffentliche Toilette benötigt und zwar eine, die der Besucher sauber und unzerstört vorfindet. Schließlich soll der Gästepark ein Aushängeschild der Gemeinde sein, und dazu gehört eben auch das WC. Wenn man schon Geld in die Hand nimmt, dann soll es auch eine hochwertige Lösung sein, fand Hans Kiefersauer. „A Glump zahlt man immer zweimal“, wusste der Rathauschef und sprach angesichts der anvisierten vollautomatischen WC-Anlage von einem „Quantensprung, der nach dem neuen Kinderspielplatz und dem Umbau des Rathauses der krönende Abschluss beim Gemeindepark­umbau“ wäre. 

Tatsächlich liegen die Vorteile solch einer Anlage auf der Hand, wie der Verkaufsleiter der Firma Hering Sanikonzept ausführte. Thomas Kreckel ist dort zuständig für das Gebiet Süd und nannte als Referenzen ein Dutzend vergleichbare Anlagen in Oberbayern, etwa im Bürgergarten Bad Tölz, im Tierpark München und an der Garmischer Olympiaschanze. Das Unternehmen, das seit fünf Jahrzehnten mehr als 6.500 öffentliche WC-Anlagen geplant und gebaut hat, weiß, worauf es bei Toiletten im öffentlichen Sektor ankommt: maximale Hygiene, Funktionalität, Langlebigkeit und minimale Wartungskosten für Betreiber. Zudem muss sie behindertengerecht ausgestaltet sein und Vandalismus keine Chance geben. All das gewährleistet das „City-WC“ der nordrhein-westfälischen Firma. 

Kreckel präsentierte zwei Alternativen: eine Unisex-Ein-Raum-Anlage mit Waschtisch, Urinal und WC sowie eine Zwei-Raum-Anlage, mit deren extra Urinal-Raum „man den Großteil der Männer wegkriegt und den Damen den Anblick des Urinals erspart“, wie der Verkaufsleiter augenzwinkernd feststellte. Dabei werden die Hygienestandards und DIN-Norm für barrierefreie Sanitärräume durch eine ganze Reihe innovativer Entwicklungen sichergestellt. Dazu zählen Edelstahlsanitärgegenstände mit Schwarz-Weiß-Kontrast für Sehbehinderte, wandbündig eingebauter, unterfahrbarer Waschtisch, Notrufsystem, münzfreie und programmierbare Magnetschließanlage, feuerhemmende Materialien, fugenlose Kunstharzböden, LED-Lichtanlage, Abluftanlage und sogar Elektrofußbodenheizung. 

Auf Nachfrage von Margarete Steffens (CSU) bestätigte Kreckel, dass die Anlage auch von Kindern selbstständig benutzt werden kann. Die Leiste mit den grünen und roten Tasten zum Öffnen und Schließen der Türe (die übrigens um die Braille-Schrift ergänzt ist) sei auf Kinderhöhe angebracht und könne noch durch ein Hand-Symbol verdeutlicht werden. Ralph Seifert (FBM) hatte die Allerkleinsten im Blick, als er nach einem Wickeltisch fragte. Auch ein solcher ist integrierbar, schlägt allerdings mit 1.500 Euro zusätzlich zu Buche. 

Womit man bei den Kosten war und mithin an jenem Punkt, an dem die Euphorie im Saal merklich nachließ. Ohne Fassade kostet das Klo nämlich zwischen rund 80.000 Euro für eine Ein-Raum- und knapp 100.000 Euro für eine Zwei-Raum-Anlage. Will man eine automatische Sitzbrillenreinigung und eine ebensolche Urinalreinigung, erhöht sich der Betrag um rund 17.000 Euro. Die Gemeinderäte waren da spontan geneigt, auf diese Annehmlichkeiten zu verzichten. Allerdings gab Fachmann Kreckel zu bedenken, dass der automatische Reinigungsvorgang nicht für den frischen Geruch in der Anlage sorge, sondern auch einer groben Verschmutzung zuvorkomme. „Es gibt nur einen Topf in der Anlage, wenn dieser versaut ist, fängt die Sauerei erst richtig an“, mahnte er. 

Sparen könne man hingegen bei der Fassade und dem Fundament, das örtliche Handwerker ausführen könnten. Die laufenden Kosten bezifferte Kreckel auf jährlich zwischen 8.000 und 14.000 Euro, je nach gewünschter Reinigungshäufigkeit und Größe der Anlage, die im Übrigen eine Lebensdauer von mindestens 20 bis 30 Jahren habe. 

Ob und in welcher Ausführung das stille Örtchen dem Klosterdorf einen Quantensprung beschert, berät nun der Finanzausschuss, bevor das Thema erneut im Gemeinderat landet. cw

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